Italien

Rom per Rad entdecken

Mit dem Fahrrad zum Kolosseum

Mit dem Fahrrad zum Kolosseum

Erfahrungen in der Hauptstadt, die Radfahrer eigentlich gar nicht kennt

Vereinzelt gibt es auch andere Radfahrer.

Vereinzelt gibt es auch andere Radfahrer. Fotos: jm

Sonntags ist der Verkehr in Rom wie in Berlin an einem geschäftigen Freitagnachmittag. Die zwei U-Bahnlinien können trotz der Unterstützung von Hunderten der orangefarbenen Busse die Stadt nicht entlasten. Die Straßenpolizisten fuchteln mit ihren Armen und wollen regeln, was nicht zu regeln ist. Rote Ampeln sind stets dekorativ, aber häufig recht zwecklos. Rechtsabbiegerspuren werden zum Fast Track der Geradeausfahrer. Und der Radler, der sich brav in die Spur eingereiht hat, fühlt sich dann schnell wie in einem Bienenschwarm aus Autos. Überall brummt es.

In der Drei-Millionen-Stadt ohne Radwege treffen wir in zwei Tagen auf gerade einmal sieben und einmal acht Fahrradfahrer. Wobei: Ohne Radwege stimmt nicht ganz – einen gibt es, entlang des Tiber. Und die Strecke von der Tiberinsel bis zur Engelsburg ist auf jeden Fall ein echter Tipp. Wer aber zwischendurch Abstecher in die Stadt machen will, der muss seinen Drahtesel schweißtreibend über steile Treppen nach oben schleppen.

Ansonsten ist Rom weitgehend flach. Nur zur Stazione Termini geht’s auf dem abendlichen Heimweg immer lang gestreckt bergauf. Das in der Nähe des Hauptbahnhofs angesiedelte stylische Radisson Blu gehört zu den wenigen Plätzen in Rom, wo man sich ein Fahrrad ausleihen kann, für 15 Euro pro Tag. Zum Vergleich: Eine 60-Minuten-Sightseeingtour mit einer Rikscha kostet 40 Euro.

Als Fahrradfahrer ist man immer nah dran. Nicht nur an den Fahrzeugen, auch an maroden Palazzi in engen Gassen. Auf dem Circo Massimo kann man sogar fahren. Und geparkt wird direkt vor dem Petersdom, am Pantheon oder Colosseo.

Schon am ersten Tag mutiert man vom ordentlichen deutschen Fahrradfahrer zu etwas, das es gar nicht gibt: zu einem römischen Fahrradfahrer. Da das Einbahnstraßengewirr Roms durchaus müde machen kann und einen schnell mal vom Weg abbringt, werden bald Fußgängerzonen und Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung befahren.

Auch ein Fahrzeug der Carabinieri kommt uns dabei entgegen – ohne jegliche Reaktion. Selbst die Straßenpolizei stört sich nicht daran, dass wir uns den Weg zur Spanischen Treppe im Gewühl der Fußgängerzone bahnen. Man hat das Gefühl, uns gibt’s gar nicht.

Dann machen wir das römische Meisterstück und fragen eine römische Politesse nach dem Weg zur Piazza Navona. Das sei ein wenig kompliziert, meint sie. Und deutet in die Einbahnstraße hinter ihr: „Fahren Sie am besten da lang!“

Sie deutet wohlgemerkt gegen die Fahrtrichtung und wünscht noch „una buona giornata“. Es gibt abermals keinerlei Reaktionen: Niemand hupt, keiner schimpft. Dabei können die Römer schimpfen wie die Rohrspatzen! Und das Fazit lautet: Rom per Rad ist herrlich, weil man die Narrenfreiheit für Fahrradfahrer prima nutzen und genießen kann.
Jochen Müssig

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