USA

Ritt in den Sonnenuntergang

Teile einer Wildwest-Stadt gibt es auf der Grand Canyon Ranch.

Ein Militärheld und Naturschützer bietet Urlaub am Grand Canyon

Nigel Turner, Ranch-Besitzer und zugleich Chef des Ausflugsunternehmens Heli. USA. Fotos: cb

Nigel Turner geht mit seinem Aus‧flugsunternehmen Heli USA nicht nur auf Panoramaflüge über den Hoover-Staudamm und Grand Canyon, sondern erfüllt auch Träume vom Wilden Westen. Er ist nämlich seit über zehn Jahren Besitzer der Grand Canyon Ranch in Arizona, die waschechten Wildwest-Urlaub anbietet.

Ein Cowboy war der Brite aber auch schon in früheren Zeiten – wenn auch einer der Lüfte. Als Hubschrauberpilot zeigte er zum Beispiel der früheren Premierministerin Margaret Thatcher die Berliner Mauer. Und in Gatow half er, die Passagiere eines entführten russischen Flugzeugs zu befreien. Im Norden Arizonas wird der Absolvent der Militärakademie Sandhurst des‧wegen auch „Englischer Cowboy“ genannt. Später war Turner als erfolgreicher Naturschützer unterwegs.

Nun züchtet er auf seiner über 400 Quadratkilometer großen Grand Canyon Ranch Corriente-Rinder und Büffel, die bis 1895 in den USA nahezu ausgerottet waren. Und er bietet Gästen Planwagenfahrten in den Sonnenuntergang oder Reitausflüge durch die mit Joshua-Trees gespickte Prärie. Abends werden dann im historischen Ranchhaus Hähnchen, Ribs und Steaks serviert und am Lagerfeuer zu Bier und Wein Countrysongs zum Besten gegeben. Anders als im benachbarten Indianerreservat sind alkoholische Getränke auf der Ranch nämlich nicht verboten.

Die Geschichte des 1865 ursprünglich unter dem Namen „Diamond Bar Ranch“ gegründeten Anwesens ist ebenso spannend wie die ihres heutigen Eigentümers. Unter anderem war sie im Besitz des berüchtigten Revolverhelden Tap Duncan, dessen Wohlstand aus Überfällen und Geldwäsche für die Bande von Butch Cassidy und Sundance Kid stammte. Von Duncans Töchtern erwarb später der Rodeo-Champion Dale Smith das Anwesen und tilgte Steuerschulden, indem er der US-Regierung viel Grund abtrat, sich jedoch neben den Wasserrechten einen Rest der Ranch sicherte. Diese benannte Turner als neuer Besitzer schließlich im Jahr 2002 in Grand Canyon Ranch um.

Und er verknüpft diese heute geschickt mit seinem Helikopter-Ausflugsgeschäft: So gelangen die Besucher vom Landeplatz direkt in ein Museum, das neben dem Wilden Westen und Indianern auch die Tierwelt der Region präsentiert. Weiter zur Ranch geht es stilecht per Plan‧wagen, wo komfortable Unterkünfte in Holzhütten und Indianerzelten zur Wahl stehen. Nebenan steht eine Westernstadt mit der originalen Postkutschenstation aus Lehm und dem Galgen, an dem der Bruder von Dale Smith als Viehdieb baumelte.

Wie wild Amerikas Westen übrigens immer noch ist, musste Turner bei einem kurzen Gefängnisaufenthalt feststellen. Er hatte Bauarbeiter zur Rede gestellt, die eine Straße über seinen Grund und Boden walzten. Die soll den, bislang nur über 23 Kilometer staubiger Schotterstraße erreichbaren, Erlebnispark Grand Canyon West der Hualapai-Indianer samt der Attraktion „Skywalk“ besser erschließen. Aussage stand gegen Aussage, denn die Arbeiter bezichtigten ihn, sie mit der Waffe ‧bedroht zu haben. Mittlerweile haben sich beide Parteien verständigt und die Friedenspfeife geraucht.



Christian Boergen

Buchbarkeit
Die Grand Canyon Ranch (www.grandcanyonranch.com) wird in Deutschland von LMG Management (www.lmg-management.de) in München vertreten und ist bei folgenden Veranstaltern buchbar: Boomerang Reisen, Canusa, Dertour, Neckermann Reisen sowie Tour Consult International.

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