St. Maarten

St. Maarten: Carib und Kerosin

Ein Surfbrett verkündet die Landezeiten der großen Maschinen.

Auf der Karibikinsel beobachtet man Flugzeugstarts aus nächster Nähe

In der Sunset Beach Bar auf St. Maarten warten die Gäste bei Bier und Rum-Punsch auf die nächste Landung. Fotos: ah

Mein Besuch auf St. Maarten beginnt mit einer Überraschung: Direkt nach der Landung auf dem Juliana Airport im niederländischen Teil der Karibikinsel bringt mich der Guide zur nur wenige Autominuten entfernt liegenden Sunset Beach Bar. „Das musst du erlebt haben“, meint er und drückt mir eine Flasche Carib-Bier in die Hand. Ich nehme gespannt auf der großen, überfüllten Terrasse Platz, die an den feinen Sandstrand grenzt.

Plötzlich taucht am Horizont ein großer Flieger auf. Und er kommt immer näher, bedrohlich nahe sogar. Einige Gäste springen auf, stürmen zum Strand und werfen sich in den glitzernden Sand. Die massige Maschine – aus der Nähe erkenne ich, dass es ein Airbus A340 von Air France ist – fliegt mit ohrenbetäubendem Lärm in nur wenigen Metern Höhe über unsere Köpfe hinweg und setzt auf der benachbarten Landebahn auf. Die bereits angeheiterten Besucher der Sunset Beach Bar applaudieren, kreischen und prosten sich mit ihren halbleeren Bierflaschen zu.

Breit grinsend kommt der Guide zu mir und zeigt mir das aufrecht in den Boden gerammte Surfbrett. Darauf sind mit bunter Kreide die Ankunftszeiten der Airlines notiert, die hier zwischen 10 und 17 Uhr landen. Täglich sind es rund 80 Flugzeuge, darunter eine Fokker 100, eine Boeing 747, eine McDonnell Douglas 80, aber auch kleine Privatjets. Doch nur die wahren Highlights – die richtig großen Brummer – sind auf dem Surfbrett vermerkt. Carribean Airlines steuert St. Maarten um 10.34 und 17 Uhr an, Air France landet um 14.47 und Delta Airlines um 15.20 Uhr. Während ich das Brett studiere, donnert der nächste Metallvogel über mich hinweg – diesmal „nur“ ein Learjet.

Doch auch die Starts versprechen Abwechslung: Ganz Wagemutige überqueren dann die Straße, die Bar und Strand vom umzäunten Rollfeld des Flughafens trennt, und krallen sich in dem meterhohen Maschendrahtzaun fest. Denn der Druck der startenden Maschinen bläst die Barbesucher ordentlich durch – und der aufgewirbelte feine Sand trübt dabei so manches Bier.

Gibt es gerade weder Start noch Landung, bietet die Sunset Beach Bar anderweitig Skurriles: Barbusige Damen etwa trinken umsonst. Wer denkt, dass dieses Angebot keine Abnehmer findet, irrt. Frauen jedes Alters gehen zur Theke, ziehen ihren Badeanzug etwas nach unten, entblößen sich und bekommen so ein kostenloses Bier oder einen Rum-Punsch, den sie dann lässig „oben ohne“ an der Theke lehnend austrinken. Na dann mal Prost.
Arne Hübner

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