Kenia

Elefanten aus der Luft

In der Masai Mara herrscht früh am Morgen eine ganz besondere Stimmung.

In der Masai Mara herrscht früh am Morgen eine ganz besondere Stimmung.

Kenia: Im Heißluftballon über dem Masai Mara Reservat

Elefanten gehen auf Tuchfühlung.

Elefanten gehen auf Tuchfühlung. Fotos: freeimages

Wer zum Himmel will, muss früh aufstehen: Punkt fünf Uhr morgens läutet das Zimmermädchen mit einem kleinen Glöckchen vorm Zelteingang der Lodge und ruft „Good morning Sir, your tea is ready!“ Weckruf in der Masai Mara, Beginn eines Tages, dessen Höhepunkt eine Fahrt im Heißluftballon über diesem wildreichsten Reservat Kenias werden soll.

Masai Mpele wünschte beim Aufbruch auf die Schnelle noch einen guten Morgen. Er hatte die Nacht über vor den vier Zelten gewacht. Sein Gewehr trug der Zwei-Meter-Mann mit dem Lächeln eines kleinen Jungen locker geschultert. Sein traditioneller Speer steckte ein paar Meter von hier ersatzweise im Boden. Nicht vor Banditen solle er schützen, erzählte Mpele. Nein, er stehe hier in erster Linie, um allzu aufdringliche Tiere abzuwehren – Nilpferde zum Beispiel, die es nach dem Bad im Talek River ans falsche Ufer ziehen könnte.

Hoch über den Affenbrotbäumen
Helfer breiten derweil die hauchdünne Hülle des Heißluftballons aus reißfestem Nylon auf dem feuchten Gras der Steppe in unmittelbarer Nähe des Camps aus, rücken den geflochtenen Weidenkorb heran. Pilot Alan aus Texas wirft zwei röhrende Ventilatoren mit riesigen Propellern an, die Luft in die schlaffe Hülle hineinfegen. Zentimeter um Zentimeter richtet sie sich auf, bis die Höhe eines zehnstöckigen Hauses erreicht ist.

Alan lässt einen ersten kräftigen Feuerstoß aus dem Gasbrenner fauchen. Langsam hebt der Ballon ab. Taue werden gelöst. Im Zeitlupentempo erreicht der Korb die Gipfel der Affenbrotbäume und steigt langsam weiter auf etwa 250 Meter Höhe. Am Horizont klettert die Sonne hinter den Hügeln hervor. Die Regenfälle der letzten Tage haben der Savanne auf dem Hochplateau des Masai-Mara-Reservats gutgetan. Aus Rinnsalen sind wieder Flüsse geworden, aus lehmigen Tümpeln stattliche Wasserstellen, aus ausgelaugten Böden wieder sattgrüne Weidegründe.

Champagnerfrühstück unter Geiern
Die Ballonfliegerei in Kenia hat bereits eine jahrzehntelange Tradition und geht auf den englischen Schriftsteller Anthony Smith zurück, der 1962 in seinem Ballon „Jambo“ von Sansibar aus übers tansanische Festland hinweg bis zum kenianischen Rift Valley flog. Seitdem sind hier unzählige Ballone aufgestiegen.

Unser Fahrzeug scheint am Himmel Anker geworfen zu haben. Tief unter uns erwacht die Masai Mara. Büffel baden im Fluss. Nilpferde paddeln im Talek River und grunzen dabei so zufrieden in einer Lautstärke, dass man es oben am Himmel hört. Elefanten duschen sich an einer Wasserstelle. Die ersten Zebras traben über die Steppe. Ein Antilopenjunges reckt sich wie Disneys Bambi.

Alan variiert die Reisehöhe. Er macht es spannend und lässt den Ballon zeitweise nur so knapp über den Baumwipfeln schweben, dass man Blätter pflücken könnte.
Im Schatten eines Affenbrotbaumes döst derweil ein Leopard. In den Wipfeln über ihm thront ein Geierpärchen wie Racheengel, die auf einen neuen Beutezug der Raubkatze hoffen.

Keine 500 Meter von dieser Stelle lässt Alan den Ballon hinabsinken. Von Ferne beäugen Giraffen interessiert, wie die Passagiere aus dem Korb klettern. Helfer haben die Route am Boden mit Geländefahrzeugen nachvollzogen, sind bereits an Ort und Stelle, bergen den Ballon und tischen mitten in der Masai Mara ein Champagnerfrühstück auf. Der Leopard hält derweil Abstand. Eine nette Geste.
Helge Sobik

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