Kanada

Dem Meer verbunden

Halifax besitzt viel maritime Tradition, ist aber auch eine moderne Stadt

Halifax besitzt viel maritime Tradition, ist aber auch eine moderne Stadt. Foto: shaunl / iStockphoto

Nova Scotias Hauptstadt Halifax hat viele maritime Bezüge

Das größte Hallo gibt es beim Eintauchen ins Wasser. Steil geht es die Rampe hinab – Wuschhhh! Die Kids an Bord kreischen. Dann wird es still. Statt rumpelnder Straße begleitet nur noch leises Plätschern die amphibische Stadtrundfahrt mit dem „Harbour Hopper“. Die Pfeiler der Piers ziehen vorbei, Containerkräne.

Dann öffnet sich der Blick auf die Innenstadt von Halifax: Piers und Schiffe vorn, einige Bürotürme dahinter, die klotzige Kolonialzeit-Zitadelle hoch auf dem Berg darüber. Die wichtigste Metropole Atlantik-Kanadas wirkt recht überschaubar, trotz der gut 400.000 Einwohner.

Kompakte Stadt mit junger Szene

„Halifax hat eine lange Verbindung zum Militär,“ erläutert der junge Stadtführer. Auch deshalb sind die auffälligen Gefährte wie der Harbour Hopper wahrscheinlich ehemalige Amphibienfahrzeuge der kanadischen Navy – originale Landungsboote für eine Invasion.

Aber die straßentauglichen Schiffchen eignen sich bestens für die große Rundfahrt in der kompakten Innenstadt mit anschließendem Abstecher aufs Wasser: Es geht vorbei an einigen Kreuzfahrtschiffen, Leuchtfeuern im Hafen und an der jüngst neu gestalteten Waterfront, an der sich Hummerlokale, Märkte und Kneipen drängen. Viel junge Szene ist in der Stadt zu sehen. Fünf Universitäten sorgen für studentischen Nachwuchs – und legendäres Nachtleben an den Wochenenden.

„Die eisfreie Bucht von Halifax war in beiden Weltkriegen der wichtigste Marinehafen Kanadas“, erzählt der Guide. Aus umgekehrter Richtung gingen hier bis in die 1970er Jahre viele Einwanderer an Land. Aus England, Deutschland und Italien, aus der Ukraine und allen anderen Ländern Europas kamen sie, wie das Museum „Pier 21“ anschaulich dokumentiert. Was Ellis Island für die USA, war Pier 21 für Kanada.

Erinnerungen an die Titanic

Halifax hat aber noch einen ganz anderen Bezug zum Meer: Hier war der nächste Festlandshafen bei der Rettung der Titanic-Überlebenden – und für die Bestattung der Toten. Auf dem Fairview Cemetery liegen mehr als 200 der Opfer. John Hume etwa, der Geiger des Schiffsorchesters, und auch Jack Dawson. Der junge Matrose, heißt es, war die Vorlage für Leonardo DiCaprios Rolle im Film. Die Titanic-Ausstellung im Maritime Museum an der Waterfront schildert Details des Unglücks und besitzt sogar einen originalen Deckstuhl.

Alles ist nah in Halifax, mühelos zu Fuß oder mit einer kurzen Taxifahrt zu erreichen. Schön auch für die Kreuzfahrer, die vom Pier aus entlang der Waterfront in die City laufen können. Shopping geht sogar noch näher: im Seaport Farmers Market direkt am Pier. Kein Nippes aus China, sondern lokales Kunsthandwerk, Hummerknacker, Marmelade und Eiswein aus Nova Scotia liegen in den Marktbuden aus. Schön so.

Anlaufpunkt für Kreuzfahrer

Vor allem im Herbst boomt der Kreuzfahrtourismus in Halifax: Dann ist Indian Summer und alle wollen bunte Blätter sehen – was auch mit dem Mietwagen gut machbar ist.

Nova Scotia ist eine echte Alternative zum herbstlich doch überfüllten Neuengland. Die Hotels sind nicht ausgebucht und mit dem Auto sind Ziele wie Cape Breton Island oder auch die Puppenstubendörfer der South Shore zu erreichen, die für die Landgänge der Kreuzfahrer oft zu weit sind.

Infos zu Halifax findet man unter www.novascotia.com/de und www.discoverhalifaxns.com.

Karl Teuschl

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