Italien

Abruzzen: Im „Klein-Tibet Europas“

Der Ausblick auf den Corno Grande ist fantastisch. Foto: ras

Wer in den Abruzzen wandert, reist in eine andere Welt

Die Sicht? Grandios! Schließlich grüßt mit dem 2.912 Meter hohen Corno Grande der höchste Gipfel des Apennin im Hintergrund. Weiter geht der Blick zu anderen kahlen Bergen und zu Hängen, an denen vereinzelt Dörfer wie Vogelnester kleben. Die Stille ist unbeschreiblich, der Betrachter wird selbst ganz ruhig und entspannt bei diesem Anblick. Der Aufstieg bis zum 2.388 Meter hohen Refugio Duca di Abruzzi, um diesen Blick zu genießen? Ist vom Startpunkt Campo Imperatore auch für Gelegenheitswanderer zu schaffen, wenn man den Serpentinenweg wählt.

Denn das ist das Gute im 1.500 Kilometer langen italienischen Apennin. Je nach Kondition wählt man zwischen den leichten und den anstrengenden Touren: Wer möchte, kann den fast 3.000 Meter hohen Corno Grande und viele der anderen über 2.000 Meter hohen Berge erklimmen und bei mehrtägigen Klettertouren in einfachen Berghütten schlafen. Selbst im Hochsommer sind die Temperaturen wegen der Höhe zum Wandern recht angenehm, aber dafür kann es im April oftmals noch Schnee geben.

Zwei Stunden von Rom entfernt

Bis zum Corno Grande können sogar die Urlauber blicken, die morgens noch an der 50 Kilometer entfernten Adria oder auch in der Hauptstadt Rom, von der man rund zwei Stunden mit dem Auto braucht, aufgewacht sind. Von dort aus geht es in eine andere Welt: in den Nationalpark Gran Sasso, in die Hochebene am Campo Imperatore, in eine menschenleere und karge Vegetation, die von den Besuchern wegen ihrer Ödnis auch „Klein-Tibet Europas“ genannt wird. Noch trifft man hier Kuh- und Schafhirten und deren Hunde, die die Tiere vor den Wölfen und Braunbären bewachen.

Bis zum Campo Imperatore, einem der ältesten Skigebiete Italiens, gehen die Wanderer zu Fuß oder reisen mit dem im Sommer sporadisch verkehrenden Skilift, dem Auto oder dem Fahrrad an. Das Campo Imperatore war einst Bergetappe beim Radrennen Giro d’Italia.

Observatorium am Campo Imperatore

Bekannt ist der Ort auch, weil sich neben dem Observatorium und dem botanischen Garten ein in die Jahre gekommenes Hotel befindet, in dem die Alliierten im zweiten Weltkrieg Benito Mussolini interniert haben. Das Hotel soll seit Jahren renoviert werden.

Wer in der Nähe übernachten möchte, kann dies in Santo Stefano di Sessanio. In dem mittelalterlichen Dorf, in dem die letzten Erdbebenschäden beseitigt werden, gibt es mit dem Sextantio ein „verstreutes Hotel“ – die Gästezimmer liegen über verschiedene Gebäude des mittelalterlichen Dorfes verteilt. Von Santo Stefano kann man wunderbar bis zum Kastell von Rocca Calascio wandern. Die Ruine der Festung gehört zu den höchstgelegenen Burgen Italiens – und war schon häufig in Filmen wie „Der Name der Rose“ zu sehen.

Etwas weiter nördlich liegt der über 70.000 Hektar große Naturpark Monte Sibillini. Am schönsten sind die Wanderungen hier von Ende Mai bis Anfang Juli, wenn die Hochebene Piano Grande vor dem fast 2.500 Meter hohen Berg Vettore in einer einzigartigen Farbenpracht erstrahlt.

Wander- und Trekking-Reisen in die Region bietet unter anderem Hauser Exkursionen an.
Sylvia Raschke

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