Neuseeland

Auf Hobbitsuche

Zu Hobbiton gehören eine Wassermühle, eine Schenke und mehrere, gerade mal mannshohe Hobbithäuschen. Fotos: af

Eine Tour durch Neuseelands berühmteste Filmkulisse

Da! War das etwa einer? Rasch läuft Sarah um das Häuschen mit der kreisrunden, gelben Tür herum. "Hooooobit, wo bist du?", ruft die Vierjährige und ihre Stimme hallt über die sanfte neuseeländische Hügellandschaft. Irgendwo, so ist sich das Mädchen sicher, muss doch einer sein. Schließlich hängen auf der Wäscheleine neben dem Häuschen klitzekleine Anziehsachen. Etwa für ein Kleinkind oder einen Hobbit halt.

Nein, Hobbits selber sieht man in Hobbiton (in Deutsch: Hobbingen) nicht, aber dafür alles, was zu dem kleinen Dorf dazugehört, das der Schriftsteller J. R. R. Tolkien in seinen Werken "Der Herr der Ringe" und "Der Hobbit" beschrieben hat: Eigenartige Häuschen, gerade einmal mannshoch, die sich in grüne Hügel schmiegen. Gärtchen, von wackeligen Zäunen und Steinmauern umfasst. Eine Wassermühle an einem See und der "Grüne Drache", eine Schenke mit runden Fenstern und Türen, die sich ebenso wie die Hobbithäuschen in die Landschaft hineinzuducken scheint.

"Das", sagt Ian Brodie und breitet die Arme aus, ,,ist eines der Film-Sets, an dem der neuseeländische Regisseur Peter Jackson Tolkiens Werke verfilmt hat." Brodie ist Autor und Fotograf. Sein Spezialgebiet: Filmbücher. In Neuseeland wurde sein Reiseführer zu den Schauplätzen der "Der Herr der Ringe"-Trilogie zum Bestseller. Ab und zu führt er auch Gäste herum, etwa zu jener Schafsfarm nahe des Städtchens Matamata im Herzen der neuseeländischen Nordinsel, an dem das Hobbiton-Film-Set steht.

Bereits nach dem Dreh der "Herr der Ringe" kamen mehr als 220.000 Tolkien-Fans aus aller Welt, um den Schauplatz des Werks zu besichtigen, obwohl damals nach dem Dreh vieles zerstört oder abgerissen wurde und nur noch einige Fassaden zu sehen waren. 2010, als die Film-Crew erneut anrückte, um den "Hobbit" auf die Leinwand zu bringen, bestand der Farmbesitzer darauf, diesmal permanent gebaute Hobbitstätten zurückzubehalten. Eine Goldgrube. Zu Höchstzeiten empfange das sich über 20 Hektar erstreckende Film-Set bis zu 1.700 Menschen am Tag, so Brodie.

Die meisten, die das Film-Set besuchen, sind natürlich Fans. Jugendliche, die wie die Hobbits im "Grünen Drachen" einkehren möchten. Paare, die sich auf der so genannten Festwiese unter den tief hängenden Ästen einer markanten Monterey-Kiefer fotografieren lassen. Filmliebhaber, die sich gegenseitig anstupsen, wenn sie kleine Details wie ein mit künstlichem Moos überzogenes Straßenschild entdecken, das sie aus dem Film kennen.

Und natürlich Familien. So wie Michael, der Vater von Sarah, der selber als Kind die Werke Tolkiens gelesen hat. Nun möchte er seiner Tochter das Haus von Bilbo und Frodo Beutlin zeigen, den Hauptprotagonisten von Tolkiens Geschichten. "Die teilweise blutrünstigen Filme kennt Sarah zwar nicht", sagt er, "aber meine Erzählungen von Hobbits."

Und die Mini-Welt mit Bänken in Kinder- beziehungsweise Hobbithöhe, kleinen Reisigbesen und Unterschlüpfen, die an Spielhütten im heimischen Garten erinnern, sind für Kinder mindestens genauso spannend wie echte Hobbits. Obgleich Sarah am Ende der Tour überzeugt ist, dass doch noch Hobbits in den kleinen Häuschen der Schafsfarm wohnen. "Die sind nur arbeiten", sagt sie. "Heute Abend, wenn alle Leute weg sind, kommen sie wieder heim."

Alexandra Frank

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