Sambia

Wässriges Weltnaturerbe

Die Victoriafälle bieten ein Naturschauspiel der Extraklasse. Foto: ah

Sambia/Simbabwe: Die Victoriafälle sind ein atemberaubendes Erlebnis

Wir nähern uns den zwischen Sambia und Simbabwe liegenden Victoriafällen von sambischer Seite aus. So machte es auch David Livingstone im 19. Jahrhundert. Im November 1855 entdeckte der englische Missionar als erster Europäer die prächtigen Wasserfälle und benannte sie zu Ehren der britischen Krone nach Königin Victoria. Noch heute ist es ein magischer Moment, die Fälle erstmals in Augenschein zu nehmen und die Gischt der stürzenden Wassermassen auf der Haut zu spüren. Doch so weit sind wir noch nicht.

Paviane genießen auf den hiesigen Wegen Vorfahrt. Deshalb ruckeln wir in gemütlichem Tempo über die Piste, rechter Hand fließt der Sambesi. Auf einmal taucht wie aus dem Nichts eine Gischtfontäne in der Ferne auf: die Victoriafälle. Der Allradbus stoppt, wir kurbeln die verstaubten Fensterscheiben herunter, eine warme Brise strömt in den klimatisierten Bus. Wir knipsen die aufsteigende Nebelgischt – dabei ist der mächtige Wasserfall noch gar nicht zu sehen.

Wir besuchen in der wasserreichsten Zeit – von April bis Mai – die Fälle. Laut Reiseführer steigt die Gischt in dieser Zeit bis zu 500 Meter in die Luft. Jetzt wollen wir aber die Fälle endlich sehen! Vorher checkt unsere Gruppe noch in das nahe an den Wasserfällen gelegene Hotel ein. Durch den am Hotel gelegenen Mosi-oa-Tunya-Nationalpark sind es zu Fuß nur fünf Minuten bis zu dem nassen Unesco-Weltnaturerbe. Der Name des Parks bedeutet „donnernder Rauch“. Mit jedem Schritt auf den schmalen Pfaden durch den dicht bewachsenen Park nimmt das Grollen zu.

Dann ist es soweit: 1.000 Kilometer nach seiner Quelle stürzt der Sambesi direkt vor unserer Aussichtsterrasse aus 109 Metern in die Tiefe in den „Boiling Pot“. Die Gischt verklärt alles zu einem nassen Traum aus Nebel und Wasserperlen. Über den Boiling Pot führt eine Holzbrücke. „Slippery Bridge. Take Care!“ warnt ein Holzschild. Ist man mitten auf der schmalen Brücke, schützt kein Regenschirm.

Hilfreich wäre ein Ganzkörperkondom. Man sieht nichts mehr. Die Gischt kommt aus allen Himmelsrichtungen und nach Sekunden sind wir klitschnass. Wer trocken bleiben möchte, kann auf der simbabwischen Seite einen 15-minütigen Helikopterrundflug unternehmen und die Fälle aus der Vogelperspektive bewundern.

Wir starten westlich der Fälle und fliegen zuerst über einen Golfplatz Richtung Sambesi. Der Hubschrauber nähert sich dem grünen und tropischen Livingstone Island – einer winzigen Insel, die nur wenige Meter vor der spektakulären Fallkante liegt. Aus der Vogelperspektive können wir die ganze Schönheit der 1,7 Kilometer langen Fälle greifen: 500 Millionen Liter Wasser stürzen hier pro Minute hinunter. Nach einer ausgedehnten Runde setzt der Hubschrauber mit seinen staubtrockenen Passagieren wieder zur sicheren Landung an.
Arne Hübner

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