Namibia

Rauf und runter

Im Oldtimer durch die Dünen

Im Oldtimer durch die Dünen. Foto: hb

Schiffswracks, Schatzsuche und Wüstenelefanten - die wilde Skelettküste Namibias erlebt man während einer Flugsafari

Kleines Paradies: das Tal des Kunene an der Grenze zu Angola

Kleines Paradies: das Tal des Kunene an der Grenze zu Angola. Foto: hb

Wir fliegen tief. Sehr tief. Spektakulär tief. Erst über Grasland, dann über den Trockenfluss Kuiseb, nun über das große ‧Wüstenmeer der Namib. Rechts und auch links erstrecken sich Sandwellen: gelb und orange und rot, aufgeschichtet und zugespitzt. Wenige Hundert Fuß über den Dünen gleitet die Cessna dahin.

Auf einmal geht der Ozean aus Sand in den Atlantik über. Weiß schäumt die Gischt, in der sich Seebären tummeln. Das Wrack der Eduard Bohlen kommt in Sicht: 1909 ist das Dampfschiff auf Grund gelaufen, nun wird es von einer Düne verschlungen. Pilot Andre Schoeman belässt das Flugzeug in bester Fotografierhöhe: Hunderte von Flamingos kreisen als rosafarbene Wolke über einer Lagune, die in der Sonne wie ein zerbrochener Spiegel glitzert.

Andre ist einer der Schoeman-Brüder, und die gelten in Namibia als fliegende Legenden. Ihr Familienbetrieb Skeleton Coast Safaris (www.scs.go.na) erschließt bei einer viertägigen Fly-in-Tour die Skelettküste, eine Region, die selbst viel gereiste Namibia-Kenner noch nicht erkundet haben. Es gibt kaum Straßen, ein Großteil der Region ist Sperrgebiet. So geht es im Flieger bis an die Grenze mit Angola. Es ist eine Safari, die in den siebten Himmel führt.

Seefahrer verfluchten die Region einst als Tor zur Hölle. Nirgendwo ist Namibias Natur so menschenfeindlich: „Es ist der einsamste Küstenabschnitt Afrikas“, sagt Andre Schoeman. Nicht nur angespülte Walknochen haben der Skelettküste ihren Namen gegeben, sondern auch die Relikte unzähliger Schiffswracks. 500 Kilometer Küste sind als Skeleton Coast Park staatlich geschützt.

Auch im Hinterland verbergen sich Schätze – manche muss man mit der Lupe suchen. So wechseln wir in Terrace Bay vom Flugzeug in einen 1977 gebauten Land Rover und düsen durch das Dünenmeer. Wer den Sand genau betrachtet, entdeckt Amethyst-, Granat- und Quarzsplitter. Sicher sind auch winzige Diamanten dabei. Andere Schätze sind dagegen unübersehbar groß.

Wüstenelefanten streifen durch das Flussbett des Hoarusib und laben sich am Schilf. Selbst in Dürreperioden finden die Tiere hier immer Wasser. So konnten auch jene Menschen überleben, auf deren Spuren wir bei einem anderen Stopp treffen. Zeichnungen der Buschleute sind zu sehen, dazu ihre ‧Unterstände und ihr Schmuck inmitten eines Gebirges mit spektakulären Gesteinsformationen.

Dann schwebt die Cessna über dem trockenen Grasland des Hartmann Valley. „Wenn es regnet, sieht’s hier aus wie in Schottland. Aber nur für eine Woche“, sagt der Pilot kurz vor dem Aufsetzen auf der Piste. Was folgt, ist die schönste Fahrt der ganzen Reise: erst hoch hinauf auf eine Felsspitze, dann im Kriechgang hundert Meter eine Düne hinab zum Kunene-Fluss. Mit seinen tschilpenden Vögeln und dem dichten Grün wirkt das Tal wie ein Garten Eden. Vom Tor zur Hölle ins Paradies sind es in Namibia eben nur ein paar Flugstunden.

Helge Bendl
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