Portugal

Es geht auch ohne Adel

Dicht gedrängt stehen die Häuser in Portos Altstadt. Foto: nathsegato/www.pixabay.de

Porto war immer eine Stadt der Bürger – und ist auch in Corona-Zeiten ein tolles Reiseziel

Das Gerücht hält sich hartnäckig. Wahr ist es dennoch nicht. „Joanne K. Rowling hat auf Twitter persönlich mitgeteilt, dass diese Buchhandlung keinen Einfluss auf die Harry-Potter-Romane hatte“, erzählt Astrid, seit 25 Jahren Reiseleiterin in Portugal. Dem Interesse der Touristen tut das jedoch keinen Abbruch. „Und das ist richtig so“, sagt Astrid. „Denn dieser Laden ist einzigartig.“

Livreria Lello heißt das Geschäft im Zentrum von Porto, das schon von außen ein Augenschmaus ist. Innen erwarten die Besucher sensationelle Holztreppen, wunderbare Bücherregale und eine verglaste Jugendstildecke.

Was vor 30 Jahren ein Geheimtipp war, ist heute eine touristische Attraktion. Selbst im Covid-Sommer 2020, in dem auch Porto zwischenzeitlich fast frei von Touristen war, standen an vielen Vormittagen die Besucher Schlange. Fünf Euro kostet der Eintritt, gebucht werden muss online. „Abzocke“, sagen die einen. „Das ist der Besuch unbedingt wert“, sagen die anderen.

Bacalhao an der Uferpromenade
Das ist vermutlich aber das einzige, worüber Touristen in Bezug auf Porto uneinig sein könnten. Denn dass die Stadt einen einzigartigen Charme hat, bestreitet niemand.

Allerdings sollte man gut zu Fuß sein: Sowohl in Porto als auch in der Nachbarstadt Gaia auf der anderen Seite des Douro geht es fast immer hoch und runter. Es sei denn, man spaziert am Fluss entlang, schaut in den Portweinkellern von Sandemann & Co vorbei und nascht hier und dort einige Tapas.

Mit dieser Strategie kann man die Altstadt, die spektakulären Brücken und den gewaltigen Bischofspalast ganz entspannt von unten genießen und sich kiloweise das Nationalgericht Bacalhau einverleiben: Stockfisch.

Mit Blick auf Corona ist der große Vorteil dabei: Nahezu jedes Restaurant hat einen herrlichen Außensitz. Und in Porto kann man oft bis in den November hinein wunderbar im Freien sitzen. Hinzu kommt, dass der Norden Portugals nach wie vor nicht als Risikogebiet eingestuft ist.

Portukale – „schöner Hafen“
Neben der tollen Uferpromenade lohnt natürlich der Gang in die Oberstadt. Wer die Treppen meiden will, kann Bus fahren, einen Lift rund 100 Meter links von der Bogenbrücke oder die Standseilbahn rechts von der Brücke nutzen.

Nicht verpassen sollten man den Hauptbahnhof Sao Bento: Die 1930 dort angebrachten rund 2.000 Fliesen sind eine Augenweide und erzählen tolle Geschichten. Der Miradouro da Vitoria ist zwar heruntergekommen und etwas schmutzig, aber der Blick ist famos.

Großartig ist auch der Festsaal der alten Börse, der an die maurischen Paläste der Alhambra im spanischen Granada erinnert. Wer durch Parkanlagen mit Ausblick spazieren möchte, ist in den Gärten des Kristallpalastes richtig. Dort kann auch ein Romantikmuseum besichtigt werden. Einer der schönsten Plätze der Stadt ist für mich der Praca des Parada Leitao.

Porto war immer eine Stadt der Bürger, der Händler und der Geistlichen. Adelige hatten es hier schwer – sie durften per Gesetz nur drei Tage in der Stadt bleiben und auch keine Paläste bauen. Und natürlich war Porto auch immer die Stadt der Seefahrer. Das zeigt sich schon beim Namen, der dem ganzen Land seinen Stempel aufdrückte: „Portukale“ geht auf das Griechische zurück und heißt soviel wie „schöner Hafen“.

Eines der größten Gebäude dort ist das alte Zollhaus unweit des Vila Gale Ribeiro Hotels. Dort kann man multimedial in die Geschichte Portos eintauchen – vor allem für Kinder ein Erlebnis. Direkt gegenüber befindet sich das Vintage Café Armazem, zu dem auch eine Kunstgalerie und eine Flohmarkt gehören.

Lohnenswert ist auch eine Fahrt mit der historischen Straßenbahn hinaus nach Foz do Douro am Atlantik. Sie fährt seit 1895 durch die Stadt – und ist damit die älteste Straßenbahn auf der gesamten iberischen Halbinsel. Die Fahrt geht immer am Douro entlang, dauert etwa 15 Minuten, kostet drei Euro und endet fast direkt am (oft stürmischen) Strand.

Im Übrigen: Das Gerücht über den Einfluss der Livreria Lello auf die Potter-Romane kam nicht von Ungefähr. Rowling lebte Anfang der 90er Jahre als Englisch-Lehrerin in Porto. Zumindest mit ihrem Besuch kann sich die Buchhandlung somit schmücken. Denn dass sie dort nicht vorbeigeschaut hat, ist unwahrscheinlich.

 

Ein Top-Tipp zum Übernachten...
… ist das Hotel Vila Gale Porto Ribeira. Es liegt direkt am Douro, die historische Straßenbahn fährt vor der Haustür vorbei. Die Zimmer sind modern eingerichtet, einige bieten sogar einen Blick auf den Fluss. Der Service ist hervorragend, das gleiche gilt für die Küche. Gebucht werden kann das Hotel unter anderem über Olimar, für dessen Vertriebschef Markus Zahn das Haus erste Wahl ist, wenn er nach Porto kommt. Olimar war übrigens der erste deutsche Veranstalter, der Porto im Programm hatte.

Matthias Gürtler