Sri Lanka

Yala-Nationalpark: Tiere haben Vorfahrt

Elefanten bekommt man immer zu sehen, Leoparden nur mit Glück. Foto: aze

Durch das größtes Schutzgebiet Sri Lankas

Sechs Uhr morgens in Tissamaharama. Reiseleiter Saman drängt zum Aufbruch. Noch etwas verschlafen klettern die Safariteilnehmer in den wartenden Geländewagen – nur die Moskitos sind schon putzmunter. Der kleine Ort im Südosten Sri Lankas, kurz Tissa genannt, wird gern als Ausgangspunkt für Safaris in den Yala-Nationalpark genutzt, mit einer Fläche von rund 1.500 Quadratkilometern das größte Schutzgebiet Sri Lankas.

Noch liegt tiefe Finsternis über der Landschaft, doch am Eingangstor zum Yala-Park steigt pünktlich die Sonne über die Baumwipfel. Zur Einstimmung lohnt ein Blick ins kleine Museum: Elefanten, Wasserbüffel und Axishirsche wird man wohl sicher zu sehen bekommen. Aber Lippenbären, Schuppentiere oder gar einen Leoparden Schon nach wenigen Minuten bricht das Foto-Jagdfieber aus. Wie bestellt schlagen direkt neben der Piste zwei Pfauen ihre Räder. Da huschen Mungos durch den Busch, toben Affen in den Bäumen, suhlen sich Wasserbüffel im Schlamm und die meterlangen Warane haben natürlich immer Vorfahrt. Auf roten Sandpisten geht es tiefer in den Park.

Saman erspäht mit seinen Luchsaugen auch für uns zuerst Unsichtbares: Das Rudel der hübsch getupften Axishirsche im Unterholz oder die reglos am Ufer dösenden Krokodile. In den Sumpfwiesen staken Reiher und Ibisse, an einem See bevölkern ganze Kolonien von Pelikanen und Störchen die Baumwipfel. Und endlich die ersten Elefanten – eine ganze Familie badet im See. Ein Junges zuckelt zu einer Miniinsel mit Baum und spielt hingebungsvoll mit herabhängenden Zweigen.

Im Yala-Nationalpark fasziniert neben der Tierwelt auch die vielfältige Landschaft, der ständige Wechsel aus dichtem Dornbusch, offenen Flächen, Felsformationen, Teichen und Flüssen. In der Ferne erheben sich markant geformte Berge, deren eindrucksvollster wie ein überdimensionaler, versteinerter Elefant wirkt.

Und plötzlich taucht hinter Dünen ?eine weite Bucht des Indischen Ozeans auf: Der Yala-Park reicht bis ans Meer. Hier, direkt am Strand, ragen nur noch die Fundamente einer einst beliebten Raststätte aus dem Sand. Der Tsunami von 2004 hat die Gebäude weggefegt und mit ihnen 47 Safarigäste. Ein Denkmal in Form riesiger, silberner Wellen erinnert an die Opfer der verheerenden Flut, die kilometerweit in das Reservat vordrang. Die meisten Tiere konnten damals fliehen, erzählt der Ranger. Sie haben die herandonnernden Wassermassen wohl rechtzeitig gespürt und preschten tief in den Busch hinein.

Natürlich halten wir auch ständig nach Leoparden Ausschau, spähen ins Gebüsch und über die Lichtungen und suchen die hohen Bäume ab, ob sich eine der herrlichen Großkatzen auf einem Ast räkelt. Und dann zur Mittagszeit, schon auf dem Rückweg zum Parkausgang, spaziert völlig unerwartet ein prächtiger Leo ganz gemächlich über den Weg, blinzelt mal kurz zum Fahrzeug mit den gebannt blickenden Gästen und verschwindet seelenruhig im Dickicht.
Monika Zeller

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