Seychellen

Einen Urlaub lang anders leben

Bird Island hat Strände mit puderfeinem Sand.

Auf Bird Island liegt das erste Öko-Resort der Seychellen

Viele Vögel, aber auch gigantische Landschildkröten leben auf Bird Island. Foto: kw

Luxus pur: kein Auto und keine Straße, keine Zeitung und kein Fernseher, geschweige denn Handyempfang. Auf Bird Island wiegen leises Meeresrauschen und das Keckern von Geckos in den Schlaf, der Tag ist angefüllt mit Vogelgezwitscher – und Nichtstun. Denn auf der kleinen Koralleninsel, die in wenig mehr als einer Stunde umrundet ist, gibt es nichts mehr als Natur und eine Öko-Lodge mit 24 offenen Chalets, in denen der Wind die Luft überm Himmelbett zuverlässig kühlt.

Die Insel ist die Alternative zum exquisiten Ghetto der Superreichen und obendrein seit 1973 das erste Öko-Resort der Seychellen. Jede Menge Vögel, gigantische Aldabra-Landschildkröten, die sich schwerfällig und mit lautem Gestöhne immer mal wieder zu vermehren trachten, und regelmäßiger Besuch großer Wasserschildkröten, die am puderfeinen Strand ihre Eier ablegen, legen Äonen zwischen dem Alltag und Bird Island.

Von diesem meerumspülten Flecken, der einst aus Korallensand wuchs, will Robbie nicht mehr weg. Der Naturschützer beringt seit sieben Jahren die Vögel, beobachtet das Brutverhalten der Wasserschildkröten für ein Naturforschungsprojekt und verhilft den geschlüpften Jungen zu einem guten Start ins Meer. Nach fast 40 Jahren Naturschutz soll die Privatinsel seine letzte Station sein. Nur noch in der grünen Gegenwart leben und dafür sorgen, dass Vögel und Schildkröten optimale Bedingungen finden und Gäste die Natur verstehen lernen.

Schon die Ankunft ist so ganz anders: Die Neuankömmlinge, die der kleinen Propellermaschine aus Mahe entsteigen, werden noch an der Grasbahn von der Empfangsdame Rose-Mary, Nick, dem Hotel-Manager, und Robbie, dem Inselnaturschützer, empfangen und von den anderen Gästen neugierig beäugt, ehe sie die paar Schritte zur Lounge geleitet werden, wo sie ein Erfrischungsgetränk, eine Inselkarte und eine Taschenlampe erhalten. Die Lampe soll die Orientierung im Dunkeln erleichtern, damit man nicht über einen brütenden Vogel stolpert.

Von nun an markieren vier Ereignisse den Tagesablauf: das Frühstück, das Mittagessen, die Ankunft des Fliegers am Nachmittag und das Abendessen nach Einbruch der Dunkelheit. Jede Zeitmarke ist für sich ein Erlebnis. Die kreolischen Köche servieren, was sie aus dem Garten geerntet, auf der Farm geschlachtet oder vom Fischer erstanden haben, manchmal auch das, was die Gäste gefangen haben. Die Zwischenzeit vergeht ungetaktet mit Schwimmen und Schnorcheln, Spazieren gehen, Lesen und Vogelbeobachten oder eben Faulenzen.

Als erstes macht Robbie die Neuen am Morgen nach der Ankunft mit der Insel bekannt. Zwischen den Wurzeln einer Kasuarine lugt das Junge eines Weißschwanztropikvogels hervor, darüber brütet eine Feenseeschwalbe auf einem Ast. Auf dem Boden turteln rosa Tauben, und Noddie-Schwalben dienern fleißig beim Balzen. Ein paar Meter weiter erkämpfen Moorhühner sich mit ihren roten Schnäbeln ihren Platz in der Hackordnung, während Madagaskarweber die Spatzen unerbittlich verjagen. Hoch oben liefert ein Feenseeschwalbenpärchen mit anmutigem Synchronflug das perfekte Beispiel für Eintracht, eine Etage höher drehen Fregattvögel ihre Runden.

In diesem Vogelparadies lebt Esmeralda, die älteste Landschildkröte der Welt. „Esmeralda ist 230 Jahre alt und ein Männchen, aber so ist das eben, das Geschlecht der Tiere sieht man erst sehr spät, und dann ist der Name schon gegeben“, sagt Robbie. Er teilt sein Wissen gern mit den Gästen, beim Rundgang, am Strand oder abends an der Bar. Nur eines kann er nicht leiden. Wenn man ihm am Ende Trinkgeld gibt. Denn Robbie ist von einer anderen Welt. Von Bird Island.
Karin Willen

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