Sri Lanka

Der unberührte Süden

Vom Massentourismus verschont: Strand in Goyambokka

Sri Lanka: Traumhafte Buchten und Artenvielfalt in der Region Tangalle

Buddhistische Tradition: das Felsenkloster von Mulkirigala. Fotos: mw

Jeden Morgen bei Sonnenaufgang weckt uns ein Nashornvogel-Pärchen im Resort Palm Paradise Cabanas im äußersten Süden Sri Lankas. Die Vögel, die sich gleich nebenan auf einem hohen Baum eingerichtet haben, landen auf der Terrasse, das Männchen hüpft zur verglasten Tür und klopft mit seinem langen, gebogenen Schnabel an die Scheibe, während das Weibchen wenige Zentimeter dahinter alle Himmelsrichtungen ins Auge fasst, als gebe es dem Partner Rückendeckung. Dazu krächzen Papageien, und Singvögel zwitschern.
Wenn die Lautstärke ihres Konzerts abrupt zunimmt, als drehe jemand den Verstärker der Natur auf, dann herrscht Affenalarm. Makaken stürmen das Gelände, balgen sich, springen von einer Palme zur anderen. Hotelpersonal versucht, sie zu verscheuchen. Vergebens, sie toben sich aus und ziehen ab, wann es ihnen passt. 
Pfauen, die sonst stolz frühmorgens ihr Federkleid präsentieren, wenden sich angesichts des Affentheaters beleidigt ab, während ein kleiner Waran völlig unbekümmert seines Weges zieht.
Die Palm Paradise Cabanas in Goyambokka bei Tangalle sind ein in einen tropischen Garten gebettetes Naturrefugium für Erholungssuchende. Manfred Meinecke aus Berlin hat das Grundstück 1980 entdeckt und gekauft und es so vor dem Zugriff eines großen Tourismuskonzerns bewahrt, wie er sagt. „Ich habe mich mit der Machete durch dichtes Gestrüpp gekämpft und stand plötzlich vor dieser Bucht – der schönste Strand, den ich je gesehen habe“, erinnert sich der 75-jährige ehemalige Zahnarzt.
Im Lauf der Zeit entstanden dann auf dem weitläufigen, teils hügligen Gelände rund 30 Cabanas, aus Kokospalmenholz solide gebaute achteckige Bungalows, sowie später vier Villen und ein Pool. 
Auf den feinen Sandstrand der sichelförmigen Bucht, die im Norden von Felsen und Kokospalmen begrenzt wird, branden bisweilen hohe Wellen. Das klare Wasser ist hier immer bewegt, aber das Schwimmen ungefährlich, wagt man sich nicht zu weit hinaus, wo Strömungen drohen. 
Aber wenige Schritte weiter in der nächsten Bucht fällt der Strand so steil ins Meer ab, dass gefährliche Unterströmungen entstehen. „Geht da nicht rein“, warnt Meinecke. Dort wird im Dezember ein Anantara-Luxusresort eröffnet. Eine Konkurrenz sieht Meinecke darin nicht. Es sei ein anderes Publikum, das dort absteige. Die Anantara-Gäste würden sicherlich zum Baden herüberkommen. „Das belebt das Geschäft“, sagt Meinecke. 
Meinecke und seine Lebensgefährtin Karin Burdich sind Pioniere eines sanften Tourismus in einer Region, die vom Massentourismus, wie er sich an den früheren Hippieorten Unawatuna und Hikkaduwa an der Südwestküste sowie in Arugam Bay im Osten der Insel längst entwickelt hat, verschont geblieben ist.
In Goyambokka reihen sich die schönsten Buchten des Südens aneinander, einige entlang einer Küstenstraße, andere wie die von Meinecke nur über Seitenwege oder vom Meer aus zu erreichen. Dazu zählt auch das wenige Autominuten entfernte Amanwella Resort der Aman Group. 
Das Hinterland ist von Gewürz- und Kräutergärten, Lotusteichen und schönen Landhäusern geprägt. Die bedeutendste kulturhistorische Sehenswürdigkeit der Region ist Mulkirigala, ein vermutlich schon vor 1.500 Jahren auf drei Ebenen eines 200 Meter hohen Bergs errichtetes Felsenkloster mit Buddha-Skulpturen in Höhlen.
Michael Winckler

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