Sudan

Auf den Spuren der Schwarzen Pharaonen

Die Pyramiden von Meroe im Nordsudan.

Unterwegs im Nordsudan, der einst zum ägyptischen Pharaonenreich gehörte

In jüngster Zeit von deutschen Archäologen restauriert: Widdersphinx von Naga im Nordsudan. Fotos: hs

Es sieht aus, als hätten sie ihn erst gestern eingemauert, den letzten Stein gesetzt, den Eingang verschlossen. Und über Nacht kam die Wüste. Stürme trugen feinsten Sand herbei, türmten die gelben Körnchen zwischen den Pyramiden auf, modellierten bei Dunkelheit Dünen vor den angrenzenden Tempel des verstorbenen Pharao.

Die Hieroglyphen dort sind seltsam klar, wie gestern gemeißelt. Göttin Isis schaut dem Toten hinterher. Jeder ihrer Züge ist sichtbar, kaum ein Detail verwittert, kaum eines weggeschrubbt von den Jahrtausenden. Und ein paar Schritte weiter liegen noch die Steine, aus denen die Maler von einst die Pigmente für ihre Farben gelöst haben: Viele der über zwei Dutzend Pyramiden von Meroe im Sudan sind nahezu in einem Zustand, als wären sie erst vor Kurzem errichtet worden und als lebten ihre Baumeister noch heute in den fünf, sechs Kilometer entfernten einfachen Dörfern mit Häusern aus Lehm unten am Nil.

Das Reich der alten Ägypter erstreckte sich bis tief in den heutigen Sudan hinein. Ein paar Jahrhunderte lang regierten Nubier all das. Bedeutendster der "Schwarzen Pharaonen" war Taharqa, der als Eroberer aus dem Süden kam. Bestattet ist er in seiner Pyramide im sudanesischen Nuri am Ostufer des Nils. Sechs Fahrtstunden von seinem Grab, fünf vom berühmteren Pyramidenfeld von Meroe entfernt wacht er bis heute in Überlebensgroße aus Stein gehauen im Eingangsbereich des sudanesischen Nationalmuseums in Khartoum.

Sudan taucht jetzt mit ersten Expeditionstouren in den Programmen vor allem von Studienreiseveranstaltern auf: Für die archäologisch interessanten Gebiete des Nordens gilt keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, der Süden ist zunächst weitgehend friedlich ein unabhängiger Staat geworden. Aber der Dafur-Bürgerkrieg 1.000 Kilometer weiter westlich schwelt weiter.

Darf man in ein derart zerrissenes Land voller Probleme reisen? "Ja", sagen die Menschen auf den Märkten, in den Dörfern, vor den Tempeln und an Deck der hochbetagten kleinen Nil-Fähren. Sie legen die Hand auf ihr Herz, lächeln, sagen "Salam aleikum" und freuen sich über die Fremden aus Europa - ohne ihnen etwas verkaufen oder Dienste als Fremdenführer andienen zu wollen. Sie prosten ihnen mit dunkelrotem Karkade-Hibiscustee zu, eilen herbei, wollen die Hände schütteln, sagen "Welcome to Sudan", sofern sie Englisch können.

Und hinter vorgehaltener Hand reden sie mehr: "Dass ihr da seid, gibt uns das Gefühl, von der Welt nicht übersehen zu werden. Jeder einzelne Fremde stößt das Fenster ein kleines Stück weiter auf. Und je weiter es geöffnet ist, desto mehr frischer Wind kommt herein." Sie können diesen Luftzug brauchen in ihrem Land, das seit 1989 von Militärs regiert wird.

Weil Sudan seit Jahrzehnten im Schatten des touristischen Interesses liegt, wissen außerhalb des Landes nur Fachleute, dass es dort viel mehr Pyramiden als in Ägypten gibt. Über 100 sind es. Und auch die Tempel von Musawwarat und von Naga mit ihrer Allee aus Widder-Sphingen stehen den ägyptischen Überbleibseln der Pharaonenzeit an Pracht nicht nach.

Helge Sobik

Buchungsinfos
Neben Lufthansa, KLM und Emirates fliegen inzwischen auch Etihad und Turkish Airlines nach Khartoum. Der Nonstop-Flug aus Frankfurt dauert rund fünfeinhalb Stunden. Im Programm ist das Land derzeit nur bei Studienreiseveranstaltern - nach jahrelanger Pause wieder bei Studiosus, außerdem bei Diamir, Schulz Aktiv Reisen und Nomad.

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