Botswana

Botswana: Kamele in der Kalahari

Bei einer Mokoro-Tour im Okavangodelta wird man mitten durchs Feuchtgebiet gestochert.

Bei einer Mokoro-Tour im Okavangodelta wird man mitten durchs Feuchtgebiet gestochert.

Community-Projekte für Camper sind eine preiswerte Alternative

Hoch zu Kamel: Kameltreiber in Tsabong

Hoch zu Kamel: Kameltreiber in Tsabong. Fotos: hb

Jetzt, da einem das Gehirn anscheinend einen kapitalen Streich spielt, ist es Zeit für eine Pause. Mitten in der Weite der Kalahari, wo nur noch roter Sand und blauer Himmel wohnen, flimmert es über der schnurgeraden Straße. Auf dem Asphalt liegen Wasserpfützen, die sich beim Näherkommen aber in Luft auflösen. Und am Wegesrand steht eine Herde Dromedare – sicher eine Fata Morgana.

Die Tiere sind allerdings alles andere als eine wüste Illusion. Sie tragen Sattel, um als Schaukelpferde Touristen durch den Busch und über die Dünen zu tragen. Mit ihren Schwielensohlen treten sie nicht nur sanft auf, sondern ertragen auch mühelos den heißen Sand. „Die Vorfahren der Kamele waren einst im Einsatz für die Polizei. Beamte gingen mit ihnen in der Kalahari-Wüste auf Patrouille“, erzählt Leatile Setilo, der im Ort Tsabong im Tourist Office arbeitet. Heute sind die Tiere eine Attraktion für Besucher und übernachten kann man hier auch.

Botswanas Gemeindeprojekte wie der Tsabong Ecotourism Camel Park richten sich an Selbstfahrer und sind eine günstige Alternative zu teuren Safari-Camps. Was in Namibia Standard ist, wird nun auch in Botswana populär und findet den Weg in die Kataloge der Veranstalter: Bei Self-Drive-Safaris steuern Touristen ihren Geländewagen selbst und erkunden das Land bei einer Campingtour. Die staatlich geförderten Community-Projekte erschließen bislang kaum bereiste Ecken des Landes und verbessern das Angebot an klassischen Zielen wie dem Chobe-Nationalpark und dem Okavangodelta.

Im Westen des Landes liegt der Kamelpark von Tsabong auf dem Weg zum Kgalagadi-Transfrontier-Nationalpark. Im Osten kann man bei Palapye die Schluchten der Tswapong Hills erkunden. Im Zentrum des Landes, in der Sowa-Pfanne, liegt in einem vor vielen Tausend Jahren ausgetrockneten See Kubu Island. Die Schatzinsel der Makgadikgadi-Salzpfannen gilt als heiliger Ort, als Camper schläft man neben uralten Baobabbäumen – das ist Afrika-Feeling.

Auch anderswo übertritt man die Grenze zwischen Zivilisation und Wildnis. Das Okavangodelta gilt als „grünes Juwel“ Botswanas, das in diesem Jahr Partnerland der ITB ist, doch leider kosten manche Camps hier ähnlich viel wie funkelnde Edelsteine. Die Männer des Okavango Kopano Mokoro Community Trusts bringen Besucher vom Städtchen Maun aus deutlich günstiger per Stocherkahn ins Delta. Die Exkursionen lassen sich vor Ort buchen, werden aber auch in organisierte Rundreisen integriert.

Am Chobe-Nationalpark gibt es im Städtchen Kasane mit dem Seboba Nature and Recreational Park ebenfalls ein Gemeindeprojekt. Ein Cultural Village mit Blick auf den Fluss zeigt die Traditionen der vier lokalen Ethnien. „Es geht nicht um Show, sondern um echtes Erleben“, sagt Organisator Ferney Chibiya. „Hier können Besucher Mais stampfen, Körbe flechten und Hirsebier probieren.“
Helge Bendl

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