Sambia

Sambia: Afrikanisches Alltagsabenteuer

Strohhütten durchbrechen die oftmals schier endlose Landschaft.

Strohhütten durchbrechen die oftmals schier endlose Landschaft.

Mit dem Bus von Livingstone ins sambische Lusaka

Sambia heißt seine Gäste freundlich Willkommen.

Sambia heißt seine Gäste freundlich Willkommen. Fotos: stock.xchng

„All is possible“, flötet die Hotelangestellte. Wir könnten in einem Schlauchboot durch die Sambesi-Schluchten wirbeln, an einem Gummiseil von der Brücke in die Tiefe der Victoriafälle stürzen oder mit der „African Queen“ ein Cocktail-Rendezvous vereinbaren. Wir wollen von der sambischen Schönheit am Infotisch aber nur eine Busverbindung ins etwa 450 Kilometer entfernte Lusaka genannt bekommen. „Baaas?“ Besorgnis furcht die Stirn. Überlandbus und weiße Haut gehen in Sambia anscheinend noch nicht zusammen.

Am anderen Morgen stehen wir als einzige „mzungus“, Bleichgesichter, vor dem Ticket-Verschlag der Eagle-Linie unter den Bemba, Tonga und Lozi, die der Tourismus aus ihren Stammesgebieten nach Livingstone gelockt hat. „Mu zuhile“, nuschelt der Ticket-Verkäufer, „Good morning“.

Schlaglochpisten
Beim Tuten der Bushupe beginnt sich die Menge auf den Wartebänken an der Akapelwa-Street zu regen. Ein letztes In-die-Hände-Klatschen, verbunden mit angedeutetem Knicks, zum Abschied von Familie und Freunden. Krachend schaltet der Fahrer in den ersten Gang.

Auf den ersten 60 Streckenkilometern reiht sich Schlagloch an Schlagloch. Geschickt bringt der Chauffeur sein Gefährt auf Kurs. Gegenverkehr muss er kaum fürchten. Auf tausend Sambier kommen knapp 15 Autos. Dafür scheucht die Bushupe Radfahrer und Fußgänger auf: Frauen, die Wasserkanister balancieren, Männer mit Feuerholz auf dem Gepäckträger und wartende Familien.

Erster Halt: Zimba. Eine Ahnung nur im dichten Grün der Regenzeit. Aber seit einiger Zeit betreiben hier zwei Amerikaner eine der modernsten ?Augenkliniken des Südlichen Afrikas. Ein einziger Fahrgast steigt aus.

Zweiter Stopp: Kalomo, die ehemalige Hauptstadt Nordwest-Rhodesiens. Inzwischen gibt es hier eine Tankstelle, ein Hotel und den Abzweig der Piste zum Kafue National Park, dem größten Wildpark Sambias.

Fast so schnell wie sein Namensgeber fegt der Eagle weiter. Die Straße verläuft nun schnurgerade und glatt. Entwicklungshilfegelder sorgten für ihre neue Decke. Aber der Bushalteplatz in Choma blieb unbefestigt. Rasch ist er von Verkäufern umlagert. Orangen, Handytaschen und Äxte – alles stemmen sie zu den Busfenstern empor. Choma ist Zentrum des Tonga-Volkes, einem der sambischen Stämme. Beim Bau des Staudamms für den 70 Kilometer entfernten Kariba-See wurden in den 60er Jahren Tausende Tonga von dort zwangsumgesiedelt.

Batoka und Pemba heißen die nächsten Dörfer. Strohhütten, Frauen, die Tomaten und Pilze zum Busfenster reichen, Kinder, die sich mit einem Wurfspiel amüsieren. Monze dann, wo sich Reifenverkäufer reihen, Klebeschilder und Car-wash-Service angeboten werden. Ein paar Schüler vom Agricultural College steigen zu.

Schon zeigt sich dem Auge wieder nur Landschaft. Wie Pilze lugen die Strohhüttendörfer aus dem Busch. Bauern führen Ochsenkarren am Straßenrand entlang, treiben Rinder über den Asphalt. Allmählich lichtet sich der Mahonewald; die Kafue-Flats kündigen sich an. Bevor wir die Sumpfebene erreichen, wogt ein Meer aus Zuckerrohrstängeln. Mazabuka grüßt, die Zuckerstadt.

Speckgürtel
Aus der Ebene steigt die Straße nun in sanften Kurven an. Der Blick kann weit schweifen. Doch bald bleibt er wieder kurz hinter dem Busfenster hängen: an einer Riege von Trommeln und Giraffen. Sorgsam haben die Schnitzer von Kafue und Chilanga die Instrumente und zum Teil fast mannshohen Holztiere aufgereiht.

Minuten später beginnt der Speckgürtel von Lusaka: Village Rest, Lilayi Lodge, und andere Refugien buhlen um die Gunst der Reisenden. Kurz hinter dem Castle-Shopping-Centre können sie schon abbiegen ins Naturabenteuer. Bis zu dem zinnengekrönten Konsumtempel hat sich Lusaka bereits in den Busch gefressen.

Das eigentliche Stadtzentrum aber liegt zusammengedrängt auf den knapp zwei Kilometern zwischen dem Süd- und dem Nordkreisel der Cairo Road. Fünfspurig schnürt die Allee hindurch zwischen flachen Kolonialbauten und Plattenbautürmen. Hinter letzteren verlaufen die Schienen der historischen Eisenbahnlinie zwischen Livingstone und dem Kupfergürtel. An ihrem Saum ist – nach gut sieben Stunden – für uns Endstation: Hier versteckt sich Lusakas Busbahnhof.
Rita Henß

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