Kuba

Aromatisches Kuba

Fahrt mit einer fauchenden Dampflok zu einem Zuckerfabrik-Museum.

Auf den Spuren von Tabak, Rum und Kaffee über die Karibikinsel

In der Altstadt von Havanna posieren Frauen mit Zigarren für Touristen ...

... und anderswo neugierige Mädchen.

Sehen, schmecken, riechen: das Rum-Museum in Havanna. Fotos: pa

In der Zigarrenfabrik von Camajuani ist dicke Luft, aber gute Stimmung. Es riecht nach Schweiß, Tabakblättern und Kleister. Musik überlagert das geschäftige Treiben.

An anderen Tagen kommt zur Unterhaltung ein Vorleser vorbei – Mitarbeitermotivation auf Kubanisch. Konzentrierte Gesichter beugen sich über Holztischchen, die Hände werkeln flink: Tabakblätter glätten, schneiden, rollen. Bezahlt wird Akkordarbeit, die den Qualitätstest besteht: Nur wenn Gewicht, Länge und Zugkraft stimmen, werden die braunen Stangen mit Banderolen verziert und in Boxen der Edelmarken Montechristo, Romeo y Julieta und Cohiba verstaut.

In Kubas Exportbilanz ist Tabak das zweitwichtigste Produkt der Landwirtschaft. Allein in der kleinen Fabrik von Camajuani werden täglich bis zu 14.000 Zigarren produziert. Ein junger Arbeiter schaut von seinem Tisch auf und deutet mit glänzenden Augen auf ein gealtertes Foto an der Wand. Es zeigt Che Guevara beim Fabrikbesuch.

Auf einer Kuba-Reise kommt man an dem Guerillakämpfer nicht vorbei, denn die Erinnerungen sind zahlreich. Daneben ziehen sich die Liebe der Einheimischen zur Musik und aromatische Themen wie ein roter Faden über die Karibikinsel. Kuba ist süß, kräftig und hochprozentig: Zucker, Kaffee, Tabak und Rum.

In Remedios, nicht weit von Camajuani entfernt, startet eine fauchende Dampflok zu einem Zuckerfabrik-Museum – vorbei an Königspalmen, Tabakfeldern, Bananenplantagen und winkenden Kindern. Das Museum dokumentiert Schinderei, wie auch heute das Leben auf Kuba kein Zuckerschlecken ist.

Am Hauptplatz von Remedios liegt „La Ilusion“, ein mintgrüner Laden mit trostloser Auswahl: etwas Bekleidung, Regale mit Plastikeimern und Pinseln. Auf die Wand sind Botschaften gepinselt wie: „Lache häufig und viel.“

Kuba mangelt es an vielen Dingen, auch an öffentlichen Verkehrsmitteln. Zur Fortbewegung dient alles Mögliche: Karren und Kutschen mit Pferden und Ochsen, Rikschas, Traktoren und durchgesessene Oldtimer. Familien stapeln sich auf Fahrrädern wie die Bremer Stadtmusikanten. Durch die Straßen von Remedios, koloniale Kulisse mit Häusern in Babyblau und Prinzessinnenrosa, radelt ein Mann mit zerfledderten Latschen. Auf dem Gepäckträger thronen zwei rosa und gelb gefärbte Sahnetorten.

Liebhaber alter Karossen sollten die Kamera stets im Anschlag halten, denn Oldtimer cruisen in Kolonnen über Kubas Straßen. Das wohlproportionierte Blech stammt aus den 50er Jahren, als die Amerikaner die Insel als Laufsteg für neue Automodelle nutzten. Anders als in den USA herrschte auf Kuba kein Alkoholverbot, was die reichen US-Bürger anzog. Als Ventile für die Überflussgesellschaft eröffneten Bars, Casinos und Bordelle. Die Sündenbabel-Geldkuh wurde von Gangsterbossen wie Al Capone gemolken.

Die Rumspuren führen ins Museum des bekannten Herstellers Havana Club in Havanna, doch zuvor ist ein Halt in Santa Clara geschichtlich bindend. Das „Denkmal des gepanzerten Zuges“ erinnert daran, wie Che Guevara mit einer Handvoll Mitstreiter 1958 einen Waffentransport schachmatt setzte: Die Rebellen zerstörten die Gleise und stürmten den Zug mit Molotow-Cocktails, die sie durch Holzklappen im Boden warfen, der Achillesferse des Transports.

Die Vororte von Havanna tauchen auf, eine schwellende Peripherie mit gesichtslosen Neubauvierteln, von den Kubanern auch „Bienenkästen“ genannt. Rund 2,2 Millionen der elf Millionen Inselbewohner ballen sich in der Kapitale.

Das Museo del Ron liegt in der Altstadt, einem Straßengewirr mit brüchigen Fassaden. Im Museum informieren Schautafeln über die Sklavenarbeit im Zuckerrohranbau, in einem Fass blubbert Melasse mit Schaumkrone. Auf einer Miniaturanlage tuckert eine Dampflok um eine Destillerie. Vor dem Souvenir-Shop wird Rum verschiedener Reifegrade verkostet.

Einige Straßen weiter lädt das Hotel Conde de Villanueva mit einem Zigarrenstübchen zur Einkehr ein. Besucher dürfen sich hier im Drehen und Rauchen üben, jede Sesselfaser und Tapetenpore atmet Tabakgeruch. Im Verkaufsraum kostet eine Zehnerschachtel Cohibas, bevorzugte Zigarrensorte von Altbundeskanzler Gerhard Schröder, etwa 300 Euro. Der Verdienst der Fabrikarbeiter liegt bei 300 bis 800 Pesos cubanos monatlich (zwischen 8 und 20 Euro). Viel kann man dafür nicht erwerben, schon deswegen, weil oftmals Pesos convertibles verlangt werden, die zweite Währung Kubas.

Weiter geht’s zur Plaza Vieja, wo an einer Ecke das „Café el Escorial“ verboten gut nach frisch gemahlenen Bohnen duftet. Die Karte listet mehr als 60 Kaffeevariationen – vom kleinen Schwarzen bis zum Eiskaffee mit Bananenlikör und Milchschaum. Grundlage sind Bohnen aus dem Escambray-Gebirge in Zentralkuba – kräftig, ohne bitter zu sein. Das Café ist mit Touristen besetzt. Ein Kubaner würde hier rasch seinen Monatsverdienst verschlürfen.
Pilar Aschenbach

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