Mi 19.04.17

Kimberley: Pures Outback


In der nordwestlichen Region zeigt sich Western Australia ursprünglich


Abenteuer pur in Kimberly

Abenteuer pur in Kimberly

Krokodile am Lake Argyle südlich von Kununurra. Fotos: jm

Krokodile am Lake Argyle südlich von Kununurra. Fotos: jm

Wenn du in Kimberley bist, dann siehst du Baobabs“, sagt Bruce, ein Bushie wie aus dem Bilderbuch. Baobabs sind diese klobigen, fast schwanger wirkenden, endemischen, australischen Affenbrotbäume. „Und zu 90 Prozent bietet Kimberley rotbraune Erde, Geröll und das Süßgras Spinifex.“ Outback eben mit einem nicht zu Ende gehenden Horizont, der überspannt wird von stahlblauem Himmel und malerischen weißen Schäfchenwolken.

So zeigt sich die Landschaft zumindest während der Trockenzeit. „Dann ist es so heiß, dass die Klimaanlagen und Eiswürfel erzeugende Gefriertruhen zum besten Freund des Kimberley-Menschen werden“, sagt Bruce und nimmt einen Schluck Bier. Er sieht aus wie einer der ganz harten Burschen: Cowboy-Hut, ungepflegter Bart, gelbe Zähne, eine Fluppe zwischen den Fingern. „Nächste Woche habe ich frei!“, freut sich Bruce, der 43 Jahre alt ist, aber zehn Jahre älter aussieht.

Eine Woche frei, heißt für einen Fly-in-fly-out-Miner wie ihn: Ab nach Perth! Dann wird das Geld, das er irgendwo da draußen durch harte Arbeit in den Minen verdient, gleich wieder auf den Kopf gehauen.

Kimberley ist fast doppelt so groß wie Großbritannien. Die Population liegt aber unter 40.000 Menschen. In dieser Region müssen die Ärzte zu ihren Patienten fliegen, den Nachbarschaftsbesuch führen Farmer schon mal mit dem Kleinflugzeug durch und Outback-Cowboys nutzen Helikopter, um ihr Vieh zusammenhalten zu können. Mit 6.000 Einwohnern ist Kununurra unbestrittene Metropole. Im Hidden Valley trifft man auf gestreifte Sandsteinformationen und der Sonnenuntergang auf dem roten Kelly’s Knob gehört zu den beeindruckendsten.

Das Pendant im Westen von Kimberley ist Derby, die Stadt der Baobabs. Einer der Bäume ist 1.500 Jahre alt: Innen ausgehöhlt, diente er um 1900 als Buschgefängnis. 1885 wurde am Halls Creek zum ersten Mal in Westaustralien Gold entdeckt und Derby zum Landehafen von 10.000 Glücksrittern. Bald war Schluss mit dem Frieden und bei zwölf Metern Baumdurchmesser auch Platz für mehr als nur zwei bis drei Halunken.

Wer in der Gegend von Halls Creek ist, sollte 150 Kilometer – das ist wie mal kurz ums Eck gehen im westaustralischen Outback – weiter nach Süden fahren: Der Wolfe Creek Crater hat einen fast kreisrunden Einschlagkrater mit 880 Metern Durchmesser. Er ist nach dem Barringer Crater in den USA der zweitgrößte Krater der Welt.

Etwa die Hälfte der Bevölkerung sind Ureinwohner, noch heute in Stämmen und in einer strengen Hierarchie lebend, die gegliedert ist nach Alter und Wissen. Es gibt Gruppenverbände von mehr als 100 Personen, sesshaft und nomadisch. Berge oder Flüsse gelten als Lebensraumgrenzen und Grenzstreitigkeiten zwischen einzelnen Gruppierungen sind praktisch unbekannt. „Die bleiben weitgehend unter sich“, sagt Bruce. „Wir haben mit denen nichts tun. Die gehören halt dazu wie Sand, Busch und Fliegen.“ Keine schöne, aber doch eine oft gehörte und leider typische Outback-Meinung.


Jochen Müssig

 

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