Mauritius

Süße Versuchung

Zu Füßen des Berges Le Morne liegen die Beachcomber-Hotels Dinarobin und Paradis – von dort kann man eine Bootsfahrt in den Norden von Mauritius antreten.

Zu Füßen des Berges Le Morne liegen die Beachcomber-Hotels Dinarobin und Paradis – von dort kann man eine Bootsfahrt in den Norden von Mauritius antreten.

Mauritius: Auf der Zuckerrohrinsel entstehen immer mehr Luxushotels

Farbenprächtig: der Strand vor dem Beachcomber-Hotel Royal Palm.

Farbenprächtig: der Strand vor dem Beachcomber-Hotel Royal Palm. Fotos: pa

Monströs und grau-grün wie ein moosbewachsener Elefant erhebt sich Le Morne an der Westküste von Mauritius. Der schroffe Felsbrocken gehört zum Unesco-Welterbe, weil er als Mahnmal der Sklaverei gilt. Im 19. Jahrhundert suchten die Unterdrückten auf der Flucht vor ihren Besitzern Schutz in den schwer zugänglichen, dicht bewaldeten Klippen von Le Morne. Am Fuße des Berges, im Beachcomber-Hotel Dinarobin Golf & Spa, erfährt man das tragische Ende der Geschichte. Als die Sklaverei 1835 vorbei war, wurde eine Polizeiexpedition auf Le Morne entsandt. Die Sklaven glaubten, man wolle sie gefangen nehmen und stürzten sich von dem Felsen in den Tod.

Im Dinarobin-Hotel erscheinen die Schrecken der Vergangenheit Lichtjahre entfernt. Die Anlage ist erst seit einigen Wochen wieder in Betrieb, sie wurde umfassend renoviert. Neuankömmlinge werden in der Lobby, die zum Meer hin offen ist, mit einem Cocktail in die superweichen Sofas gedrückt. An den Bar-Pavillon grenzt eine Pool-Landschaft, die sich über mehrere Ebenen erstreckt.

Die parkähnlichen Rasenflächen sind mit hölzernen Liegen übersät, und zwischen den Bungalows wurden neue Wasserbassins ausgehoben. „Seitdem beschwert sich kein Gast mehr über fehlenden Meerblick“, freut sich Hoteldirektor Jean-Marc Lagesse. Auch die Restaurants und der Spa-Tempel erhielten eine Aufwertung, so dass sich das Dinarobin-Hotel nun mit fünf statt bislang vier Sternen schmückt – und mit dem Zusatz, erstes Öko-Resort der Insel zu sein.

Überhaupt greift die mauritische Hotelgruppe Beachcomber, die mit sieben Häusern auf der Insel führend ist, nach mehr Sternen. Im November soll die Eröffnung des Trou aux Biches Resort & Spa erfolgen, eine ehemalige Vier-Sterne-Anlage, die dem Erdboden gleichgemacht wurde und als Fünf-Sterne-Resort mit 334 Wohneinheiten neu aufgebaut wird. Schon im nächsten Jahr startet das nächste Projekt: Unweit des Dinarobin-Hotels in Black River entsteht bis 2012 die Domaine de l’Harmonie, ein Fünf-Sterne-Resort mit 220 Luxusvillen und Golfplatz.

Als Flaggschiff von Beachcomber gilt jedoch das High-End-Hotel Royal Palm, das sich weiter nördlich an der Westküste befindet und zu den Leading Hotels of the World zählt. Mit 84 Suiten ist das Royal Palm überschaubar und die Atmosphäre privat. Der Indische Ozean präsentiert sich knitterfrei, wohingegen das Meer im Süden oft bewegter ist. Eine Stammkundin versichert im Brustton der Überzeugung: „Es gibt auf der ganzen Insel kein besseres Hotel als dieses.“

Auch außerhalb der Touristenanlagen sieht Mauritius friedlich aus, obwohl auf relativ kleinem Raum – die Vulkaninsel ist 60 Kilometer lang und 40 Kilometer breit – viele Ethnien versammelt sind. Unter den 1,2 Millionen Einwohnern sind Hindus, Kreolen, Chinesen, Muslime und Europäer. Sie alle haben sich heilige Stätten errichtet: bonbonbunte Hindutempel, Tamilentempel, Pagoden, Moscheen und neugotische Kirchen.

„Nein, die Mischung ist nicht problematisch“, versicherte der Taxifahrer auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel. Eine Stunde lang redete er wie ein Wasserfall, und als er den Gast am Dinarobin auslädt, weiß der schon eine Menge: dass das Wetter im Norden meist besser ist, die Einheimischen auf Hühnchenfleisch stehen und der wichtigste Industriezweig für Mauritius die Zuckerindustrie ist.

„Ja, wir leben konfliktfrei zusammen“, sagt auch Joanita. Die 21-jährige Kreolin massiert seit drei Jahren im Dinarobin-Hotel verspannte Touristenrücken. Wenn sie einen Wunsch frei hätte, würde sie gerne etwas von der Welt sehen. „Aber ich würde immer wieder nach Mauritius zurückkehren, weil es bestimmt keinen angenehmeren Ort gibt.“ Joanita sieht im Mix der Kulturen auch einen praktischen Vorteil: „Alle religiösen Feste sind offizielle Feiertage, also haben wir viele Feiertage.“ Einer davon erinnert an die Abschaffung der Sklaverei.
Pilar Aschenbach

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