Portugal

Aldeia da Pedralva: Urlauben in alten Mauern

Eine Gasse im renovierten Weiler Aldeia da Pedralva: Foto: cd

Ein kleines Dörfchen wird wachgeküsst

Der große Hund benimmt sich, als gehörte er schon immer hierher. Eines Tages war er da, ohne Halsband oder Marke. Jetzt lebt er in dem Dorf mit seinen 50 Häusern. Gerade wirft er sich Antonio Ferreira vor die Füße, um sich ein paar Streicheleinheiten zu holen. 

Heute ist der sanfte Hund mit einer niederländischen Familie an den Strand gefahren, hat den Tag über mit deren Kindern gespielt und stand am Nachmittag parat, um wieder ins Auto zu steigen, zurück zur Aldeia da Pedralva, wie sich der Weiler nahe des Städtchens Vila do Bispo nennt. Senhor Ferreira ahnt daher, dass das Dorf einen neuen Bewohner gefunden hat. 

Gut zehn Jahre ist es her, dass Ferreira hier auf der Suche nach einem Grundstück für ein Ferienhaus vorbei kam. Damals war er Besitzer einer Werbeagentur in Lissabon und wohnhaft in Cascais. „Große Villa mit Pool, großes Auto – alles da, was für ein Leben im Luxus steht“, meint der Mann im braunen Wollpullover. 

Dann sah er auf einer Landpartie das fast aufgegebene Dorf vor sich. Gut 100 Einwohner hatte es einst gehabt. Inzwischen waren die meisten Gebäude verfallen. „Nur neun Häuser waren gerade noch bewohnbar“, so Ferreira. 

Der Geschäftsmann gab sein bisheriges Leben auf, zog mit Ehefrau und zwei kleinen Kindern in die tiefste Provinz: „Ich hatte genug davon, unsinnige Dinge wie Kreditkarten zu promoten, ich wollte etwas Vernünftiges machen.“ Von 2006 bis 2008 kaufte er mit Freunden 30 der vernachlässigten Dorfhäuser und renovierte sie sorgsam, aber ohne großen Luxus. 

Die Gassen erhielten Laternen, rustikales Pflaster aus Schieferplatten und hellem Kalkstein wurde verlegt, Wasser und Strom in jedes Haus geführt. Der Hahn am zentralen Brunnen funktioniert noch immer, aber heute spritzen sich dort an heißen Tagen die Gästekinder nass, wenn sie nicht im Schwimmbecken planschen. Aber auch zu den herrlichen Stränden der Westküste ist es nicht weit. Weite Teile der Umgebung gehören zum Parque Natural da Costa Vicentina. Wanderer, die sich den 320 Kilometer langen Fernwanderweg entlang der Küste erlaufen, sind häufig unter den Gästen.

2010 eröffnete die Aldeia da Pedralva als Dorfhotel. Es gibt Häuser mit und ohne Terrasse, solche mit einem oder mehreren Zimmern für größere Familien. Insgesamt 80 Betten stehen für Urlauber zur Verfügung. 

16 Arbeitsplätze wurden vor Ort geschaffen. Aber nicht jedes Haus im Dorf dient als Gästeunterkunft. Der Hirte Joaquin wohnt hier ebenso wie ein deutscher Esoteriker. Andere Anwesen werden als Ferienhäuser von Erben der einstigen Dorfbewohner genutzt. Neben dem Café und Restaurant, die zum Hotel gehören, gibt es eine Pizzeria. 

Sechs Häuser warten noch auf ihre Restaurierung. Wahrscheinlich wird auch noch der ein oder andere Vierbeiner dazukommen – wie das Eselbaby, das vor wenigen Tagen geboren wurde. „Die Aldea da Pedralva ist wie eine Arche, die Platz für alle bietet“, hat Hirte Joaquin noch gesagt. Dazu passt, dass sie an 365 Tagen im Jahr geöffnet hat. 

Das freundliche Dorf an der Algarve lässt sich unter anderem über die Veranstalter Olimar und Schulz Aktiv Reisen buchen. Nähere Informationen gibt es online unter www.aldeiadapedralva.com.

Claudia Diemar
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