Spanien

Santiago: Nonstop in die Apostelstadt

Sehenswert: die Altstadt der Pilgermetropole

Sehenswert: die Altstadt der Pilgermetropole

Santiago de Compostela als neue Destination für einen Städtetrip

Endlich am Ziel: Pilgerin in Santiago

Endlich am Ziel: Pilgerin in Santiago. Fotos: cd

Mara ist glücklich. Die Studentin aus Marburg steht vor der gewaltigen Hauptfassade der Kathedrale und hat Tränen in den Augen. Sie spürt den hoch bepackten Rucksack nicht mehr, den sie seit Wochen durch Nordspanien geschleppt hat. Nun ist sie am Ziel. Seit mehr als 1.000 Jahren ziehen Reisende zu Fuß in die fromme Stadt im spanischen Galicien. Noch immer tragen sie die Jakobsmuschel als Erkennungszeichen um den Hals oder am Rucksack angehängt.

Neuerdings kann man jedoch auch blitzschnell nach Santiago gelangen. Nachdem Ryanair die Stadt im grünen Nordwesten Spaniens bereits von Hahn/Hunsrück aus bedient, fliegt nun auch Lufthansa im Sommerhalbjahr nonstop in die Apostelstadt. Von Frankfurt aus geht es montags, donnerstags und freitags nach Santiago, sonntags wird die Stadt von München aus angeflogen.

Santiago gilt gläubigen Christen als das drittwichtigste Pilgerziel nach Rom und Jerusalem. Doch die galicische Hauptstadt hat mehr zu bieten als Kirchen und Klöster. Neben dem Juwel der historischen Altstadt beeindruckt Santiago mit mehr als zwei Dutzend zeitgenössischen Bauten von 18 internationalen Architekten. Doch alle Wege enden an der Kathedrale mit dem kostbaren Silberschrein, der die Gebeine des Apostels enthalten soll. Die davor liegende weite Praza do Obradoiro bildet die Bühne für den theatralischen Auftritt der prunkvollen Barockfassade.

Mara hat es richtig gemacht. Schon fast geblendet von der sinkenden Sonne ist sie am Ziel angekommen. Am frühen Abend ist Santiago de Compostela am schönsten, wenn das späte Licht die Kathedrale golden aufleuchten lässt und die Altstadtfassaden in warmem Gelb glänzen. Musikanten lassen die Gaita, den galicischen Dudelsack, erklingen.

Vor dem Gran Hotel des los Reyes Catolicos, wo einst kranke Pilger gepflegt wurden, schleppen Pagen Edelgepäck. Doch der Fünf-Sterne-Parador serviert noch immer täglich zehn frommen Wanderern ein kostenloses Essen. Die Kathedrale aber wird abends geschlossen. Das war nicht immer so. Früher schliefen Pilger auf den Galerien. Unmengen von Weihrauch sorgten dafür, den Schweißgeruch der Wallfahrer zu überdecken.

Heute riecht Santiago zur Nacht nach Köstlichem. In der Rua do Franco, wo sich ein Restaurant an das andere reiht, sind die Köche in vollem Einsatz. Santiago verwöhnt die Reisenden mit den Schätzen der nahen Atlantikküste. Mara hat inzwischen einen Schlafplatz im Pilgerheim gefunden und schlendert befreit von der Last des Gepäcks durch die Gassen.
Claudia Diemar