Sansibar

Das Ibiza Afrikas

Neue Korbtasche gefällig? Straßenhändler in den Altstadtgassen von Stonetown.

Manche nennen Sansibar das bestgehütete Geheimnis Afrikas

Schönheit aus Tausendundeiner Nacht: Museumsreif restauriert sind die Zimmer im Emerson Spice Hotel. Fotos: at

Eine tausendjährige Altstadt, kilometerlange Traumstrände und das Gefühl, in einem lebendigen Museum Urlaub zu machen: Das ist Sansibar. Die Insel, 37 Kilometer vor Tansania, gilt mit immer mehr Szenetreffs, lebhaften Kultur-Festivals und einer bunt gemischten Urlauberklientel bereits als Ibiza Afrikas – allerdings mit arabischer Note.

Die magische Gewürzinsel, über Jahrhunderte reich geworden durch den Handel mit Sklaven, Gewürznelken, Elfenbein hat, was andere tropische Ferninseln wie die Malediven oder Seychellen kaum haben: ein Eigenleben. Damit lockt sie rund 200.000 Urlauber jährlich.

Besucher schlendern durch die aus Korallenstein erbaute, seit 2001 Unesco-geschützte Altstadt. In Stonetown drängen sich auf einem Quadratkilometer Hunderte kleiner Krämerläden, kunstvoll verzierte indische Handelshäuser, halb verfallene arabische Paläste. Es ist eine marode Schönheit, deren Glanz vergangener Tage man jedoch noch spürt – eine Art Marrakesch auf Sylt, gewürzt mit einer Prise Havanna, denn Sansibar wurde 1964 in einem sozialistischen Coup von Tansania eingeheimst.

Private Investoren wie der kürzlich verstorbene Emerson Skeens, Insel-Pionier und früherer New Yorker Psychiater, haben die kostbare, aber gefährdete Pracht maßgeblich restauriert.  Dem Amerikaner gehören zwei liebevoll renovierte Boutique-Hotels in der Altstadt, Emerson Spice und Emerson on Hurumzi, das nach Renovierungen in diesem Sommer wieder eröffnet. Von der Hurumzi-Dachterrasse sieht man den Indischen Ozean, aus 48 Moscheen dringen die Rufe der Muezzins hinauf. Emersons Boutiquehotels sind Museum, Restaurant und Hotel in einem und verführerisch wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht.

Sansibar hatte in jüngster Zeit vereinzelte, vermutlich islamistische Übergriffe zu verzeichnen, die Tourismusindustrie setzt jedoch darauf, dass die Sicherheit von Touristen weiter gewährleistet wird. Inselkenner Skeens meint: „Sansibar ist seit Jahrhunderten kosmopolitisch, der Mix aus Arabien, Afrika und sogar indischen Einflüssen hat immer friedlich koexistiert.“

Eher westlicher Unterhaltung zuzuordnen ist auch der „6 Degrees South“-Club an Sansibars Ausgehmeile in Shangani neben dem alteingesessenen „Africa House“, dem ehemaligen britischem Club. Im House of Wonders, ehemals Sultanspalast, heute Museum, erfährt man alles über die Geschichte der Handelsinsel im Rhythmus der Monsunwinde. Wer mit dem Aufzug in die oberen Stockwerke fahren will, wird jedoch enttäuscht. „Out of Order“ sagt ein Schild. Ironie der Geschichte: Dies war das erste Gebäude südlich der Sahara, das bei seinem Bau 1883 über Elektrizität verfügte.

Die Glorie der vergangenen Blütezeit lebt jedoch trotz aller Baufälligkeit fort: In der 1907 erbauten Alten Post hat in diesem Jahr eine neue Urlauberattraktion eröffnet, die wohl erste Tapas-Bar im Indischen Ozean, „Taperia“. Solche individuellen Kneipen und Hotels machen den Reiz Sansibars aus, das 200 Hotels aller Kategorien zählt.

In Jambiani haben Bioladenbesitzer Klaus Martin Beiser und sein Sohn Anwar aus Höxter in Westfalen ein familiär geführtes Strandrefugium mit 15 Zimmern aufgebaut, für das sie den ersten Umweltpreis für nachhaltigen Tourismus auf Sansibar erhielten. Neben dem Klassiker Serena Hotel in der Stadt entsteht auch das erste Hyatt – ein weiteres Zeichen, dass die Tourismusindustrie Afrikas auf Sansibar setzt.
Andrea Tapper

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