Tansania

Tansania: Jenseits der Serengeti

Im Tarangire Nationalpark können die Besucher riesige Baobabs sehen.

Im Tarangire Nationalpark können die Besucher riesige Baobabs sehen.

Die kleinen Nationalparks Arusha, Tarangire und Lake Manyara bieten überraschende Erlebnisse

Im Lake Manyara ärgern die Störche gerne die Elefanten.

Im Lake Manyara ärgern die Störche gerne die Elefanten.

Die Rundhütten der Momela Wildlife Lodge am Fuß des Mount Meru im Arusha Nationalpark.

Die Rundhütten der Momela Wildlife Lodge am Fuß des Mount Meru im Arusha Nationalpark. Fotos aze

Serengeti und Ngorongoro-Krater – allein die Namen klingen wie ein Versprechen für pures Safari-Abenteuer, Hemingway-Feeling auf der Fotojagd nach den Big Five und Abenden am Lagerfeuer. Stimmt alles. Doch während sich in den Stars unter den Nationalparks häufig schon mal ein Dutzend Fahrzeuge um balgende Löwenkinder oder Geparden drängeln, überraschen drei kleinere Nationalparks zwischen dem Kilimandscharo und der Serengeti mit großartigen Naturerlebnissen bei weitaus weniger Besuchern. Arusha Nationalpark
Links steigt schroff der Mount Meru auf, mit 4.556 Metern Nummer drei unter Afrikas Gipfeln. Rechts bietet der 5.895 Meter hohe Kilimandscharo als Nummer eins trotz seiner immer weiter abschmelzenden Schneekappe das nach wie vor unvergleichliche ?Panorama. Und dazwischen erstreckt sich der Arusha-Nationalpark, in dem einst Hardy Krüger und John Wayne auf filmische Großwild- und Frauenjagd gingen. Dieser kleine, aber landschaftlich sehr reizvolle Park ist nach der Landung auf dem Internationalen Kilimanjaro Airport bei Arusha bestens geeignet für den ersten Safaritag. Steil winden sich enge Waldsträßchen durch undurchdringliches Dickicht. In den Bäumen toben Affen, und von einer Bergnase aus geht der Blick viele hundert Meter tief in einen Krater, in dem Büffelherden, Zebras und Giraffen winzig wie Stecknadelköpfe wirken. Auf der anderen Seite blinken die Wasserflächen der Momela-Seen – jeder in einer anderen Farbe, Blau, Grün und gelblich. Auch wenn der Park für Elefanten und Raubkatzen zu klein ist, kommt man doch stolz schreitenden Giraffen, wiederkäuenden Büffelherden, Zebras, Impalas und Gazellen ganz nahe. Als stilvoller Einstieg in die Safarireise bieten sich die Bungalows und Rundhütten der Momela Wildlife Lodge am Fuß des Mount Meru an. Ein wenig zehrt die Lodge noch von Kintopp-Nostalgie: Im Speiseraum hängen Szenenfotos von den Stars des Filmklassikers „Hatari“, der hier gedreht wurde, und den Nightcup nimmt man in der „Hardy-Kruger-Bar“. Unvergesslich aber bleibt der dramatische Sonnenuntergang hinter dem Mount Meru und morgens der blutrote Sonnenaufgang am Kilimandscharo. Tarangire Nationalpark
Überraschend selten wird der reizvolle und tierreiche Tarangire-Nationalpark besucht, obwohl er nur 28 Kilometer hinter der Abzweigung Richtung Ngorongoro-Krater beginnt. Die meisten Routen der Veranstalter lassen den Park zu Unrecht links liegen. Die Pisten schlängeln sich durch flache Landschaft, in der wie Riesengespenster gewaltige Baobaos ihre mächtigen Stämme mit den skurrilen Astkronen himmelwärts recken. Aber auch prächtige Schirmakazien, gelbe Fieberbäume und allerlei Buschwerk sorgen für den savannenartigen Charakter des Tarangire-Parks. Hier braucht man nicht lange nach Elefanten zu suchen. In Familienverbänden oder größeren Herden ziehen sie gemächlich durch den Busch, unablässig Zweige abreißend und Grünzeug in sich hineinstopfend. Natürlich strecken auch Giraffen neugierig ihre Köpfe hinter Baumkronen hervor, grasen Zebras, bevölkern Wasserböcke, Gazellen und die wie kleine Bambis ausschauenden Dikdiks das Gelände. In den Baumwipfeln am Tarangire-Fluss spähen Weißkopfadler nach Beute, verdauen Marabus ihren „Fischzug“, und am Ufer streiten sich Geier um die Reste eines Zebras. Und wenn man Glück hat, entdeckt der Guide in den Ästen einer schattigen Akazie sogar einen faul dösenden Leoparden. Lake Manyara Nationalpark
Fast senkrecht fällt die Wand des großen afrikanischen Grabenbruchs von den Höhenzügen der Ngorongoro-Vulkane mehrere hundert Meter zum Lake Manyara ab. Zwischen seinem flachen Ufer und den Steilwänden erstreckt sich der kleine, üppig-grüne Lake Manyara Nationalpark. Hunderte von Störchen bevölkern mächtige Baumwipfel, Paviane toben durch dichten Wald, auf den freien Flächen zum Ufer weiden Büffel und Zebras, raufen halbwüchsige Giraffenjünglinge und versuchen sich im Wettrennen. An einer Ecke des Sees duftet es streng nach Schwefel, hier sickert aus der Steilwand eine heiße, vulkanische Mineralquelle heraus. Plötzlich drängen von allen Seiten Elefanten aus dem Wald und lassen den Safarifahrzeugen kaum mehr eine Chance zum Weiterfahren. Das hebt den Blutdruck – denn so dicht kommt man nur selten an die Dickhäuter heran, die rechts und links, vor und hinter den Cars ein äußerst friedliches Bild abgeben und kaum Notiz von den Besuchern nehmen. Etwas „sauer“ reagieren die mächtigen Kolosse allerdings etwas weiter an lagunenartigen Wassertümpeln, wo Tausende von Störchen, Marabus, Pelikanen und anderen Vögeln um sie herumschwirren, manche sogar auf Kopf und Rüssel landen wollen. Mit wildem Trompeten und unwilligem Rüsselschwenken versuchen die Elefanten, sich von den Plagegeistern zu befreien – vergeblich, weshalb sie sich wieder in die Wälder trollen.

Damit sich der Puls der Safarigäste nach solchen hautnahen Erlebnissen wieder etwas beruhigt, steuert der Fahrer einen Picknick-Platz an. Und – welche Überraschung – statt der üblichen Lunchbox hat unser Hotel, das zwischen dem Lake Manyara und dem Ngorongoro-Park liegt, ein üppiges Büfett aufgebaut. Safarigenüsse auf die andere Art.

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