La Reunion

Marla: Das ist der Gipfel

Abgeschieden: Der Talkessel von Mafate ist nur zu Fuß zu erreichen.

Schluchten, Vulkankrater, Nebelwälder und Wasserfälle: Bei Wandertouren erkundet man das wildschöne Herz der Insel

Der neugierige Borstenigel schaut gerne mal vorbei

An den Wasserfällen Cascade du Grand Galet sprudelt das Wasser das ganze Jahr. Fotos: hb

Früh am Morgen geht es los, weil die Wolken hier faule Langschläfer sind und am Vormittag meist keine Nebelschleier die Aussicht beeinträchtigen. Selbst aber muss man wach sein: Es geht steil nach unten in eine Schlucht, dann wieder steil nach oben. Mal knirschen Lavabrocken unter den Schuhen, mal geht es hüpfend über Flusskiesel. 1.270 Meter im Aufstieg, 850 Meter im Abstieg hat die Tour vom Dorf Cilaos zur Siedlung Marla im Talkessel von Mafate. Dorthin führt keine Straße: Um das wilde Herz von La Reunion zu erleben, muss man den Rucksack packen und die Wanderstiefel schnüren.
Ein gut beschildertes Wegenetz von mehr als 1.000 Kilometern Länge erstreckt sich in den Bergen, die mit ihren tiefen Tälern, Vulkankratern und Wasserfällen zum Unesco-Weltnaturerbe zählen.
Gefährliche Tiere gibt es dagegen nicht in den Zauberwäldern voller Bartflechten, Orchideen und Baumfarne. Wenn etwas im Unterholz raschelt, ist es meist nur ein neugieriger Borstenigel.
„Die Landschaft ist ein Traum. Doch man marschiert nicht über Spazierwege, sondern in alpinem Terrain über Stock und Stein“, meint Stefan Brandner aus Fellbach bei Stuttgart. Seine Reiseagentur Brandner hat sich als Spezialist für La Reunion einen Namen gemacht und organisiert für diverse Veranstalter die Programme auf der Insel.
Eigene, deutschsprachig geführte Gruppenreisen sind für Reisebüros nun unter der neuen Marke „Pan Natura Afrika“ buchbar. Alternativ kann man mit Hauser Exkursionen und Wikinger Reisen die Insel erkunden.
Brandners Bestseller sind geführte Trekkingreisen. Eine gute Woche lang wandert man hier durch die abgeschiedenen Talkessel und übernachtet in Bergsteigerhütten. Bei der Komfort-Variante sind es Pensionen, von denen aus man zu Tagestouren startet. Höhepunkte sind die Tour zum Vulkan Piton de la Fournaise, der regelmäßig Lava spuckt, oder die Besteigung des Piton des Neiges, dem mit 3.070 Metern höchsten Berg im Indischen Ozean. 
Nebelwälder und Vulkankrater im Zentrum, Klippen und Sandstrände an der 200 Kilometer langen Küste: La Reunion bietet auf kleinster Fläche große Vielfalt. Die kreolische Küche und Kultur gibt es in einem so bunten Mix kein zweites Mal im Indischen Ozean. Zur Exotik gesellt sich die Sicherheit: Als Teil der Europäischen Union gilt der Euro, auf der Straße herrscht Rechtsverkehr.
Auch die Anreise ist unproblematisch. Früher musste man in Paris noch per Bustransfer den Airport wechseln, um in Orly den Inlandsflug nach La Reunion anzutreten. Heute fliegt Air Austral nonstop und über Nacht von Charles-de-Gaulle. 
Rund 15.000 deutschsprachige Touristen erkunden La Reunion inzwischen pro Jahr. Nach den Franzosen vom Festland sind die Deutschen der zweitwichtigste europäische Quellmarkt, meldet die Dependance des Fremdenverkehrsamts.
Das rührige Frankfurter Team um Nicole Anthony will indes noch mehr Expedienten für die Insel begeistern: 2019 ist wieder eine Roadshow für Reisebüros geplant. 

Helge Bendl

Kommentar schreiben