Namibia

Magie der Farben

Die Farben Namibias: goldgelber Wüstenboden ...

Kaum ein Land hat so viele Facetten wie Namibia

... und knallrote Dünen. Fotos: dk

Wer die kontrastreichen Landschaften Namibias sehen will, braucht einen Geländewagen und mindestens drei Wochen Zeit, um das Land zu erkunden. Von der Hauptstadt Windhoek aus geht es zunächst Richtung Südwesten, nach Lüderitz. Das Hafenstädtchen liegt am Atlantik - und zugleich mitten in der Namib. Die Wüste, die dem Land den Namen gibt, zeigt sich rund um die Bucht von Lüderitz eher unwirtlich: beige-grau mit einem beständig über die Ebene fegenden, kalten Wind.

Doch es warten auch einige Attraktionen: etwa die einstige Diamantenstadt Kolmanskuppe, die seit 1950 verlassen ist und auf gespenstische Art versandet. Rundherum führen staubige Pisten am Sperrgebiet vorbei tief in die Wüste hinein, die bis ans Meer reicht. Brandung schäumt an den Strand, tiefblau und wellig verschmilzt der Atlantik irgendwo mit dem strahlenden Azur des Himmels. Einzelne Grasbüschel klammern sich an kleine Dünen, dunkle Felsen ragen weit ins Meer oder liegen als winzige Inseln vor der Küste. Auf ihnen lassen sich sogar Robben beobachten.

Durch den Namib Naukluft Park führt die Strecke entlang der Tirasberge Richtung Norden bis nach Sossusvlei und schließlich in die Küstenstadt Swakopmund. Auf dieser Strecke verändert die Namib alle paar Minuten ihre Optik. War die Piste zuerst noch Schotter, weicht der bald tiefem, rotem Sand. Rechts und links der Strecke eine Ebene aus goldgelbem Gras. Einzelne knallrote Dünen sind in die Gegend gestreut - Vorboten von Sossusvlei.

Der kleine Ort Sesriem ist das Tor zu der Senke aus Lehm und Salz, in der die berühmten roten Dünen bis zu 400 Meter in den Himmel ragen. Zu Fuß darf man sie erklimmen, wer mit dem Geländewagen fahren will, muss auf gekennzeichneten Pisten bleiben und braucht Allradantrieb. Wer sich gegen Sandverwehungen und sengende Hitze die steilen Hänge hinauf gekämpft hat, genießt ein außergewöhnliches Panorama: eine Landschaft aus roten Bergen.

Einen echten Kontrast zu Meer und Wüste setzt der Caprivi-Streifen im Nordosten Namibias: Grün, soweit das Auge reicht. Denn entlang der Grenze zu Angola wartet wasserreiche Wildnis im Land der San, der Buschmänner. Während der Regenzeit sind weite Teile der Region überflutet, Wälder und Busch reichen bis nach Botswana. Der Caprivi-Streifen ist der grünste Teil mit überdurchschnittlich viel Regen. Viele leben dort noch in Strohhütten, doch ihr Lebensraum wird enger, auch Namibia bietet kaum noch Platz für die Tradition der San, einem Volk aus Jägern und Sammlern.

Eine Safari führt hinein ins Dickicht. Es zirpt, zischt und gurrt aus dem Gestrüpp - in der Wildnis ist man nie allein. Zeitweise lichtet sich der Wald, mächtige Baobab-Bäume stehen im flachen, hellen Gras. Dahinter liegen stille, glänzende Wasserflächen. Der Muduma-Nationalpark ist einer der abwechslungsreichsten in diesem Teil der Landes. Überflutet bei Regen, zieht sich das Wasser auch in den trockenen Monaten nie ganz zurück. Im Westen begrenzt der Kwando River auf einer Länge von 15 Kilometern den Park und verzweigt sich in einem Gewirr von Wasserläufen.

Hier finden Besucher eine Miniausgabe des Okavango-Deltas: Überall planschen Elefanten, Büffel grasen am Ufer, sogar Löwen ziehen durch diese Region. Der Caprivi ist das ursprüngliche Namibia, mit all seiner Wildheit und der Undurchdringbarkeit.
Daniela Kebel

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