Botswana

Okavango-Delta: Flusspferd steuerbord

Im Einbaum geht es durchs Okavango-Delta

  Mit Boot und und Jeep durchs Binnendelta

Bei einer Bootstour kann man Nilpferde und Krokodile sehen: Fotos: mw

Ralf hat wieder Dung fotografiert. „Wildkatze“, sagt der Badener mit Kennerblick unter dem Safarihut und zeigt sein Kamera-Display. Die nussähnlichen Giraffenköttel hat er längst im Kasten, auch Impala und Nashorn. Für die kugelrunden, erdigen Hinterlassenschaften der Elefanten braucht der Hobbyfotograf wenig später nicht mal sein Teleobjektiv. 
In Botswana bieten sich ständig Motive für Ralfs geplante Collage fürs heimische Badezimmer. Schließlich gilt das Land als Top-Destination für Safari-Touristen im südlichen Afrika, auch solche mit herkömmlichen Foto-Interessen. Aus den Bergen Angolas kommend, bewässert der mächtige Okavango im Nordwesten Botswanas eine Fläche größer als Thüringen.
Im Einbaum zu Nilkrokodilen 
Mit Galeitsiwe Dimbo kommen auch Ralf und seine Frau Manuela diesem Naturwunder zum Greifen nah. „Aber nicht die Arme rausstrecken“, sagt der 38-Jährige aus dem Bayei-Dorf Borro, eine staubige Autostunde von der Distrikt-Hauptstadt Maun entfernt. Schließlich gebe es Nilkrokodile und Flusspferde. Und der schwankende Fieberglas-Einbaum, den er mit Ralf und Manuela in Plastikschalensitzen an Bord nun ins Wasser schiebt, ist nicht kentersicher. 
Dimbo versteht sein Geschäft. Mit einem langen Pfahl stochert er das Mokoro, so heißen die langen Einbäume hier traditionell, über den Borro-Fluss an Inseln vorbei in flache, dicht bewachsene Schilfkanäle. Links auf dem Ast weist er auf eine regenbogenbunte Gabelracke. Weiter hinten stakst ein Klaffschnabel durchs Schilf, da vorne steht ein Hammerkopp. Galeitsiwe Dimbo hat einen Buschmann zum Vater und kennt alle Tiere des Deltas sogar mit deutschem Namen. 
Dass die deutschen Besucher seinen Namen nicht über die Lippen bringen, stört ihn wenig. Man möge ihn „Galaxy“ nennen wie das Samsung-Handy, mit dem man hier draußen allerdings keinen Empfang hat.
Beim Spaziergang über eine Insel zeigt Galaxy wenig später, wie man sich in diesem aquatischen Labyrinth zurechtfindet. Die Termitenhügel weisen den Weg. Als Schutz gegen die seltenen, aber heftigen Regengüsse sind sie stets nach Westen geneigt. Die gekochten Wurzeln von wildem Salbei helfen gegen Durchfall und die Fächerpalme liefert einen Schnaps, der selbst Elefanten beschwipst. Apropos Elefanten: Deren Dungkugeln helfen mit einem Stück Kohle zum Glimmen gebracht in der Dämmerung wirksam gegen Moskitos, sagt Galaxy und hält ein stattliches Exemplar in die Luft. Ralf macht begeistert ein Extra-Bild. 
Panne wird zum Abenteuer
Tags drauf geht es dann noch weiter hinein in die Wildnis. Im sehr ursprünglichen Moremi-Wildreservat und im Savuti-Sumpf im Norden des Deltas, er gehört zum Chobe-Nationalpark, kann man mit Geländewagen auf die Pirsch gehen. Ein Büffel mit großem Loch im Bauch umkreist von zwei Dutzend Geiern führt schnell auf die Spur eines Löwenrudels, das mit hechelnder Zunge im Schatten eines Akaziengestrüpps verdaut.
„Captain“, der Fahrer, übersieht, vom Jagdtrieb gepackt, einen flachen Termitenbau und rollt fast auf Sprunglänge in die Raubkatzengruppe hinein. Dabei reißt es ein Loch in die Benzinleitung. Hechelnd strecken die Löwen ihre Zungen raus. Vorsichtig steuert Captain nach einigen Traumfotos den Wagen zurück in offenes Terrain. Mit Paketband von Manuela – erstaunlich, was manche Leute so im Gepäck haben – flickt er das Leck. 
Später in einem Zelt-Camp ohne Zaun kriegt Ralf auf seinem Feldbett kein Auge zu. Der Löwe habe nachts gebrüllt vor seinem Zelt, erzählt er am nächsten Morgen. Captain freut sich über die Abenteuer seiner Passagiere und zeigt am nächsten Abend mit dem Scheinwerfer tatsächlich auch einige Hyänen, die im Schutz der vollkommenen Dunkelheit und mit roten Augen um unser Lager streifen. 
Martin Wein

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