Mo 02.10.17

Hunsrück: Durch den Urwald von morgen


Der Fernwanderweg Saar-Hunsrück-Steig feiert seinen zehnten Geburtstag


Auf dem Erbeskopf: Rundumblick über den Hunsrück

Auf dem Erbeskopf: Rundumblick über den Hunsrück

Für Schwindelfreie: die 360 Meter lange Hängeseilbrücke Geierlay. Fotos: mw, rie

Für Schwindelfreie: die 360 Meter lange Hängeseilbrücke Geierlay. Fotos: mw, rie

Mit dem Hunsrück verbindet manch einer vielleicht noch den Schinderhannes. Sonst machte das Mittelgebirge zwischen Mosel, Rhein und Nahe über Jahrhunderte kaum von sich reden.

Das ist inzwischen anders. Der 2007 eröffnete Saar-Hunsrück-Steig gilt unter Wanderern als einer der spannendsten Fernwanderwege in Deutschland. 70.000 Gäste laufen ihn im Jahr. Experten geben ihm Bestnoten. Und seit zwei Jahren führt die 410 Kilometer lange Route von Perl an der luxemburgischen Grenze bis nach Boppard am Rhein auf weiten Teilen durch ein Gebiet, das im neuen Nationalpark Hunsrück-Hochwald in den kommenden Jahrzehnten wieder zur echten Wildnis werden soll.

Beste Sicht dank neuer Skulptur
Auf dem Gipfel des Hunsrücks sieht man davon zunächst wenig. 816 Meter ragt im Südwesten der Erbeskopf aus dem Wald heraus. Skipisten und eine Sommerrodelbahn durchschneiden die Wildnis. Eine barrierefrei begehbare Skulptur eröffnet neuerdings fantastische Grünblicke ins Tal.

Nur ein paar Hundert Meter weiter führt Nationalpark-Ranger Dirk Paul seine Gäste auf Spaziergängen zu einer unscheinbaren Lichtung. Vor Paul wuchert ein dichtes Blätterdach. „Hier bekommen Sie einen Eindruck, wie das mal aussehen könnte“, sagt der gelernte Forstwirt. Ein Buchenwald mit viel Totholz, durchstreift von Wildkatzen, Rotwild und Moosbeeren-Scheckenfalter, durchzogen von Niedermooren und klaren Bächen – so habe Mitteleuropa vor 2.000 Jahren überwiegend ausgesehen.

Und genau so soll es im Nationalpark wieder werden. Auf derzeit 10.120 Hektar Fläche in Rheinland-Pfalz und im Saarland darf der Borkenkäfer in den Rotfichten-Beständen machen, was er will – und auch vor der Rückkehr von Wölfen hat Ranger Paul keine Angst.

Abschalten in urwüchsiger Natur
Natürlich führt der Hunsrück-Steig mitten über den Erbeskopf. Doch seinem urwüchsigen Ruf wird er andernorts noch eher gerecht. Abgeschieden liegt etwa der Grimburger Hof unterhalb der gleichnamigen Ruine im Tal des Bächleins Wadrill. Sorgfältig muss hier den blau-grünen Zeichen folgen, wer nicht vom Steig abkommen möchte. Immer wieder schlägt dieser sich als kaum fußbreite Spur ins Gebüsch, folgt über Stock und Stein unscheinbar dem Bach. Erst nach 13 Kilometern kehrt man auf dieser Etappe am Stausee in Kell zurück in die Zivilisation.

Wer in der Natur einfach abschalten möchte, ist hier genau richtig. Auf den 27 Etappen des Saar-Hunsrück-Steigs gibt es aber auch einiges zu sehen. Die Saarschleife bei Mettlach oder die Hochseilbrücke über die Geierlay sind besonders markant. Nahe der Bundeslandgrenze ragt bei Otzenhausen ein eigenartiges Gemäuer aus dem Grün hervor. In einer breiten Schneise ist aus Feldsteinen ein zehn Meter hoher und 40 Meter breiter Wall aufgeschichtet.

Es waren die Kelten, die schon ab 500 vor Christus hinter dem zweieinhalb Kilometer langen Schutzwall und einer bis zu 25 Meter hohen Mauer aus Holz und Steinen Schutz suchten: vor den Nachbarn und der ungezähmten Natur. Am Fuß des Dollbergs kann man seit 2016 im neuen Keltenpark Otzenhausen nachvollziehen, wie sie lebten.

Martin Wein

So kann gebucht werden
Der Saar-Hunsrück-Steig kann über zahlreiche Veranstalter gebucht werden. So bietet Wikinger Reisen (www.wikinger.de) einen viertägigen Kurztrip an, der als Individualreise buchbar ist. Die Wanderung inklusive Unterkünfte wird dabei mit Wellness im Kurort Weiskirchen verbunden. Die achttägige Wanderreise „Hunsrück – über Traumschleifen und Geierlay“ ist eine geführte Standort-Wanderreise auf Abschnitten des Steigs ab Kempfeld. Kleins Wanderreisen (www.kleins-wanderreisen.de  hat acht Touren zwischen sieben und zwölf Tagen im Programm. Insel Zeitreisen bietet eine Neun-Tage-Gruppentour auf dem Steig zwischen Mettlach und Trier (www.inselzeitreisen.de).
Allgemeine Infos gibt es unter www.saar-hunsrueck-steig.de.


 

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