Kenia

Nairobi: Liebe auf den zweiten Blick

XL-Milchflaschen werden im Elefanten-Waisenhaus verfüttert.

XL-Milchflaschen werden im Elefanten-Waisenhaus verfüttert.

Kenias Hauptstadt bietet mehr als gedacht

Evans Kipyegon studiert Tourismus-Management und volontiert im Giraffe Centre.

Evans Kipyegon studiert Tourismus-Management und volontiert im Giraffe Centre. Fotos: kib

Es gibt einige Städte, denen touristisch Unrecht getan wird. Jahrelang hieß es über Johannesburg: Nach der Landung nichts wie weg. Auch Nairobi gilt noch immer nicht als Platz zum Verweilen. Dabei ist das touristisch betrachtet größte Problem der Stadt der Verkehr. Wer von A nach B will, sollte einen Zeitpuffer einplanen und die afrikanische Ruhe in sich haben.

Nicht zuletzt, weil sogar das Im-Stau-Stehen Spaß macht. Schließlich bietet der alltägliche Verkehrskollaps, beispielsweise von Kenias Hauptstadt in den kleinen Nachbarort Ruiru, Zeit für Betrachtungen. Etwa der fliegenden Händler oder der handgefertigten Körbe und Möbel, die im Open-Air-Straßenverkauf feilgeboten und regelmäßig mit Reisigbündeln vom Staub befreit werden. Oder der Kinder, die im stressfreien Miteinander direkt neben grasenden Kühen Fußball spielen. Die Werkstätten im Hintergrund sind meist rostige Lauben, man kann erahnen, in welchen Verhältnissen die Menschen in diesem Streifen Nairobis leben.

Es kann aber auch sein, dass der Fahrer plötzlich seine Chance gekommen sieht. Dann geht es im schwungvollen Offroad-Wechsel über eine leichte Steigung auf eine parallel verlaufende Straße, die ebenfalls zur stadtauswärts führenden Autobahn leitet. Die es wiederum in sich hat: Wo sonst werden drei- oder vierspurige Schnellstraßen von Zebrastreifen unterbrochen.

Dass Nairobi wegen der hohen Diebstahlquote „Nairobbery“ genannt wurde, ist „längst Geschichte“, weiß Hartmut Fiebig. Der Fotojournalist und Reisebuchautor reist seit 25 Jahren durch Kenia, seit gut fünf Jahren ist Nairobi sein fester Wohnsitz. Für ihn ist die Stadt „der Kunsthub zwischen Kairo und Kapstadt“, er lobt die kreative Küche, preist die innerhalb der Stadt liegenden Nationalparks, die Pferderennbahn und das „nette Klima“, weswegen sich auch „die Briten in der Stadt so wohl gefühlt haben“.

Zu bieten hat die Stadt neben einer Vielfalt an Bars und Restaurants sowie luxuriösen Hotels, wie das Hemingways im Nobel-Stadtteil Karen, unterschiedliche touristische Highlights. Das Nairobi National Museum führt nicht nur durch die Menschheitsgeschichte, sondern auch durch die von Kenia. Die Ausstellungen machen mit den Traditionen, dem Land und den Menschen vertraut. Ein lohnender Auftakt für eine Kenia-Reise.

Ebenso wie das Giraffe Centre. Auch wenn man während einer Safari noch unendlich viele der Tiere zu sehen bekommt: Hier darf man sie anfassen und füttern. Kraulen ist auch im Elefanten-Waisenhaus des David Sheldrick Wildlife Trusts erlaubt. Eine Stunde pro Tag dürfen Besucher zusehen, wie die jungen Dickhäuter die Flasche bekommen und spielen. Die Einrichtung hat seit ihrer Gründung 150 Elefanten und Nashörnern das Großwerden gesichert. Spätestens mit zehn Jahren werden die Tiere wieder ausgewildert.

Last but not least sollten Nairobi-Gäste im Karen-Blixen-Museum vorbeischauen. Das Anwesen, in dem die Schriftstellerin 14 Jahre lebte, entführt in Blixens Leben als Kaffeefarmerin und in die Welt ihres Romans „Out of Africa“. Ein Ort für Romantiker und Nostalgiker. Ein idealer Kontrast zur pulsierenden Metropole Nairobi, die man nach der Landung keinesfalls direkt verlassen sollte.

Rivka Kibel

Internet-Adressen
Nairobi National Museum und Karen Blixen Museum: www.museums.or.ke
Giraffe Centre: www.giraffecenter.org
Elefanten-Waisenhaus: www.sheldrickwildlifetrust.org

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