Sansibar

Sansibar: Geschichten aus Stone Town

In Stone Town gibt es viel zu entdecken: zum Beispiel die Dhau-Werft.

In Stone Town gibt es viel zu entdecken: zum Beispiel die Dhau-Werft. Foto: aze

Das Land präsentiert sich als würzige Mischung aus Afrika und Orient

Leicht fächelt die Brise vom Meer über die Dachterrasse des Chavda Hotels. Dort, wo Mitte des 19. Jahrhunderts ein Berater des Sultans residierte, wohnen heute Touristen und genießen die plüschigen Zimmer mit den antiken Truhen und den Kingsize-Betten unter Baldachinen. Zum Frühstück in luftiger Höhe gibt es die Aussicht gratis: Minarette und Kirchtürme, Paläste und zerbröselnde Gemäuer – in der Ferne das Meer mit weißen Tupfen der Segelboote. Wie das Chavda, Dhow Palace oder Mazons sind eine ganze Reihe alter Paläste in der Altstadt von Stone Town (Sansibar-Stadt) in stilvolle Hotels umgewandelt worden – und das ist gut so. Die Hauptstadt der einst reichen Gewürzinsel wurde zwar zum Unesco-Weltkulturerbe geadelt, doch fehlt das Geld, um die historische Bausubstanz zu restaurieren. Auch wenn die pudrigen Superstrände mit den luxuriösen Badehotels im Norden und Osten der Insel noch so locken: Der leicht morbide Charme der „alten Dame Stone Town“ mit ihren Geschichten ist auf jeden Fall ein, besser zwei Übernachtungen wert. Berühmt für duftende Gewürze, berüchtigt als Umschlagplatz für Sklaven, war Sansibar lange ein Tummelplatz für Eroberer und Glücksritter. Sultan Said verlegte 1840 seinen Regierungssitz von Muscat im heutigen Oman in die ostafrikanische Küstenstadt und legte riesige Gewürznelkenplantagen an. Die Gewinne aus Gewürzexporten und Sklavenhandel machten aus der alten Stadt mit ihren Holzhäusern eine prachtvolle Stone Town. Nachfolger Sultan Barghash ließ an der Uferpromenade das modernste Gebäude Ostafrikas errichten, mit Strom und einem elektrisch betriebenen Fahrstuhl – eine Sensation. „Palast der Wunder“ wird es noch immer genannt und beherbergt heute das sehenswerte Nationalmuseum. Stone Town verführt zu stundenlangem Bummeln durch das Labyrinth der Basar- und Wohngassen. Man entdeckt kunstvoll geschnitzte Türen und Balkone, Hamams und verschnörkelte, viktorianische Architektur wie die historische Apotheke. Tagsüber wirkt die Stadt tropisch-verschlafen. Selbst in der Markthalle geht es gemächlich und ohne absatzförderndes Geschrei zu. Am Abend strömen die Sansibari an die Uferpromenade, wo in Garküchen leckere Kleinigkeiten brutzeln. Zum Sundowner treffen sich die Touristen auf der Terrasse des African House Hotels, des ehemaligen Britischen Clubs. Die Paläste der Sultane und Grund?besitzer lagen oft in paradiesischer Landschaft mit Blick aufs Meer. Meist sind nur Ruinen erhalten – in der tropischen Vegetation ein romantisches Bild. Die Maruhubi-Ruinen des Harems von Sultan Barghash etwa liegen dornröschenhaft vor einem Lotusteich. Palmen ragen aus den Gemächern, und Kühe käuen träge im Schatten der Torbogen wieder. Ein Brand vernichtete den Palast. Ob eine der 99 Frauen des grausamen Herrschers das Feuer legte, ist nicht bekannt. Zum dunkelsten Kapitel der Geschichte der Insel zählt der Sklavenhandel, der selbst, nachdem er 1873 offiziell abgeschafft wurde, noch heimlich bis ins 20. Jahrhundert hinein florierte. Davon erzählen die Sklavenhöhlen von Mangapwani eine traurige Geschichte, wo die Gefangenen tagsüber versteckt und nachts heimlich verschifft wurden. Geschichten gibt es viele auf Sansibar.
Monika Zeller

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