Myanmar

Myanmar: Rinderkarren und Reiskocher

Wie früher: Auf dem Dorf sind Autos und Internet noch die Ausnahme.

Wie früher: Auf dem Dorf sind Autos und Internet noch die Ausnahme.

Ein Dorfbesuch zeigt Tradition und Umbruch

Die Dorfschule in Taung Ba wird von Gebeco gefördert.

Die Dorfschule in Taung Ba wird von Gebeco gefördert. Fotos: pra

Über die sandige Straße rumpelt uns ein hölzerner Karren entgegen, gezogen von zwei Cebu-Rindern. An der Ecke stehen drei Männer, balancieren Lastenkörbe auf dem Kopf und halten ein Schwätzchen. Eine Gruppe von Frauen sitzt um einen gigantischen Haufen getrockneter Erdnüsse und schält sie in geduldiger Kleinarbeit. Gemächliches Dorfleben, wie man es im ländlichen Myanmar wohl überall finden kann.

Doch wir sind nur zehn Kilometer von Bagan entfernt, der historischen Tempelstadt mit ihren über 3.000 Pagoden, die sich mehr und mehr zum Hotspot für ausländische Touristen entwickelt. Busse und Mopeds, Hotels und Restaurants, Souvenirläden und Märkte – all das ist weit weg in dem Dörfchen Taung Ba.

Hier gibt es keine touristischen Attraktionen zu besichtigen, dafür aber das Alltagsleben der einfachen Burmesen. Und das ganz ohne Folklore und Schnickschnack. Das Leben in Taung Ba scheint vor vielen Jahrzehnten stehen geblieben zu sein.

Hinter Zäunen aus Bambusgeflecht sehen wir Holzhäuschen mit struppigen Dächern aus trockenen Palmblättern. Kein Beton, keine Ziegel, gelegentlich ein Wellblechdach. Und auf den Höfen stehen hölzerne Karren statt Autos. Die Mehrheit hier lebt von der Landwirtschaft, als Bauern oder Tagelöhner. Einfach und traditionell wirkt dieses Leben – fast wie ein Freilichtmuseum.

Doch die Masten am Straßenrand künden von einer neuen Zeit: Seit einem Jahr ist Taung Ba an die Stromversorgung angeschlossen. Zuvor gab es nur drei Stunden täglich Elektrizität aus einer Biogasanlage. „Das Leben ist besser geworden“, sagt U Soe Maung und nickt dazu. Der 59-jährige Bauer war lange Jahre Dorfbürgermeister und hat genau registriert, wie es seit dem Ende des Militärregimes bergauf geht.

„Jede Familie kann jetzt ein Handy haben“, erzählt er. „Früher kostete eine SIM-Karte 3.000 Dollar, jetzt nur noch gut einen Dollar.“ Und auch Mopeds seien wesentlich erschwinglicher geworden – die Hälfte der 260 Familien im Dorf besitze bereits eines. Mit der Anbindung ans Stromnetz halten nun auch mehr Elektrogeräte Einzug in die Haushalte. Besonders begehrt sind nicht etwa Kühlschränke oder Fernseher, sondern Reiskocher.

Doch von Wohlstand kann man noch lange nicht sprechen. Das Dorf ist wie das Land noch auf Hilfe angewiesen. So kam der Neubau der Schule vor sechs Jahren nur mit der Unterstützung von Gebeco zustande. Der Veranstalter übernimmt seither einen Teil der Lehrergehälter und Kosten für die Instandhaltung.

Rund 210 Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren werden hier unterrichtet. Bei unserem Besuch herrscht bei den Jüngsten helle Aufregung: Sie drängeln sich an den Türen und Fenstern, winken, lachen, recken ihre Hände zum Victory-Zeichen.
In den Klassenräumen dagegen herrscht Ruhe und Ordnung. Unter der Aufsicht der jungen Lehrerin tragen die Schüler uns ein Lied vor, ansonsten wagen sie keine Miene zu verziehen. Mädchen und Jungen sitzen getrennt, aber gleichsam ernst und mit verschränkten Armen. Auch hier scheint Myanmar noch weit entfernt von der modernen Zeit.

Klaus Pranger

Angebote in Myanmar
Ein Besuch im Dorf Taung Ba gehört bei Gebeco zum Programm. Der Veranstalter bietet für das Land zwölf Touren an, darunter eine„Erlebnis-Kreuzfahrt“ mit TUI Cruises. Ein Schulbesuch findet auch bei Studiosus-Rundreisen statt: Der Veranstalter unterstützt eine Klosterschule in Mandalay.

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