Portugal

Faro: Mehr als ein Flugziel

Kulturhistorischer Höhepunkt in Faro: die Carmo-Kirche

Die Stadt und der maritime Naturpark sind eine Entdeckung wert

Malerisch: Der Blick über den Hafen reicht bis zur Altstadt. Fotos: cd

Die Algarve ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Im Minutentakt landen Jets mit sonnenhungrigen Urlaubern auf dem Flughafen von Faro. Die meisten Gäste wollen in die weiter westlich gelegenen Küstenorte, wo malerische Felsen die goldgelben Buchten säumen. Faro selbst bleibt meist wortwörtlich „links liegen“. Die Stadt taugt nicht zur Urlauberhochburg, weil es keine direkte Strandlage hat.

Doch die Algarve-Hauptstadt ist ein lebendiger Ort mit rund 64.000 Einwohnern und sogar zwei Universitäten. Phönizier, Griechen, Römer und Westgoten prägten die Geschichte des Hafenortes.

Weiße Sonnensegel über den Gassen

Die Algarve-Hauptstadt beschattet ihre Flaneure mit weißen Sonnensegeln über den Gassen der ausgedehnten Fußgängerzone. Der Boden ist mit ornamentalem Kopfsteinpflaster belegt, die Straßenschilder sind aus bunter Keramik. Kleine Restaurants, Kneipen, Cafés und inhabergeführte Geschäfte locken zum Bummeln. Darunter finden sich Lädchen mit typischen regionalen Spezialitäten, etwa Fischkonserven, Honig, hausgemachte Marmeladen oder Schnaps aus den Früchten des Erdbeerbaums.

Die Altstadt: Malerisch und eiförmig

Die eiförmige Altstadt gibt sich malerisch. Häuser, Kirchen und der Bischofspalast stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Zentrum des historischen Kernes ist der von duftenden Orangenbäumen umstandene Largo da Se mit der Kathedrale, auf der Störche brüten.

Sehenswert sind außerhalb der attraktiven Altstadt die Markthalle am Largo Dr. Francisco sa Carneiro und die nicht weit entfernte Carmo-‧Kirche mit ihren goldsprühenden Altären. Durch die Sakristei geht es zur Capela dos Ossos. Das Beinhaus ist mit kunstvoll aufgeschichteten Knochen und Schädeln ausgekleidet. „Früher pflegte man die Gebeine einige Jahre nach der Bestattung wieder auszugraben und auf diese Art zu präsentieren, um an die Vergänglichkeit des irdischen Daseins zu erinnern“, so die Kirchenführerin.

Auch wenn Faro keinen Stadtstrand hat, bietet die Stadt doch reichlich maritime Erlebnisse. Direkt vor einem der Altstadttore liegt die Anlegestelle der Fähren. Eine der Linien führt zur unbewohnten Ilha Deserta.
Zwei Leuchttürme flankieren den Durchbruch zum Meer. Das einzige Restaurant serviert fangfrischen Fisch. Der Strand zur Atlantik-Seite dehnt sich, soweit das Auge reicht. Die Buchten zum Festland hin bieten glasklares ruhiges Wasser. Boote fahren von Faro aus zur Ilha de Culatra mit 1.000 Einwohnern, von denen noch fast 100 Berufsfischer sind. Das Eiland hat eine Grundschule, eine Kapelle, einige Kneipen, aber keine Straße oder Gästeunterkünfte.

Man kann den vorgelagerten Archipel aber auch auf exklusive Art erleben. Meeresbiologe Alfredo Rodrigues steuert eines der Boote von „Natura“, die man mitsamt Skipper im Hafen von Faro für private Ausflüge buchen kann.

Der Ausflug lohnt sich, denn Alfredo erzählt unterwegs in perfektem Englisch vom Ökosystem des Parque Natural da Ria Formosa. Hinter der Barriere aus vorgelagerten Inseln und Dünen erstreckt sich die Lagune mit einem Labyrinth aus Salzwiesen, Kanälen, Wattflächen und Sandbänken.

Claudia Diemar

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