Indonesien

Auf der Dracheninsel

Die Inseln des Komodo-Nationalparks faszinieren nicht nur mit ihrer Tierwelt, sondern auch mit ihrer Schönheit. Foto: joakimbkk/istockphoto

Im Komodo-Nationalpark kommt man Waranen ganz nah

Der Komodowaran ist ein wohl das beliebteste Fotomotiv der Inselgruppe. Foto: uf

„Foto, Foto“, ruft Pascal und hüpft panisch zwei Meter zurück. Der Komodowaran, der eben noch träge im Schatten eines Hauses lag, hat sich auf ein Stück Fleisch gestürzt und verschlingt es. Ein Guide hat es dem Koloss hingeworfen, um ihn aus der Reserve zu locken, damit die Touristen Fotos schießen können.

Mit einem Stock in der Hand stehen Ranger Mateus und auch mehrere Kollegen neben den Zuschauern, um im Notfall die riesige Echse abwehren zu können. Ihr Biss endet oft tödlich: Durch ihn wird dem Opfer ein Gift injiziert, das unter anderem die Blutgerinnung stört.

Mateus ist 60 Jahre alt und schon seit vielen Jahren Ranger auf Rinca. Das Eiland zählt zu den Kleinen Sundainseln in Indonesien und bildet mit Komodo und Padar sowie zahlreichen weiteren kleinen Eilanden den Komodo-Nationalpark. Weltweit bekannt ist der Park für seine Drachen, die ausschließlich dort leben und den Besucher in vergangene Zeiten zurückversetzen, als es noch Dinosaurier gab.

Lediglich etwa 5.000 Echsen soll es mittlerweile auf den Kleinen Sundainseln noch geben. Die meisten leben auf Rinca, Komodo, Gili Motang. Um sie vor dem Aussterben zu schützen, wurde in den 1980er Jahren der Komodo-Nationalpark gegründet. Ranger wie Mateus kümmern sich um die Tiere.

Nicht nur die bis zu drei Meter langen Warane leben dort, sondern auch Wasserbüffel, Hirsche, Wildschweine, Affen, Schlangen. Mateus und seine Kollegen beobachten und pflegen den Bestand der Tiere und führen Touristen durch diese so andere Welt, in der hinter jedem Busch, in jedem Loch eine Echse lauern könnte.

Etwa 120.000 Besucher kommen pro Jahr auf die Dracheninseln. Boote von Labuan Bajo auf der Insel Flores fahren zum Komodo-Nationalpark. Aber auch Kreuzfahrtschiffe ankern vielfach vor Komodo, deren Passagiere auf die Insel strömen. Dem Besucherandrang will Indonesiens Regierung nun entgegenwirken. Dieser habe negative Auswirkungen auf die Umwelt, lautet die nachvollziehbare Begründung.

Laut Berichten lokaler Medien soll der Nationalpark zum Luxusziel werden. Der Eintritt wird von rund neun auf 440 Euro erhöht. Darüber hinaus soll Komodo im kommenden Jahr für Besucher geschlossen bleiben.
Doch an diesem Tag werden zahlreiche Gruppen über die von der Sonne ausgetrocknete Insel geführt. „Bleibt auf jeden Fall auf den Wegen“, mahnt Mateus, dessen scharfe Augen in etwa zehn Metern Entfernung etwas entdeckt haben: Eine grüne Schlange schlängelt sich um einen Ast. Auf einmal geht der Ranger in die Hocke. Ein erst wenige Monate alter Waran beäugt die Gäste kritisch.

Mateus macht ein Foto von dem Jungtier, das Touristen eher selten zu Gesicht bekommen. „Sie leben die ersten Lebensjahre auf den Bäumen, da sie sonst von ihren Müttern gefressen werden“, erklärt der Ranger.

So schnell, wie es auftauchte, ist das Kleine auch schon wieder verschwunden. Und die Gruppe zieht weiter. Etwa anderthalb Stunden dauert die Tour, die Pascal für seine Gäste gewählt hat. Auch längere Rundgänge können selbstverständlich gebucht werden. Doch für diesen Tag reicht es den Besuchern.

Die sengende Sonne und die Anspannung haben ihre Spuren hinterlassen. Müde kehrt die Gruppe zu ihrem Ausflugsschiff zurück und schaukelt sicher und mit vielen neuen Eindrücken retour nach Flores.

Ute Fiedler

Wird Komodo für Besucher gesperrt?
Derzeit wird darüber beraten, ob die indonesische Insel Komodo im kommenden Jahr für Besucher gesperrt wird. Der Entscheidungsprozess dauere an, teilte das indonesische Tourismusministerium mit.
Unklar ist, ob die Schließung lediglich das kleine Eiland betrifft, oder ob der gesamte Nationalpark geschlossen werden soll. Pro Jahr kommen mehr als 120.000 Besucher auf die Inseln, eine Anzahl, die nach Plänen der Regierung deutlich verringert werden soll. Im Raum steht neben der Schließung Komodos auch eine Erhöhung des Eintrittspreises von derzeit neun auf mehr als 400 Euro.

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