Frankreich

Cevennen: Auf Serpentinen zu den Sternen

Kurvige Straßen winden sich durch die Landschaft der Cevennen

Kurvige Straßen winden sich durch die Landschaft der Cevennen. Fotos: kodachrome25/ iStockphoto, hs

In den Dörfern geht es meist beschaulich zu

In den Dörfern geht es meist beschaulich zu

Der Weg zu den Sternen hat viele Kurven, aber keinen Mittelstreifen. In endlosen Serpentinen führt er hinauf zum Firmament: Kilometer um Kilometer an düsteren Abgründen entlang, seit einer Ewigkeit begleitet vom Rauschen im Mondlicht fast unsichtbarer Wasserfälle.

Er windet sich auf schmalen Straßen durch winzige Dörfer. Fahles Licht fällt Momente lang aus ein paar Fensteröffnungen. Aus einer geöffneten Haustür klingen Chansons, deren Melodien schon ein paar Meter weiter in der Dunkelheit verloren gehen.

Und am Ende, viele Windungen später und ‧immer höher, wenn die Sterne durchs Schiebedach ins Auto zu fallen drohen, wird der Asphalt rissig. Nun führt die Straße nur noch an zwei schlafenden Eseln in einem Gatter vorbei in die Einfahrt: endlich angekommen, hoch oben in den Cevennen, gut 100 Kilometer im Hinterland der französischen Mittelmeerküste.

Sind die Autoscheinwerfer abgeschaltet, ist es schwarz. Irgendwo im Rücken klebt der Mond über den Tannen und gegenüber leuchten die Sterne und spannt sich das Milchstraßenband, als hätte der Nachthimmel Abermilliarden winziger hintergrundbeleuchteter Löcher.

Die nächste Stadt ist weit, sogar das nächste Dorf. Industrie so etwas wie eine ferne Fiktion. Nichts als Bergwiesen und Wälder spannen sich hier oben auf gut 1.200 Metern Höhe über Täler und Berge.

Weite Teile der Cevennen, gut 50 Kilometer westlich von Nimes, 60 nördlich von Montpellier und 120 nordwestlich von Marseille sind als Nationalpark seit 1970 unter besonderen Schutz gestellt. Allein dieser Park bringt es auf gut das Anderthalbfache der Fläche des Saarlandes oder des Staates Luxemburg – und umfasst noch nicht einmal die gesamten, bis zu 1.700 Meter hohen Cevennen.

Zielflughafen ist vor allem Marseille, am besten lässt sich die Gegend mit dem Leihwagen ent‧decken – mit einem Ferienhaus als „Basislager“. Das Geschäft mit den weit verbreiteten Chambres d’Hôtes, der französischen Variante der Bed & Breakfast-Idee, geht hingegen am Reisebüro vorbei.

Die Randgebiete der Cevennen allerdings sind bereits beliebtes Ausflugsziel mit der nötigen Infrastruktur. Doch je tiefer man sich in den Märchenwald hineinschraubt, je höher hinauf, desto einsamer wird es. Wer sich unterwegs den Geschmack der Cevennen kaufen will, biegt ab und zu rechts oder links ab, wann immer ein Schild auf den Verkauf hausgemachter Marmeladen oder von Gebirgshonig aus eigener Imkerei, auf Wurstwaren oder Käse hinweist.

Aus den Felsen neben Wanderwegen gurgeln derweil immer wieder kühle Quellen, spritzt kristallklares Wasser, stürzen Kaskaden talwärts, die wie aus der Fernsehwerbung für Sprudel schillern, über glatte Felsen rollen, über hellgrüne Moose rinnen – ausgeleuchtet von ein paar ‧Sonnenstrahlen, die durchs Blätterdach dringen. Bis Mond und Sterne wieder die Nachtschicht übernehmen.

Von Helge Sobik

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