St. Vincent und die Grenadinen

St. Vincent: Beschauliches Bequia

Gelassenheit ist Pflicht auf Bequia, rechts die Admiralty Bay.

Gelassenheit ist Pflicht auf Bequia, rechts die Admiralty Bay. Fotos: cd

Die Insel ist so klein, dass man beim Sightseeing nicht zu hetzen braucht  

Wenn die Fähre von St. Vincent kurz nach neun Uhr morgens den Hafen anläuft, wacht die Insel auf. Güter werden ausgeladen, Pick-up-Taxis mit Freiluftsitzen stehen für die wenigen Besucher bereit. Lubin Olliviere hat heute Glück und ist mit einem halben Dutzend Gästen den ganzen Tag auf der Insel unterwegs. Doch er muss sich mit dem Programm nicht beeilen, denn Bequia (gesprochen Back-way) ist ganze 18 Quadratkilometer groß. 14 Kilometer südlich von St. Vincent liegt das zu den „Inseln über dem Wind“ gehörende Antillen-Eiland. Strom und Telefon gibt es erst seit 1970.

Tourismus in den Kinderschuhen
Obwohl die Insel inzwischen sogar über einen adretten kleinen Flughafen mit innerkaribischen Verbindungen verfügt, steckt der Tourismus hier noch in den Kinderschuhen. Dabei hat Bequia im Gegensatz zur großen Nachbarinsel St. Vincent jede Menge helle feinsandige Strände zu bieten und eine Beschaulichkeit, wie sie andere Karibik-Ziele vor einer Generation gehabt haben mögen. Neben familiär geführten Guesthouses gibt es auf Bequia derzeit genau neun kleine Hotels. Sie liegen in unmittelbarer Strandnähe. Relativ neu ist das im Dezember 2007 eröffnete Bequia Beach Hotel. Das im „Contemporary Colonial-Style“ gehaltene elegante Haus startete mit 12 Zimmern und 6 Villen und will die Kapazität auf insgesamt rund 160 Betten erweitern.

Chauffeur Lubin ist mit seinen Gästen zunächst zum Fort mit weitem Blick über die Admiralty Bay hinaufgetuckert. Danach steht der Besuch einer der Modellschiffe-Werkstätten an, für die Bequia berühmt ist. Jedes Jahr an Ostern findet sogar eine berühmte Regatta der Miniatursegler statt. Weiter geht es, vorbei an einer alten Zuckerfabrik, in der inzwischen eine Töpferei beheimatet ist, zum „Turtle Sanctuary“, wo echte Karettschildkröten aufgezogen werden. Von 3.000 Eiern wächst unter normalen Umständen nur eine einzige der bedrohten Meeresschildkröten zu voller Größe heran, erklärt Pfleger Kenny. Nach vier Jahren werden die Tiere aus der Schutzstation in den Ozean entlassen. Ihre Panzer sind nun knochenhart, und die Tiere sind groß genug, um kaum noch natürliche Feinde zu haben.

Hummerpizza für 25 Euro
Lubin rollt weiter zum ebenso kleinen wie skurrilen Walfänger-Museum und dann zur Admiralty Bay mit der langen Sandsichel. Bei „Mac’s“ gibt es die besten Pizzas der Insel – eine ist reichlich mit Hummer belegt. Ein Wagenrad davon kostet 25 Euro. Nebenan bei Marsanne holt man sich hausgemachte Muskatnuss-Eiscreme zum Dessert. Und bevor die Fähre wieder ablegt, bummelt man durch das winzige Port Elizabeth mit seinem erstaunlich gut sortierten Bequia Bookshop. Das Angebot an Seekarten und nautischer Fachliteratur ist bei Karibik-Seglern bekannt. Das nächste Mal wird man länger auf der Insel bleiben, soviel ist sicher.
Claudia Diemar

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