Usbekistan

Per Bike entlang der Seidenstraße

Die Fahrradgruppe auf dem Registan in Samarkand

Die Fahrradgruppe auf dem Registan in Samarkand. Fotos: mg

Usbekistan ist offen für individuelle Gruppenreisen. Wer mit dem Fahrrad fährt, macht spannende Begegnungen

Gut gelaunte Touristengruppe

Gut gelaunte Touristengruppe

Der erste Eindruck ist nüchtern. Breite, leere Straßen, bunte Lichter und Bürgersteige ohne Menschen sind das erste Bild, was wir von Taschkent erhalten. Wir sind in Asien. Doch die Menschenmassen Chinas oder Indiens scheinen Kontinente entfernt.

Später sitzen wir unter dem Denkmal von Amir Timur, dem Mongolenführer. Er wurde in Usbekistan geboren, zerstörte mit seinem Heer Samarkand und Buchara und baute die alten Städte später schöner als je zuvor wieder auf. Der erste Präsident des unabhängigen Usbekistans, Islam Karimov, machte Timur zum Nationalhelden.
Wir drehen dem Mann den Rücken zu und stoßen mit usbekischem Bier auf unseren Urlaub an. Erstanden hatten wir es in einem lizenzierten Geschäft hinter dem legendären Hotel Usbekistan – für 30 Cent die Flasche.

Am nächsten Morgen sitzen wir im Highspeed-Zug nach Samarkand. Gebaut wurde er in Spanien, seit 2001 rast er mit Spitzengeschwindigkeiten von über 200 Kilometern pro Stunde durch die Wüste. Die preiswerten Tickets hatte die örtliche Agentur Silk Tour gebucht – und das ist gut so: Wir sind fünf deutsche Mountainbiker und haben eigene Räder dabei. Silk Tour hat für uns genau die Plätze gebucht, in deren Nähe es genügend Stellfläche gibt.

Ziel vieler Studienreisegruppen

Aus Sicht der deutschen Touristik ist Usebkistan das Land von Studiosus, Gebeco/Dr.Tigges, Ikarus Tours & Co. Im Flieger treffen wir drei Studien‧reisegruppen auf dem Weg zur Seidenstraße. Einen Teil davon werden wir auch erleben: Die sensationelle Architektur in Samarkand und Buchara mit ihren Moscheen, Plätzen und Medresen gehört zum Besten, was Mittelasien zu bieten hat.
Wir wollen aber auch das andere Usbekistan sehen. Fünf Tage lang biken wir durch die bis zu 2.200 Meter hohen Nuratau-Berge nördlich von Samarkand, baden im Aydarkul-See und übernachten in einem Jurten-Camp mitten in der Wüste.

Das Camp erscheint uns mit seinen 20 Jurten regelrecht touristisch, im Gegensatz zu den Gästehäusern in den Bergen. Sie entstanden durch ein Projekt des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) und sind Ausgangspunkt für Wanderungen durch die Berge des Nuratau. Eine Landschaft, die in den Tälern von Ziegenwirtschaft und Apfelbäumen geprägt ist, ab 1.000 Metern Höhe hochalpin wird.

Etwas Russisch schadet nicht

Wir erobern mit den Mountainbikes die Region – und haben in wenigen Tagen mehr Kontakt zu den Einheimischen, als ein Jahr zuvor in einer Woche im Sultanat Oman. Usbekistan ist von einem moderaten Islam geprägt, die Menschen sind freundlich und neugierig. Nur sprachlich hapert es: Ohne ein paar Brocken Usbekisch oder Russisch bleiben für die Konversation nur Hände und Füße.
Dass wir überhaupt so frei mit dem Rad durchs Land fahren können, hat mit der leichten Öffnung des Landes nach dem Tod von Islam Karimov vor zwei Jahren zu tun. Seitdem ist sowohl für Touristen als auch für Incoming-Agenturen vieles einfacher geworden. Selbst wild zelten darf man.

Die weiten Strecken kürzen wir mit dem Minibus ab, der uns an vorher abgesprochenen Punkten erwartet und zum nächsten Ausgangspunkt bringt. Die Absprache dafür erwies sich im Vorfeld als kompliziert. Vor Ort klappte alles perfekt.
Individualtourismus ist die Ausnahme in Usbekistan. „Wir hatten einen verrückten Japaner, der mit dem Rad durch die Wüste wollte“, berichtet Saad Alhaire, Inhaber der Incoming Agentur Silk Tour, in fließendem Deutsch. „Jetzt haben wir euch. Aber das bekommen wir hin.“ Er sollte recht behalten.

Matthias Gürtler
 

Kontakt für Reisebüros
Silk Tour ist eine der größten Incoming-Agenturen im Land. Unter anderem ist Silk Tour Partner von Gebeco/Dr.Tigges. Reisebüros mit eigenen Gruppen können über den Veranstalter einbuchen oder selber Kontakt mit Silk Tour aufnehmen. Die Agentur hat feste Programme, ist aber auch für alternative Routen offen und stellt Reiseleiter. Diese sprechen zumeist nur Englisch, Deutsch ist die Ausnahme. Infos unter www.silktour.uz.

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