Österreich

Immer dem Wasser nach

Im weiten Flussbett sucht sich der Lech immer neue Wege

Im weiten Flussbett sucht sich der Lech immer neue Wege

Genau 125,5 Kilometer lang ist der Lechweg. Er begleitet den „letzten Wildfluss nördlich der Alpen“ von seiner Quelle beim Formarinsee bis nach Füssen. Wer meint, der Weg führt nur bequem am Fluss entlang, der irrt. Wanderer müssen rund 9.000 Höhenmeter überwinden.

Wenige Kilometer nach seiner Quelle ist der Lech nur ein kleiner Bach

Wenige Kilometer nach seiner Quelle ist der Lech nur ein kleiner Bach

Der Lechweg führt oft über Panoramapfade, hier zwischen Warth und Lechleiten

Der Lechweg führt oft über Panoramapfade, hier zwischen Warth und Lechleiten. Fotos: ah

Tag 1: Formarinsee – Lech, 14 + 4 Kilometer

Die schönste Etappe macht den Auftakt. Am Morgen bringt uns der Panoramabus von Lech hinauf zum Formarinsee zu Füßen des Bergmassivs Rote Wand. Die Umrundung des auf 1.800 Metern gelegenen tiefblauen Sees ist nicht Teil des Lechwegs, die vier Extrakilometer lohnen aber. Der See hat einen unterirdischen Abfluss und wenige Hundert Meter weiter unten tritt das Wasser aus dem Boden heraus – die Quelle des Lechs. Der Bach plätschert munter durch die blühenden Almwiesen bergab, an Findlingen vorbei, unter den letzten Schneefeldern hindurch. Unterhalb der Baumgrenze wird der Lech zu einem Flüsschen, sucht sich den Weg zwischen Felsen, Wiesen und Kiefern bis nach Lech.

Tag 2: Lech – Steeg, 25,5 Kilometer

Auf der Strecke bis nach Steeg hat sich der Lech eine tiefe Schlucht gegraben. Der Weg führt an der Flanke des Hangs über Wiesen und durch Wälder, bevor er den Fluss kreuzt und so steil hinaufsteigt in das Örtchen Warth, dass uns fast die Puste wegbleibt. Im Ortskern laufen wir vorbei an alten Walserhäusern aus dunklem Holz und weiter nach Lechleiten. Dunkle Wolken ballen sich am Himmel, in der Ferne grollt Donner. Wir überlegen, ob wir den Lechweg verlassen und in den Bus steigen, entscheiden uns aber dagegen. Zum Glück. Das Gewitter lässt sich bis zum Abend Zeit und wir laufen hoch über dem Fluss mit Panoramablick auf die Lechtaler Alpen und dann hinab nach Steeg.

Tag 3: Steeg – Elbigenalp, 20,5 Kilometer

Am Morgen hängen die Wolken so tief über dem Tal, dass sie den Zwiebelturm der Kirche von Steeg zu berühren scheinen. Der Lech hat nach dem Regen seine türkise Farbe verloren und rauscht braun und wild, als wir nach Holzgau wandern. Wir verlassen den Lechweg für ein kleines Abenteuer: Eine 200 Meter lange Hängebrücke führt in schwindelerregender Höhe über die Höhenbachschlucht. Durch den schwankenden Gitterboden sieht man den Bach – 110 Meter tiefer. Über die Hänge führt der Weg durch Wald und Wiesen nach Elbigenalp.

Tag 4: Elbigenalp – Stanzach, 23,5 + 6 Kilometer

Der Höhepunkt des Tages liegt nicht auf dem Weg. Nicht dass der tosende Doser-Wasserfall, die überdachte Klimmbrücke und die fotogenen Heustadl im Talgrund inmitten einer blühenden Wiese entlang des Lechwegs auch schön gewesen wären. Wir finden nach 22 Kilometern noch die Energie, den Baichlstein zu besteigen. Von dort bietet sich ein toller Blick auf den Lechzopf. Das Kiesbett des Flusses weitet und verengt sich mehrfach, so dass von oben betrachtet der Eindruck eines Zopfs entsteht. Danach erfrischen wir uns mit einem Radler im Hotel Post in unserem Etappenziel Stanzach.

Tag 5: Stanzach – Höfen, 21,5 Kilometer

Heute verbringen wir viel Zeit am Lech, der sich im weiten Flussbett immer neue Routen sucht und Kiesbänke formt. Die Tour führt fast nur am Fluss entlang durch Flussauen und lichte Wälder aus Kiefern, Fichten und Erlen. Die hohen Temperaturen und das eiskalte Wasser laden immer wieder ein, die heißen Füße abzukühlen.

Tag 6: Höfen – Füssen, 27 Kilometer

War der Weg bisher abwechslungsreich, geht es am letzten Tag zum Teil kilometerlang auf Schotterpisten im Wald bergauf. Im strömenden Regen. Das drückt aufs Gemüt. Wir passieren die österreichisch-deutsche Grenze, die durch einen simplen Grenzstein markiert ist. Der Blick über den Alpsee auf die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau entschädigt uns und beim „Zieleinlauf“ am Lechfall in Füssen scheint auch wieder die Sonne. Geschafft!

Julia Treuherz

Wissenswertes

Die achttägige Tour mit sechs Wandertagen wurde von Wikinger Reisen organisiert. Man kann auch eine neuntägige Variante mit sieben Wandertagen buchen. Durch den parallel fahrenden Lechtal-Bus kann man die Tagestouren verkürzen. Die Hotels sind vorgebucht, das Gepäck wird von Unterkunft zu Unterkunft transportiert. Die Anreise erfolgt in Eigenregie. Wikinger bietet Reisen von Juni bis September an.

Den Lechweg haben auch andere Anbieter im Programm, etwa ASI und Kleins Wanderreisen.

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