Namibia

Gegrillter Ameisenbär

Die jungen Buschmänner frieren am frühen Morgen in ihrer knappen Kleidung.

Namibia: Mit dem San-Volk durch die Kalahari-Wüste

Guide Zed und San-Buschmann Hope erklären, wie eine Straußenfalle funktioniert. Fotos: ah

Morgens um sieben Uhr stehen sie da: Fünf junge San-Männer vom Stamm der Hai//on (gesprochen: Hai Klack Klack Un) warten im roten Sand der Kalahari auf uns. Sie wollen uns einen Einblick in das Buschleben gewähren. Bei kühlen 15 Grad treten die Männer vom ältesten Volk des südlichen Afrikas von einem Bein aufs andere, frieren in ihren knappen Lederröckchen. Im namibischen Hochsommer (Dezember) herrschen hier normalerweise Temperaturen bis zu 60 Grad Celsius. Zwar scheint auch heute die Sonne, aber von ihrer Wärme ist kaum etwas zu spüren.

Begleitet werden die jungen Kerle von unserem Guide Zen. Denn die San-Buschmänner können kein Englisch, verständigen sich in ihrer Sprache, die von Klickgeräuschen bestimmt wird. Das Stammesgebiet der San zieht sich von Namibia bis nach Botswana - Landesgrenzen kennen die Buschmänner nicht. Sie leben noch heute zurückgezogen in archaischen Dörfern. Aber mehr und mehr verlassen gerade junge Männer ihre Gemeinschaft. Verführt vom westlichen Lebensstil, ziehen sie in die Nähe der Großstädte und arbeiten auf den vielen Rinderfarmen im Land.

Bevor der Bush-Walk beginnt stellt sich das San-Quintett vor: Small Boy, Leguan, Fire, Hope und Giraffe. Die Männer sind entweder nach Tieren oder nach Ereignissen, die am Tag ihrer Geburt passierten, benannt. Hope bekam seinen Namen etwa nach einem wichtigen Regenguss, der nach einer langen Dürreperiode am Tag seiner Geburt für Hoffnung sorgte. Die Gruppe marschiert los. Im Gänsemarsch wandern wir auf einem schmalen Trampelpfad in den dichten Busch der Kalahari. Der rote Boden ist noch feucht vom Morgentau.

An einem Akazienstrauch stoppen wir plötzlich. Der Jäger und Sammler Hope warnen uns vor den schwarzen Dornen, an denen unaufmerksame Buschgänger öfters schmerzhaft hängen bleiben. Doch die Akazie ist auch Lebensspender: Aus dem Ast lässt sich Sirup gewinnen. Damit locken die Buschmänner Vögel in ihre Fallen. Zusätzlich eignen sich die dünnen Akazienäste als Zahnbürste mit Paste für die Mundhygiene der Buschmänner - wie uns Small Boy andeutet.

Nächste Lektion: Wie klaut man Straußeneier? "Der Strauß ist eingebildet, aber ein sehr dummes Tier", meint Buschmann Leguan. Um an das Nest des Vogels zu kommen, muss ein mutiger San-Mann zuerst ein Ei aus dem Nest stibitzen und dann blitzschnell vor dem erbosten Strauß flüchten. In der Zwischenzeit holen die anderen Buschmänner in aller Ruhe die restlichen Eier aus dem Nest.

Kulinarisch geht der Bush-Walk weiter: Wie bekommt man einen schmackhaften Ameisenbär auf den Grill? Der Jäger und Sammler harrt in der Nähe eines Termitenhügels aus und wartet auf das Tier mit der langen Schnauze. Wenn der Ameisenbär sich den Bauch reichlich mit Termiten vollgeschlagen hat, taumelt er meist satt umher, legt sich wenige hundert Meter vom Hügel entfernt hin und schläft ein. Dann schnappen sich die San den Ameisenbär, schneiden ihm den Bauch auf, bringen die noch nicht verdauten Termiten zum Hügel zurück und verspeisen das Tier. Falls kein Ameisenbär am Termitenhügel auftaucht, essen die Buschmänner ersatzweise einfach die Termiten. "Als Zwischenmahlzeit - schmeckt wie Butter", erklärt uns Zed.

Wir werden neugierig: Wo kommen eigentlich die fingergroßen Löcher im Boden her? "Schwarzer Skorpion", erklärt Buschmann Fire. Die Gruppe weicht erschrocken zurück. Doch der Kalahari-Bewohner versichert: "Skorpione sind nachtaktiv." Bei Tageslicht bekommt man die scheuen Tiere nicht zu Gesicht. Es sei denn, man wendet einen Stein um. Darunter verstecken sie sich gerne. Kommt es wieder erwartend trotzdem zu einem Skorpionstich, muss der Stachel sofort entfernt werden. Dann gibt es drei Möglichkeiten: Entweder saugt man den Stichbereich aus, schneidet das menschliche Fleisch um die vergiftete Stelle weg oder brennt den betroffenen Hautbereich mit Feuer aus. "Vier Stunden später ist wieder alles okay", meint Fire. Beruhigend. Nun können wir alle im Kalahari-Busch überleben.
Arne Hübner

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