Frankreich

Cote d`Azur: Großes Feuerwerk der Gartenkunst

Der Park der Villa Rothschild besteht aus neun Gärten. Bild: hb

An der Küste rund um Nizza erlebt man im Frühsommer die Blumenpracht

Was für ein Licht! Schon früh am Morgen bringt es die Berge, die Stadt, das Meer mit einem goldenen Schimmer zum Leuchten. Abend für Abend wiederholt sich das Spektakel: Kein Wunder, dass Marc Chagalls Malereien aus Südfrankreich so farbenfroh sind. Hoch über Nizzas Zentrum, im Villenviertel Cimiez, zeigt ein Museum die weltweit größte Sammlung seiner Werke. 
Eines zeigt eine Meerjungfrau mit rotem Haar und einem opulenten Blumenstrauß, dahinter die berühmte Promenade des Anglais, wo an der Cote d’Azur der Mittelmeer-Tourismus begann. Die vom Meister gezeichneten Häuser in Pastelltönen gibt es bis heute in Nizzas Altstadt, ebenso den berühmten Blumenmarkt. Und auch allerlei zauberhafte Gärten – nur verstecken die sich inzwischen hinter dem an der Küstenstraße wuchernden Betondschungel. 

Nizza in Grün

Nizza, Frankreichs fünftgrößte Metropole, vermarktet sich trotzdem als grüne Stadt: Es gibt etwa 300 Hektar an Gärten und Parks, weitere hundert Hektar sollen in nächster Zeit noch hinzukommen. Nach der Ankunft am Flughafen muss man nur die Corniche queren und landet im Parc Phoenix. In 20 Themengärten gedeihen hier 2.500 Pflanzenarten aus der Mittelmeer-Flora. Daneben erhebt sich eines der größten Gewächshäuser Europas. 
Im Zentrum ist die Promenade du Paillon ein grünes Band, wo sich im Sommer die Kinder an Wasserspielen erfrischen. Ruhiger geht es auf den Hügeln zu. Unweit vom Matisse-Museum und dem Klostergarten von Cimiez wachsen uralte Olivenbäume: Der Jardin des Arenes de Cimiez ist ein toller Platz zum Picknicken. 
Ein Feuerwerk der Gartenkunst erlebt, wer der Küste nach Osten folgt: Studiosus organisiert spezielle Event-Reisen zu den Gärten der Cote d’Azur und der italienischen Blumenriviera. Manchmal kann man über die Mauern der Millionärsanwesen spicken: In Saint-Jean-Cap-Ferrat beherbergt der botanische Garten Les Cedres eine der größten Kollektionen tropischer Pflanzen Europas. Ein Besuch ist nicht möglich – außer man kann glaubhaft machen, interessiert zu sein am Kauf des Areals (es ist für 350 Millionen Euro auf dem Markt). 

Die Gärten der Villa Rothschild

Betreten darf man dagegen die Villa Kerylos, die, einem antiken Anwesen nachempfunden, direkt am Meer liegt. Um die Ecke befindet sich der Park der Villa Rothschild, erbaut zur Zeit der Belle Époque. Neun Gärten mit Springbrunnen, Alleen und Rosenbeeten thronen über dem Meer und bieten einen Blick über die Buchten von Villefranche und Beaulieu-sur-Mer.
Kurz vor Monte Carlo liegt das Örtchen Eze, das sich seinen Spitznamen „Balkon über dem Mittelmeer“ redlich verdient hat. Vom exotischen Kakteen- und Skulpturengarten über dem autofreien Dorf sieht man hinab auf die Steilküste, das Cap Ferrat und das 430 Meter tiefer glitzernde Wasser. Friedrich Nietzsche rühmte in Briefen die Landschaft. Eze ist zwar nicht mehr das ruhige mittelalterliche Bergnest von früher – dafür kommen heute zu viele Besucher. Doch abends, wenn die Tagestouristen abgefahren sind, hört man nur noch die eigenen Schritte auf dem Kopfsteinpflaster.

Helge Bendl