Deutschland

Jenseits des Trubels

Wer vom Jenner bergab wandert, passiert die malerische ­Königsbachalm

Wer vom Jenner bergab wandert, passiert die malerische ­Königsbachalm. Foto: rie

Berchtesgaden: Drei Wanderrouten, auf denen man den Massen entkommen kann

Neben Adler und Geier bietet das Klausbachtal tolle Aussichten

Neben Adler und Geier bietet das Klausbachtal tolle Aussichten. Foto: rie

Einen Premiumblick auf den Watzmann genießt man vom Grünstein aus

Einen Premiumblick auf den Watzmann genießt man vom Grünstein aus. Foto: rie

Der Königssee im Berchtesgadener Land ist ein Klassiker für Eigenanreisende und neben Garmisch-Partenkirchen mit der Zugspitze der Besuchermagnet schlechthin in den deutschen Alpen. Gerade zu Hochsaisonzeiten wird es dort normalerweise sehr eng und trubelig. Aber das Gros des Massentourismus konzentriert sich auf den Urlaubsort Schönau am nördlichen Seeufer und die obligatorischen Bootsfahrten, um die weltberühmte Echowand und die Wallfahrtskirche St. Bartholomä zu bewundern.

An anderen Ecken des Nationalparks Berchtesgaden geht es hingegen deutlich ruhiger zu. Wir stellen hier kurz drei Wanderrouten vor, bei 
denen sich Touristen nicht gegenseitig auf die Füße treten.

Route 1: Vom Jenner ins Tal

Zugegeben: Auch der Gipfel des knapp 1.900 Meter hohen Jenner mit seinem unübertroffenen Panoramablick auf den Königssee und das Watzmann-Massiv ist ein beliebter Anlaufpunkt, zumal er bequem mit einer modernen Seilbahn zu erreichen ist. Daher ist es ratsam, dort zeitig am Morgen aufzukreuzen.

Da die meisten Gäste aber nur den einige hundert Meter von der Jennerbahn entfernten Gipfel besuchen und danach wieder ins Tal fahren, können sich Wanderer, die per pedes hinabsteigen, entspannen. Natürlich ist es nicht so, dass gar niemand auf den schmalen Serpentinen und später dem geschotterten Wander- und Radweg hinab zur Königsbachalm unterwegs ist. Aber das Ganze verteilt sich in der Regel so gut, 
dass niemand in Stress gerät. Und beim letzten Abschnitt zwischen Alm und Königssee kehrt nahezu komplett Ruhe ein.

Route 2: Zu Adler und Geier

Naturfreunden wärmstens ans Herz gelegt sei das Klausbachtal, das auch als „Tal der Adler“ bekannt ist. Dort ist die Wahrscheinlichkeit hoch, Steinadler in freier Wildbahn zu beobachten – was der Autor bestätigen kann. Wer besonders viel Glück hat, kann sogar Bartgeier am Himmel erspähen, die seit 2021 regelmäßig ausgewildert werden. Fachkundige Beobachtungstouren, die nicht allzu überlaufen sind, bietet der Nationalpark einmal wöchentlich an.

Dringend zu empfehlen ist, danach in dem idyllischen und zuweilen wildromantischen Tal einfach weiterzugehen. Unterwegs spaziert man nicht nur über eine spektakuläre Hängebrücke, sondern kann auch auf der urigen Bindalm eine Jause machen. Die Aussicht von dort ist so fantastisch, dass schlechte Fotos gar nicht möglich sind. Wer dann noch nicht genug hat, kann bis zum Alpengasthof Hirschbichl an der österreichischen Grenze wandern und sich vom „Almerlebnisbus“ zurück zum Nationalpark-Infohaus chauffieren lassen.

Route 3: Die Watzmann-Loge

Okay, diese Tour ist nur etwas für Frühaufsteher. Wer das morgendliche Alpenglühen des Watzmanns genießen möchte, kann dies bei passendem Wetter wunderbar vom Gipfel des Grünsteins aus machen. Dazu muss der 1.300 Meter hohe Berg aber erst einmal erklommen werden, was ein konditionell einigermaßen ausgestatteter Wanderer von Schönau aus in anderthalb Stunden schaffen kann. Die Belohnung ist nicht nur ein Logenblick auf den Watzmann, sondern auch eine Panoramaaussicht über die gesamte Bergwelt rund um das Königsseetal.

Postkartenmotiv-Jäger können dann vom Grünstein aus in Richtung der Archenkanzel weiterwandern. Dies ist ein weiterer bekannter Aussichtspunkt, von dem aus der Königssee in seiner fjordartigen Pracht bestaunt werden kann. Vielen Menschen begegnet man auf dieser Route zunächst nicht – der Waldpfad in Richtung Süden ist zuweilen unwegsam und erfordert Trittsicherheit. Ein beliebter Anlaufpunkt vor oder auch nach dem Abstecher zur Archenkanzel ist die Kührointhütte nebst der höchstgelegenen Infostelle des Nationalparks.

Thomas Riebesehl