Afrika Äthiopien

Äthiopien: Die Elefanten der Dorze

Sollen an einen Elefantenkopf erinnern: Hütte der Dorze. Rechts: Dorze-Junge in Arba Minch

Sollen an einen Elefantenkopf erinnern: Hütte der Dorze. Rechts: Dorze-Junge in Arba Minch. Fotos: mg

Wie ein Volk in Südäthiopien nachhaltigen Tourismus praktiziert

Die Elefanten sind weg. Lange schon. „Die leben jetzt in einem schönen Nationalpark in Kenia“, sagt der Dorfälteste, Hbtamu Mackonen, ohne dabei wirklich traurig zu sein. Denn die Erinnerung an die grauen Dickhäuter tragen die Menschen des äthiopischen Dorze-Volkes in ihren Herzen. Und werden durch die Architektur ihrer Rundhäuser täglich an die einstigen Mitbewohner der Region rund um den Abaya-See im Rift Valley Südäthiopiens erinnert.

Der Tourismus ist es, der eine alte Tradition wiederbelebt hat. Häuser, die einem Elefantenkopf nachgebildet sind. Bis zu 20 Meter sind die runden Hütten hoch, wenn sie neu gebaut wurden. Zwei Luftlöcher dienen als Augen, als Material werden ausschließlich natürliche Produkte verwendet, unter anderem Bambus und Blätter der Ensete-Pflanze, der so genannten falschen Banane.
Im Süden Äthiopiens leben viele Völker noch heute von und mit der Natur. Angehörige der Dorze haben den Wert dieser Kultur für den Tourismus entdeckt: In einem Ort oberhalb von Arba Minch, rund 1.700 Meter über dem Meer und 250 Kilometer südlich von Addis Abeba gelegen, haben sie sechs Hütten für Gäste herausgeputzt.

Als wir ankommen, ist der Fußboden aus Lehm mit duftenden Eukalyptusblättern ausgelegt. Die Betten sind frisch bezogen, das Feuer für die Kaffee-Zeremonie brennt schon. Erst werden die Bohnen gewaschen und geröstet, dann darf der Gast den Geruch genießen, anschließend werden die Bohnen zerstampft. Und 20 Minuten später wird äußerst starker Kaffee serviert. „Schließlich sollt Ihr wach sein, wenn wir Euch unser Dorf zeigen“, sagt Mackonen.

Der Alltag der Dorze hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert. Mädchen und Frauen holen Wasser, sorgen für Sauberkeit und schaben aus den Blättern der falschen Banane eine Stärke, die drei Monate fermentiert und dann zu Brotfladen verarbeitet wird. Die Männer pflanzen auf den nahen Feldern Mais und Bohnen an, die Jungen treiben die Ziegen und Rinder über die nahen Wiesen. Geschäfte und Malls braucht hier kein Mensch. „Wir leben von dem, was uns die Natur gibt“, sagt Mackonen und reicht eine Kalebasse mit Honigwein.

Insgesamt 80 Völker mit ebenso vielen Sprachen leben in Äthiopien. Ihre Stammesgebiete liegen im Süden oft so eng aneinander, dass Besucher innerhalb eines einzigen Tages Einblick in verschiedene Kulturen erhalten können.

Wie das abläuft, ist in Äthiopien allerdings sehr verschieden. Während die Halbnomaden der Mursi, bekannt durch die Lippenteller der Frauen, Touristen als zahlende Fotografen sehen und ansonsten lieber unter sich bleiben, versuchen die Hamar und Konso gemeinsam mit lokalen Agenturen, einen Tourismus aufzubauen, der mehr ist als nur Modell stehen für Geld.
So auch bei den Dorze. Sie singen und tanzen am Abend für ihre Gäste, doch spätestens nach 30 Minuten ist kaum mehr erkennbar, wer mehr Spaß an dem Auftritt hat. Wir haben das Gefühl, willkommene Besucher einer fröhlichen Privat-Party zu sein.

„Hier redet man nicht von nachhaltigem Tourismus, hier wird er praktiziert“, sagt Declan aus Irland und reiht sich in den Tanz der Familie ein. Sein behäbiger Tanzstil passt nicht so ganz zum rhythmischen Trommeln und sorgt für spontanen Applaus: „Es gibt also doch noch Elefanten“, sagt Mackonen und klatscht begeistert mit.

Matthias Gürtler

 

Praxistipp: Im Flieger in den Süden
Wer in den Süden Äthiopiens fliegen will, kann auf Ethiopian Airlines bauen. Der Codeshare-Partner von Lufthansa fliegt zweimal pro Woche von Addis Abeba nach Arba Minch. Das Dorf der Dorze kann unter anderem im Rahmen einer Erlebnisreise der Gebeco-Marke Go Xplore besucht werden.

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