Namibia

Kirschtorten und Big Five

Wanderung auf die Düne 45 des Sossusvlei. Foto: sh

Namibia: Deutsche Spuren in afrikanischer Wildnis

Das Allradfahrzeug rumpelt durch die Dunkelheit. Die Lichtkegel der Scheinwerfer fressen sich durch die Schwärze der Nacht. Plötzlich bremst Lucky, der Guide. Lautlos huschen Schatten vorbei und verschwinden wieder in der Dunkelheit. Zebras.

Es ist anstrengend, nachts durch die Wildnis zu fahren. Doch der Sonnenaufgang am Sossusvlei entschädigt für alles: "Wer einmal gesehen hat, wie die aufsteigende Sonne Schattenspiele auf die Dünen malt, vergisst es sein Leben lang nicht", verspricht Lucky. Sossusvlei ist eine bizarre Landschaft inmitten der Namib: eine helle Salzpfanne, umrahmt von riesigen roten Sanddünen.

Die Sonne steht noch tief und sorgt für starke Kontraste: Schwarz sind die Schattenseiten der Dünen, die Sonnenseiten dagegen leuchten wie glühende Kohlen. Mit jeder Minute verändert sich das Farbspektakel. Die Düne 45 ist die bekannteste und Besucher dürfen sie erklimmen. In einer Reihe stapfen sie eine Flanke des Sandberges hoch. Zu Füßen liegt die runde Pfanne. Auch Extremsportler lieben Sossusvlei und brettern auf speziellen Skiern die sandigen Abhänge hinunter.

Stärker könnte der Gegensatz am Folgetag nicht sein. Das Städtchen Swakopmund liegt etwa sechs Autostunden entfernt, direkt am Atlantik. Bonbonfarbene Häuser, Vorgärten und Straßen. Lucky fährt die Bismarckstraße entlang, vorbei am "Woermann-Haus", einem imposanten Fachwerkbau. Die Metzgerei verkauft Bratwurst und Gulasch, die Bäckerei Pumpernickel und Schwarzwälder Kirschtorte. Die Hotels heißen "Hansa" oder "Zum Grünen Kranze". Spuren der Kolonialzeit, als Namibia noch Deutsch-Südwestafrika hieß.

Vom Atlantik her weht ein kühler Wind. Nur die Palmen verraten, dass die Stadt kein deutsches Ostseebad ist.Im Norden Namibias liegt der Etosha-Nationalpark, wo Reisende auf einer Safari ein Bilderbuch-Afrika erleben: weite Landschaft und wilde Tiere. Zebras, Elefanten und Giraffen begegnet jeder Besucher. Ein bisschen mehr Glück, Geduld oder einen guten Guide braucht man, um die "Big Five" - Löwe, Nashorn, Elefant, Leopard und Büffel - vor die Kamera zu bekommen.

"Leopard", flüstert Lucky, hält den Jeep an und zeigt auf einen Baum. Nur einen Sprung entfernt räkelt sich die Raubkatze auf einem Ast. Sie fixiert die Menschen im offenen Fahrzeug. "Keine Angst, Menschen in Autos sind keine Beute", beruhigt der Guide. Nach ein paar Minuten verschwindet der Leopard im Dickicht. Lucky fährt die Safarigäste zu einem Wasserloch, früh am Morgen und am späten Nachmittag der beste Platz, um Tiere zu beobachten. Rote Dünen, deutsche Spuren und das wilde Afrika - Namibia bietet ein buntes Kaleidoskop an Sehenswürdigkeiten.
Silke Haas

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