Mo 24.10.16

Alice Springs: Das funkende Klassenzimmer


Mehr als ein Umsteigeflughafen auf dem Weg zum Ayers Rock


Blick vom Anzac Hill auf Alice Springs, das von Mac-Donnell-Bergen eingerahmt ist.

Blick vom Anzac Hill auf Alice Springs, das von Mac-Donnell-Bergen eingerahmt ist.

School of the Air: Landkarte mit Verteilung der Schüler. Fotos: istockphoto, ras

School of the Air: Landkarte mit Verteilung der Schüler. Fotos: istockphoto, ras

Wer hätte zu Schulzeiten nicht liebend gerne mal nervige Mitschüler oder Lehrer am liebsten zum Mond geschossen? Aber wie ist das eigentlich, wenn man keine Mitschüler hat, mit denen man Dummheiten machen kann? Einfach deshalb, weil die nächste Schule mehrere Hundert Kilometer entfernt liegt.

Die Alice Springs School of the Air ist eine Schule, in der sich die Schüler nur mindestens dreimal im Jahr für eine Woche sehen, denn das Einzugsgebiet des weltweit größten Klassenzimmers ist über 1,3 Millionen Quadratkilometer groß, was der zehnfachen Größe Englands entspricht. Die weltweit erste Schule ihrer Art wurde 1951 gegründet. Kindern auf isoliert im Outback liegenden Farmen wollte man so Wissen vermitteln, außerdem sollten sie Kontakt zu ihresgleichen bekommen.

In den Anfangsjahren erhielten die Schüler mehrmals im Jahr schwere Pakete mit Büchern und mussten ihre Hausaufgaben zum Lehrer nach Alice Springs einschicken. Der Unterricht fand über das Radio und Sprechfunk statt.

Heute hat das Internet mit seinen Möglichkeiten vieles vereinfacht. Hausaufgaben schicken die Kinder bequem per E-Mail. Je nach Klassenstufe gibt es mindestens eine Stunde Live-Unterricht. Dabei steht der Lehrer im Klassenzimmer, per Webcam flimmert sein Unterricht auf die heimischen Computer der Schüler. Die Kids sind per Chat-Funktion zugeschaltet und können sich hier auf Fragen melden. Und der Urlauber, der die School of the Air besichtigt, kann dabei zuschauen.

Außerhalb des Live-Unterrichts arbeiten die Kinder mit ihrem Unterrichtsmaterial und dem Hauslehrer – in den meisten Fällen ist das die Mutter – mindestens vier Stunden weiter. Sie arbeiten streng nach Stundenplan des Northern Territory, schließlich wollen sie einen anerkannten Abschluss machen. Mindestens einmal im Jahr kommt der Klassenlehrer vorbei.

Im Alter von viereinhalb Jahren beginnen die Kinder mit der Vorschule. Um an der School of the Air angenommen zu werden, müssen sie mindestens 50 Kilometer abseits der nächsten Schule wohnen. Derzeit lernen hier 141 Kinder, die teils bis zu 1.000 Kilometer entfernt leben. Zwölf Lehrer senden von den drei Aufnahmestudios in der Schule, die zum Eintrittspreis von elf australischen Dollar besichtigt werden kann. Weitere Infos unter www.assoa.nt.edu.au.

Eine geführte Tour wird auch beim Royal Flying Doctor Service (RFDS) angeboten. Ab Alice Springs sind vier Flugzeuge im Einsatz. Zur Besatzung gehört immer ein Arzt und eine Krankenschwester. Kommt es ganz hart, kann auch im Flugzeug operiert werden.

Dass Alice Springs genau an dieser Stelle mitten im Nirgendwo gegründet wurde, hat seinen Grund: 1872 wurde eine Telegrafenleitung quer über den Kontinent geplant, von Adelaide im Süden bis Darwin im Norden. Dafür mussten in regelmäßigen Abständen Telegrafenstationen im Outback errichtet werden, eine davon an einer vermeintlichen Quelle, die der Projekt-Manager nach der Ehefrau seines Chefs Alice Springs nannte. Heute kann man an der einstigen Telegrafenstation ein interessantes Freilichtmuseum besuchen.

Genauso wie die Telegrafenleitung zieht sich die Zugstrecke einmal quer über den Kontinent und hat einen Bahnhof in Alice Springs. Und wenn man schon mal in Alice Springs ist, sollte man auf den Anzac Hill fahren, um einmal über die Stadt zu blicken.


Sylvia Raschke

 

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