Tansania

Tansania: So weit die Hufe tragen

Tausende von Gnus ziehen jedes Jahr durch das Savannengras der Serengeti.

Tausende von Gnus ziehen jedes Jahr durch das Savannengras der Serengeti.

Der großen Gnuwanderung per Web-App folgen

Den Gnuherden stellen nicht nur Leoparden nach, sondern auch Löwen, Wildhunde und Geparde.

Den Gnuherden stellen nicht nur Leoparden nach, sondern auch Löwen, Wildhunde und Geparde. Fotos: ws

Es ist noch kühl am Morgen, als die ersten Sonnenstrahlen durch das dürre Savannengras der Serengeti fluten. Von einem Hügel beobachtet Lazarus Saruni mit dem Fernglas die Ebene. Nur ein einsamer Kaffernbüffel zieht über das Land. „Die Gnus sind in diesem Jahr früher als sonst“, sagt der Guide des Singita-Grumeti-Reservats. „Es kann sich nur noch um wenige Stunden handeln, bis die ersten hier ankommen. Dann kann die Show beginnen!“

In kurzer Zeit werden Abertausende von Serengeti-Weißbartgnus die Grasebene füllen. Die Vorhut der nomadischen Kuhantilopen schwillt in Kürze zu einem der größten Spektakel in der Welt der Tiere an.

Die große Gnuwanderung von der Masai Mara in die Serengeti ist eine der letzten Massenmigrationen großer Huftiere auf der Erde. Schätzungsweise 1,3 Millionen Gnus begeben sich Jahr für Jahr auf der Suche nach immer neuen Weidegründen auf Wanderung. Den Herden stellen Löwen, Leoparden, Geparde und einige der letzten Wildhunderudel Ostafrikas nach.

„Die Serengeti war für uns lange ein Traumreiseziel“, sagt ein Touristenpaar aus New York, das mit Saruni auf Pirschfahrt ist. „Gebucht haben wir aber erst kurzfristig, nachdem wir die Wanderbewegung zu Hause auf der Web-App ‚Herd Tracker‘ (www.discoverafrica.com/herdtracker) verfolgt haben. Weil die Gnus in diesem Jahr früher da sind, haben wir nun die Migration für uns, ohne Touristenschlangen und zum Nebensaisonpreis.“

Die große Wanderung folgt einem ewigen Zyklus, nach dem die Gnus in der Regel im Februar in den Grasebenen um den Ndutu-See im Süden der Serengeti ihre Kälber zur Welt bringen und dann langsam Richtung Norden wandern. Der Einfluss von wechselnden Regen- und Trockenzeiten verschiebt den Kreislauf jedoch manchmal um mehrere Wochen. So kann es vorkommen, dass Touristen sogar mitten in der Hauptsaison die Tiere nicht zu sehen bekommen.

Herd Tracker kann zumindest Kurzentschlossenen vor der Buchung Aufschluss geben, in welcher Region sich die Gnus gerade aufhalten. Die kostenlose Web-App funktioniert nach einem einfachen Prinzip. Buschpiloten, Safari-Guides, Ranger und Nationalpark-Mitarbeiter können auf Herd Tracker Fotos, Videos und Informationen live zu ihren Tierbeobachtungen posten. Der Aufenthalt der Herden wird auf einer Google-Karte markiert und die genaue Entfernung zu verschiedenen Lodges automatisch berechnet.

Am nächsten Morgen ist Guide Saruni wieder an seinem Lieblingsplatz auf dem Hügel. Die Aussicht könnte nicht unterschiedlicher zum Vortag sein. Seine New Yorker Gäste halten den Atem an. Über die Ebene bis zum Horizont ziehen Tausende Gnus, und das apathische Grunzen der Kuhantilopen erfüllt die Savannenluft. Sarunis Funkgerät knarrt. Ein Kollege hat ganz in der Nähe ein Rudel Wildhunde erspäht. Nicht nur Touristen sind der großen Herde auf den Fersen.
Win Schumacher

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