Fr 16.02.18

Hanoi: Suppe gut, alles gut!


Hanoi ist alles andere als eine kommunistisch-graue Stadt


Geht immer: vietnamesische Suppe

Geht immer: vietnamesische Suppe

Skurril: Mausoleum des früheren Präsidenten Ho Chi Minh. Fotos: alxpin / istockphoto, cd

Skurril: Mausoleum des früheren Präsidenten Ho Chi Minh. Fotos: alxpin / istockphoto, cd

Das Zauberelixier heißt Pho: Eine dampfende Suppe mit Huhn, Reisnudeln, Koriander, Zitronengras und weiteren Gewürzen. Pho ist immer gut, vor allem aber nach einem fast elfstündigen Nachtflug mit sechs Stunden Zeitverschiebung. Pho weckt die Lebensgeister wieder. Und die Neugier auf das unbekannte Land.

Hanoi liegt im Sonntagsfrieden. Die 6,5-Millionen-Stadt ist beinahe leise. Der Strom vorbeibrausender Mopeds hat Lücken. Auf den Trottoirs sitzen die Menschen auf blauen oder roten Plastikschemeln, schlürfen Tee oder schokoladig-süßen Kaffee oder eben Pho. Man drängt sich unter Markisen zusammen, denn es regnet. In dicken Tropfen, die anfangs auf dem Asphalt verdampfen und später lauwarme Pfützen bilden. 

Es regnet viel in Vietnam und man ist dafür gerüstet. Flipflops mit Noppen unter den Sohlen sind das ideale Schuhwerk. Der Rest des Körpers kommt unter eine bunte Regenhaut. Sobald der erste Tropfen fällt, schwärmen Myriaden von Straßenhändlern aus, um die Capes für ein paar Cent zu verkaufen. Auch die Mopedfahrer sind gerüstet. Am liebsten mit Zwei-Kapuzen-Modellen, unter denen auch der Beifahrer Schutz findet. Denn ein Moped ist selten mit nur einem Fahrer unterwegs. Mindestens zwei Leute sitzen immer darauf, manchmal auch vier bis fünf Personen.

Wer sich im Berufsverkehr mit einem „Cyclo“, wie hier Fahrrad-Rikschas genannt werden, durch die aberwitzige Choreografie des Zweiradverkehrs steuern lässt, vergisst am besten alle bekannten Verkehrsregeln – ebenso wie alle Ängste und vertraut auf Ho-Chi-Minhs Schutz, der salbungsvoll von Plakaten lächelt, als wollte er sagen: Keine Angst vor dem Chaos, ihr Langnasen, alles wird gut! 

Hanoi ist schön. Es ist alles andere als eine kommunistisch-graue Stadt. Sie streicht ihre schmalen, hohen Häuser in bunten Farben an. Sie glänzt als alternde Diva im Französischen Viertel mit seinen kolonialen Prachtfassaden. Natürlich muss jeder das Ho-Chi-Minh-Mausoleum mit den Überresten des vietnamesischen Präsidenten sehen. Und sein kleines bescheidenes Wohnhaus neben dem buttercremegelben Regierungssitz. Und die 36 Gassen mit ihren Kramläden. Und den kleinen See mitten im Zentrum mit roter Brücke und Jadetempel. 

Hanoi ist geschäftig, ohne hektisch zu sein. Es hat ein bezauberndes Wasserpuppentheater, wo horizontal an Stäben geführte Figuren durchs Wasser pflügen und planschen, als sei das ganze Leben in Vietnam ein einziges glückliches Dasein in einem amphibischen Reich mit Wasserschlangen, schwimmenden Drachen, tauchenden Entchen und Fischern, die am liebsten hübsche Reisbäuerinnen angeln. Man lächelt, wie ein glückliches Kind in diesem Theater. 

Vor der Weiterreise wird noch der Literaturtempel mit seiner schönen Gartenanlage besichtigt. Und ein letztes Essen in einer Garküche an der Straßenecke muss sein. Diesmal gibt es nicht Pho, sondern Bun Chao, ebenfalls eine Suppe mit Reisnudeln, aber mit Fleischklößchen und vielen frischen Kräutern, die man sich nach Laune unterrührt. 


Claudia Diemar

 

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