Simbabwe

Zeit für die Fälle

In Kaskaden stürzt der Sambesi an den Victoriafällen in die Batoka-Schlucht.

Viele Veranstalter kehren nach Simbabwe zurück und vermarkten die vielseitigen Möglichkeiten des Landes für Outdoor-Urlauber

Nach dem Ritt werden die Elefanten mit Hirsekugeln belohnt. Fotos: mw

Offensichtlich ist Izibulo zufrieden. Genüsslich reißt der junge Elefantenbulle das Maul auf und entblößt seine eindrucksvollen Mahlzähne. So kann man ihm die runden Kugeln aus Hirse und Sonnenblumenöl gleich händeweise hineinwerfen. Sie sind der verdiente Lohn für einen eindrucksvollen Ritt auf dem größten Landtier der Erde durch den Victoria Falls Nationalpark im Nordwesten Simbabwes.

Aristo Marume und seine Kollegen vom Anbieter „Wild Horizons“ haben die ersten vier Tiere 1995 als Waisen einer Keulungsaktion übernommen. Heute ist die Herde auf 14 Tiere angewachsen und lebt zwischen den zwei Ritten morgens und abends halbwild im Park. Problemlos entwurzeln die Tiere dabei manchen Baum und zeigen, warum eine Überpopulation der Dickhäuter tatsächlich gravierende Probleme mit sich bringt.

In den dreistündigen Programmen lernen Touristen die Tiere als Individuen kennen. Erst beschnüffelt man sich, dann wird geritten und nach der Fütterung gibt es auch für die Menschen ein herzhaftes Frühstück. „Jeder Elefant hat seinen eigenen Kopf“, sagt Tierlenker Marume. In der Karawane fühlt sich der elfjährige Izibulo, seinerzeit das erste Jungtier der Herde, etwa nur hinter seiner Mutter Jenny wirklich wohl. Dann zeigt er sich äußerst geschickt und hebt unachtsamen Besuchern schon mal problemlos einen fallen gelassenen Objektivdeckel mit dem Rüssel auf.

Ein Elefantenritt ist nur eine von vielen Aktivitäten für Simbabwe-Touristen. Nach der schweren Krise 2008/2009 und den lange Zeit unsicheren politischen Verhältnissen unter dem Regime des inzwischen greisen Präsidenten Robert Mugabe kehrt das Land jetzt mit Macht zurück. Das European Council on Tourism and Trade prämierte Simbabwe 2014 gar als „Bestes Reiseziel der Welt“. 2013 sollen wieder 2,1 Millionen Besucher gekommen sein, Tendenz steigend.

Der wildreiche Hwange-Nationalpark oder die größten Ruinen im vorkolonialen Afrika warten darauf, wiederentdeckt zu werden. Das Bergland eignet sich als Wanderrevier und manche Flüsse für halsbrecherische Wildwasserfahrten. Die meisten Besucher wollen derzeit aber nur die Victoriafälle sehen, die breitesten der Welt.

Die 35.000 Einwohner in der Stadt Victoria Falls leben heute ausschließlich von den Besuchern. Die Gästezahlen von Mitte der 1990er Jahre seien zu 85 Prozent wieder erreicht, schätzt Gästeführer Lovell Mapfa, der Besucher an die schönsten Aussichtspunkte der 1,7 Kilometer langen Fälle führt. Viele Hotels wurden grundüberholt und bieten wieder internationalen Standard. Unter blühenden Korallenbäumen lässt es sich in dem gepflegten Ort gut ein paar Tage aushalten.

Die Simbabwe-Dollar aus der Inflationszeit mit Werten von bis zu 50 Milliarden Dollar sind nur noch ein kurioses Souvenir, das Straßenhändler gerne in ganzen Kollektionen feilbieten. Der US-Dollar als offizielle Währung sorgt für stabile, teils stattliche Preise. Und damit die Kunden auch in der Nebensaison länger bleiben, wenn wenig Wasser im Sambesi in die Tiefe stürzt, werden ihnen Bungee-Sprünge über der Batoka-Schlucht, Schlauchbootfahrten auf dem Sambesi oder Spaziergänge mit jungen Löwen offeriert. Sogar der Bau eines Vergnügungsparks ist im Gespräch.

Abends trifft man sich zum Sundowner auf einem Boot auf dem Fluss und die Mutigen können danach im stilechten „Boma – Place of Eating“ eine pikant geröstete Mopane-Raupe verkosten. Schmeckt tatsächlich nicht schlecht, aber Warzenschweingulasch schmeckt besser.
Martin Wein

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