Mo 18.12.17

Nurai Island: Die arabischen Malediven


Auf der Inselgruppe werden nun auch „normale“ Gäste empfangen


Abendstimmung auf Nurai Island

Abendstimmung auf Nurai Island

Stille ist hier garantiert: Hotel-Pool mit Blick auf den Golf von Abu Dhabi. Fotos: hs

Stille ist hier garantiert: Hotel-Pool mit Blick auf den Golf von Abu Dhabi. Fotos: hs

Hamid darf sich nicht erinnern und zur Sicherheit will er es auch nicht. Ahmed schweigt wie ein Grab und lächelt dabei. Kein Wort über die Stars, die hier ihren Urlaub verbringen. Kein Wort auch über die beiden afrikanischen Präsidenten, die in der größten Villa gemeinsam Urlaub machten.

Hamid schweigt, weil größte Diskretion ein kostbarer Luxus ist und es sich in einem Hotel dieser Klasse so gehört. Und weil es auf Nurai Island normal ist, Gäste zu haben, die mindestens anderswo in der Welt prominent sind.

Tagesticket für 150 Euro

Die meisten Eilande hier draußen im Golf vor der Emirate-Hauptstadt Abu Dhabi mit ihrer Wolkenkratzer-Skyline haben keine Landschaft. Es sind flache, fast platte Inselchen. Die meisten müssen – mit Ausnahme der Mangroven am Ufer – quasi ohne Natur auskommen. Ansonsten unterscheiden sie sich nur in der Größe des Palastes, der darauf errichtet wurde.

Vor allem Einheimische aus der Oberschicht Abu Dhabis sind es, die hier Häuser haben und am Wochenende oder nach Feierabend mit der Yacht herkommen, um am Strand zu grillen oder zu relaxen. Das ist angenehm, weil immer ein leichter Wind weht und es im Schnitt drei, vier Grad kühler ist als drüben in der Stadt. 

Die Inseln sind Sandbänke, kleine Parzellen aus Wüste im Meer. Gemeinsam haben sie, dass niemand einfach so anlanden darf. Die einzige Ausnahme ist Nurai Island. Und auch das erst neuerdings – seit es ein Hotel gibt. 

An der schmalsten Stelle ist das Eiland, dessen Name sich vom arabischen Wort „Nur“ für „Licht“ ableitet, gerade mal 180 Meter breit, maximal ist es rund zwei Kilometer lang. Landschaftliches Highlight ist eine weit geschwungene sichelförmige Bucht. Die Wege der Insel sind von Palmen und Bougainvilleas gesäumt. 

Wer hierher kommen möchte, kann einen Tagespass buchen, der neben Transfer, Strand- und Pool-Zugang auch ein Drei-Gänge-Menü für alles in allem gut 150 Euro beinhaltet und auf etwa drei Dutzend Gäste limitiert ist. Es sind die, die einmal Einblick in diese Welt erhalten wollen und sich die knapp 1.000 Euro pro Nacht für die Übernachtung in einer Villa mit Privat-Pool eher nicht leisten möchten.

Für den passenden Soundtrack zum Strandtag sorgen die Singvögel – und die sanften Wellen. Drei Bademeister passen auf, dass nichts Unvorhergesehenes geschieht.

Besitzer der Insel ist Scheich Mansour bin Zayed al-Nahjan, ein Bruder des Herrschers von Abu Dhabi. Die Idee, der sandigen Insel einen Malediven-Look zu verpassen, hier ein Hotel zu bauen und ein Ziel für betuchte Reisende daraus zu machen, hatte die einheimische Immobilienunternehmerin Nadia Zaal. 

Gut sieben Jahre nach dem ersten Spatenstich und eine knappe Milliarde Dollar an Investmentkosten später ergrünt Nurai Island, das Hotel hat 47 Suiten mit eigenem Pool, dazu ein paar Villen von bis zu 1.200 Quadratmetern Größe. Richard Branson und Lionel Richie waren schon da, ebenso wie Albert von Monaco.

Dattelpalmen vom Festland

Ursprünglich waren alle Inseln unbewohnt, und die meisten Tage der Woche gilt das sogar noch heute für die Eilande mit den verbotenen Palästen. Zwischen den Inseln sind derweil Dutzende Delfine unterwegs und tauchen und springen, wann immer ihnen der Sinn danach steht.

Auf Nurai kümmern sich derweil 30 Gärtner im Dauereinsatz darum, aus der Sandinsel von einst mit viel Geduld einen kleinen Dschungel zu machen. Einer von ihnen trägt diesen Morgen ein T-Shirt mit der Aufschrift „Dreambuilder“.

Ein Traum ist die Insel tatsächlich, vor allem für Gäste, die absolute Ruhe suchen. Denn viel los ist nicht auf Nurai Island: Vielen Urlaubern ist der Ausflug schlicht zu teuer. Und die Einheimischen kommen zumeist nur am Wochenende. 


Helge Sobik

 

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