Spanien

Menorca: Auf dem Cami de Cavalls

Zwei Reiter genießen die Aussicht aufs Mittelmeer

Die Insel hat einen alten Pferdeweg wiederbelebt, genutzt wird er heute vor allem von Wanderern und Mountainbikern

Menorca lässt sich auf dem Cami de Cavalls umrunden. Fotos: chs

Jorge und Jose sind nackt. Sie schwimmen langsam durch die Bucht von Cala del Pilar. Ihre Badehosen haben sie nicht in den Rucksack gepackt, als sie früh am Morgen mit dem Mountainbike aufgebrochen sind.

„Die Schwimmsachen waren zu schwer“, scherzt Jorge. Dabei dürfen die beiden Spanier das, was sie sich vorgenommen haben, wirklich nicht auf die leichte Schulter nehmen: Sie wollen Menorca auf dem Cami de Cavalls umrunden, dem historischen Pferdeweg, der unter großen Anstrengungen in den vergangenen Jahren wiederbelebt wurde.

Pferde sieht man auf dem Weg allerdings kaum. Dafür umso mehr Wanderer. Offiziell sind es exakt 20 Abschnitte mit rund 185 Kilometern. Selbst wer zügig unterwegs ist, muss eine gute Woche planen, um Menorca zu Fuß zu umrunden. Deswegen kommen nun immer mehr Mountainbiker. Sie schaffen die Tour in drei Tagen, da bleibt noch genügend Zeit für Sonne und Strand.
Die beiden spanischen Freunde sind mittlerweile aus dem Wasser raus und haben ihre Radhosen übergestreift. Vor ihnen liegt einer der spektakulärsten Abschnitte im Norden von Els Alocs nach Cala Morell mit steilen Klippen, grandiosen Aussichtstürmen aus rotem Fels und blauen Wellen, die über den gelbsandigen Strand lecken.

Der Pferdeweg ist nah am Wasser gebaut. Nur wenn ein hoher Berg oder ein tief eingeschnittener Canyon es verlangen, geht er einen Kompromiss ein und weicht ins Landesinnere aus. Für Wanderer sind keine großartigen Schwierigkeiten dabei.

Jose und Jorge kommen gelegentlich an knifflige Stellen, wo sie absteigen und schieben. Der unermüdliche Tramuntana-Wind und das salzige Meerwasser haben im Norden Menorcas eine raue Landschaft geformt.

In dieser Ecker der Insel halten sich nur Meerlavendel, Meerfenchel und Heidebüsche auf den kargen Felsen. Sie vertragen die salzige Luft. Zum Ende hin wendet sich der Weg von Meer und Sanddünen ab und führt zwischen Steppenhügeln hindurch in einen Steineichenwald, in dem sich kräftige Anstiege und zackige Abfahrten aneinanderreihen. Ein Traumrevier für Mountainbiker.
43 Prozent der Landoberfläche Menorcas stehen unter Naturschutz, an der Küste sind es gar 70 Prozent. Es gibt 60 Buchten, 47 davon sind unberührt geblieben. Und mit dem Fahrrad kann man die meisten davon problemlos entdecken.

Reisende aus Süddeutschland können neben den Flügen ab Deutschland zusätzlich auch ab St. Gallen/Altenrhein fliegen. Diese Flüge sind bei dem Veranstalter Rhomberg im Programm.
Christian Schreiber

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