Kroatien

Kellner über Bord

Urig mit wildromantischem Canyon: das einstige Piratennest Omis

Urig mit wildromantischem Canyon: das einstige Piratennest Omis.

Eine Küstenkreuzfahrt ist erfrischend anders

Badestopps in ruhigen Buchten sind ein Highlight der Küstenkreuzfahrt

Badestopps in ruhigen Buchten sind ein Highlight der Küstenkreuzfahrt. Fotos: ck

Vergessen Sie, was Sie von Fluss- und Hochseekreuzfahrtschiffen kennen. Das hier ist anders. Lassen Sie sich darauf ein“, sagt Kreuzfahrtleiterin Ute Krause bei der Einschiffung auf dem Phoenix-Küstenkreuzer Paradis. Die 40 Meter lange Motoryacht ist auf ebenso wenige Passagiere ausgelegt.
Die Kabinen befinden sich auf Unter- und Hauptdeck, darüber liegen das Restaurant mit anschließendem, überdachtem Außenbereich am Heck und das Sonnendeck, ebenfalls mit ausreichend vielen Schattenplätzen. Und auf dem Vorschiff gibt es ein lauschiges Plätzchen mit einer breiten, weich gepolsterten Sitzbank direkt vor der offenen Brücke.

Insel-Hopping und ein Piratennest

Der erste Eindruck vom Schiff: so gemütlich wie im Katalog versprochen. Da passt der barfüßige Kapitän Tomy perfekt ins Bild. Er zeigt uns in acht Tagen „Kroatiens Traumküste“ auf der gleichnamigen Route. Ab/bis Split geht es zu den Inseln Brac, Hvar, Korcula, Mljet sowie nach Dubrovnik und in das Piratennest Omis.

Ein wiederkehrendes Highlight unserer Küstenkreuzfahrt sind die vormittäglichen Badestopps in Buchten abseits der öffentlichen Strände. Sobald die Paradis vor Anker gegangen ist und mit dem Heck zur Küste liegt, springt einer der beiden Matrosen ins Wasser und vertäut das Schiff an einem Baum oder Felsen.

Dann dürfen die Passagiere von der bordeigenen Badeplattform ins Wasser steigen. Die Crew geht schon mal direkt über die Reling: So wie unser Kellner Rade, der plötzlich vom Oberdeck an mir vorbeigeflogen kommt und sich vor dem Servieren des Mittagessens selbst auch mal eine kurze und wohlverdiente Erfrischung gönnt.

Das klare, türkisfarben wirkende Wasser ist aber auch zu verlockend. Und der Einstieg vom Schiff aus hat den Vorteil, den Seeigeln aus dem Weg zu gehen. Für die zumeist älteren Gäste gibt es Schwimmnudeln, andere greifen zu Taucherbrille und Schnorchel.

Das Publikum an Bord der Phoenix-Yacht ist bunt gemischt. Beim Essen, bei dem es an großen Tafeln gesellig zugeht und zwischendurch Schüsseln mit Salat oder kroatischer Fleischsuppe herumgereicht werden, lernt man einander schnell kennen: die Physiognomik-Trainerin, die die Kroatien-Reise mit der Paradis des Namens wegen als Geschenk für ihren Liebsten ausgewählt hat. Den rüstigen Globetrotter, der früher Trekkings mit Hauser Exkursionen unternommen hat. Und die 93-jährige Wahl-New-Yorkerin, die in Kroatiens Kleinoden den Kontrast zum Trubel des Big Apples sucht.

Steinhäuser im venezianischen Stil

Davon gibt es einige auf unserer Dalmatien-Route: den pittoresken Hafenort Stari Grad auf Hvar beispielsweise, dessen Altstadt mit historischen Steinhäusern von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Oder die beim Jetset beliebte Inselhauptstadt Hvar, in deren Arsenal hinter einem großen Torbogen heute moderne Kunst ausgestellt wird. Und das mittelalterliche Korcula auf einer Landzunge am Ostende der gleichnamigen Insel, in dessen kleinen verwinkelten Gassen alte Kirchen und Häuser im venezianischen Stil zu bewundern sind.

Ein Juwel ist die Insel Mljet mit dem von Aleppo-Kiefern bedeckten Nationalpark. Zwei Salzseen laden zum Baden ein, im „Großen See“ liegt malerisch die Klosterinsel mit einem Benediktinerkloster aus dem 12. Jahrhundert. Der Ausflug dorthin ist der einzige zuzahlpflichtige auf unserer Reise. 25 Euro kosten Führung und Bootsüberfahrt. Fünf Stadtrundgänge hat Phoenix im Verlauf der Reise inkludiert, unter anderem in dem einstigen ‧Piratennest Omis am Fuße einer imposanten Bergwelt.

Bei einem Bootsausflug auf dem Fluss Cetina offenbart sich Omis’ ganze Pracht: der wildromantische Canyon mit kristallklarem Wasser und steil emporragenden Felswänden, der schon Karl May in seinen Bann zog. Kroatien ist dank seiner Bilderbuch-Natur und seiner Städte mit Filmset-Format ein beliebter Schauplatz: Winnetou wurde hier gedreht, die Fortsetzung von Mamma Mia, Game of Thrones und auch für den nächstes James-Bond-Streifen wird das Land hoch gehandelt.

Dennoch geht es ruhig und gelassen zu in den Städtchen, Orten und Buchten an Kroatiens Küste. So ruhig, dass an Bord der Paradis das Zirpen der Zikaden zu vernehmen ist. Eine Küstenkreuzfahrt ist tatsächlich anders. So aufregend unaufgeregt. Darauf lässt man sich doch gerne ein.

Christofer Knaak


Richtig beraten

  • Küstenkreuzfahrten kommen ohne Bordprogramm aus, das Erleben von Natur und Städten – oft auf eigene Faust – steht im Fokus
  • Gefahren wird tagsüber. Motoren‧geräusche und Schiffsvibrationen sind in den Kabinen am Heck deutlich zu vernehmen.
  • Küstenkreuzer und Yachten liegen in den Häfen nebeneinander. Passagiere müssen in der Lage sein, auch ohne Hilfestellung einen großen Schritt von Schiff zu Schiff zu machen.
  • Die Getränkepreise an Bord liegen über denen der Fluss- und Hochseekreuzfahrtschiffe von Phoenix Reisen (Beispiele: 0,5 Liter Bier 4,50 Euro, Aperol Spritz 10 Euro)
  • 2019 fährt anstelle der Paradis die neue Motoryacht Princess (40 Betten) für Phoenix Reisen.
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