Frankreich

Provence: Immer der Nase nach

Das Dörfchen Gordes ist im Sommer von einer violetten Farbenpracht umgeben

Im Sommer kann man den Lavendel mit allen Sinnen genießen

Als Mitbringsel ein Lavendelstrauß von Nathalie Busi? Oder zwei? Fotos: hb

Der heiße Wind des Abends trägt ein besonderes Aroma den Hang hinauf. Es ist ein angenehmer Duft, den der Mistral einem zufächelt: Aromatisch, frisch und holzig-herb, süßlich, aber nicht allzu blumig. Endlich ist es wieder so weit: Die Provence zieht ihr Sommerkleid an und legt ihr Lieblingsparfum auf.
Im Schatten des Mont Ventoux, rund um das Städtchen Sault, färbt sich das Land im Sommer blauviolett. Von Juni bis August herrscht im Departement Vaucluse Hochbetrieb: Dann blühen und duften der Echte Lavendel und sein Verwandter, der Lavandin.

Das Wahrzeichen Südfrankreichs wächst überall: Es wirkt, als hätten die Bauern Bahnen aus lila Stoffen in den Tälern und auf den Anhöhen ausgebreitet. Das auf einem Bergsporn thronende Dorf Gordes, Roussillon mit seinen Ockerbrüchen, die Abtei von Senanque: Sie alle sind umzingelt von Lavendel.

Urlaubstraum in Lila

Viele Tagesausflügler kommen aus Städten wie Avignon und Aix-en-Provence. Einige Veranstalter lassen ihre Kunden noch viel tiefer ins Lavendelmeer eintauchen, so populär ist die Farbenpracht: Studiosus organisiert extra eine sechstägige Event-Reise, auch SKR bietet Touren zur Lavendelblüte. Für die Touristen sind diese Wochen ein Urlaubstraum. Für die Einheimischen allerdings nicht: Sie haben im Sommer viel zu tun.

Millionen von Erntehelfern sind von morgens früh bis abends spät im Einsatz, um Pierre und Philippe Silvain die entscheidende Zutat für ihre aromatischen Nougatkreationen zu liefern. Wer den Brüdern in ihrer Backstube in Saint-Didier über die Schulter schaut, sieht nicht nur Säcke mit Mandeln, sondern auch Tonnen voller Lavendelhonig. „Unsere Bienen schieben jetzt Überstunden, schließlich muss die Ernte fürs ganze Jahr reichen.“

Auch anderswo ist Erntezeit. In Ferrassieres steht Nathalie Busi mit der Sichel im Lavendelfeld: Sie baut „Super Blue“ an, eine Sorte mit intensiver Blütenpracht. In ihrer Lagerhalle trocknen Hunderte von Bouquets.

In Sault, dem Zentrum des Lavendelanbaus, kommt derweil Valerie Durbec ins Schwitzen: In der Destillerie Aromaplantes produziert sie ätherische Öle – 140 Kilo Lavendel liefern gerade mal einen Liter.

Die teuren Extrakte und biologisches Olivenöl verwendet um die Ecke Eric Bauffe von der „Savonnerie de Provence“. Hier kaufen Eingeweihte ein, die das Original wollen und nicht ‧jene mit künstlichen Aromen versetzten Seifen, die einem anderswo angedreht werden.

Schmuck und Geschmack

Lavendel lässt sich indes nicht nur sehen und riechen, sondern auch fühlen und schmecken. Der Künstler Jean-Pierre Honore aus Savoillan kreiert besondere Schmuckstücke – jeder seiner Anhänger ist individuell wie ein Lavendeltrieb. Und Koch Yves Gattechaut von der Hostellerie du Val de Sault paniert die Kräuter der Provence in Bierteig, schmort sein Lammcarrée mit Rotwein-Lavendel-Soße – und serviert zum Dessert ein aromatisches Lavendeleis.

Von Helge Bendl
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