Dominica

Schildkröte voraus

Ein kurzer Blick, dann ist sie schon wieder weg: Eine Riesenschildkröte auf Dominica. Foto: Uwe Tonkel

Die Unterwasserwelt Dominicas bietet spektakuläre Taucherlebnisse

Rosie Cohen setzt sich Taucherbrille und Schnorchel auf und springt vom Boot in die Fluten vor Sunset Bay auf der Karibikinsel Dominica. Gemeinsam mit ihrem Mann macht sie in den Flitterwochen einen Tauchschein und hat sich Dominica ausgesucht, "weil die Insel noch ein Geheimtipp ist". Sagt es und taucht ein in das warme Salzwasser, schwimmt einige Züge und genießt die Schwerelosigkeit. Während die 32-Jährige im Blau des Karibischen Meeres umherpaddelt und Orientierung sucht, schaltet sie einen Gang runter. Alles ist ruhig.

Plötzlich taucht ein schwarzer Schatten auf. Ein Hai? Nein, zu rund. Das schwarze Große bewegt sich langsam, schiebt sich wenige Meter unter der Taucherin durchs Wasser. Ein gefleckter Kopf ist zu sehen, kurz darauf eine Vorderflosse und schließlich ein Panzer, so breit wie menschliche Schultern: Eine Riesenschildkröte schlüpft unter ihr hervor und sieht den Menschen nicht. Rosie wagt kaum sich zu rühren oder gar zu atmen. Dann tut die Schildkröte zwei gemächliche Züge und wendet blitzschnell.

Manche Momente kann man nicht im Foto festhalten, und doch bleiben sie für immer. Nur eine Handbreit von der Taucherbrille entfernt fixieren die dunklen Schildkrötenaugen ihr Gegenüber. Dann taucht sie ab, rudert mit ihren kurzen Vorderbeinen ein Stück vorwärts. Dort verharrt sie, dann verschwindet das Tier, ebenso unvermittelt, wie es gekommen ist.

Tauchführer Eric lächelt, als Rosie ihm aufgeregt die Geschichte erzählt. "Schildkröten sehen wir hier fast bei jedem Tauchgang", weiß er. Und nicht nur die. Seepferdchen, getigerte Hummer, leuchtend blaue Nacktschnecken, Korallen. "Eigentlich mag ich die kleinen Tiere beim Tauchen am liebsten", sagt Rosie, "aber die Schildkröte war wirklich etwas Außergewöhnliches."

Am nächsten Abend steigt sie wieder in ein Boot, Naturführer Celsus Fontane bringt das Pärchen in die Bucht von Soufrière. "Das sollte kein frisch verheiratetes Paar versäumen", sagt er mit seiner rauen Stimme. "Unsere Strände sind zwar rabenschwarz statt zuckerweiß - dafür aber haben wir die schönsten Naturschauspiele." Das Wasser prickelt wie ein Glas Brause. "Springen Sie rein!", fordert er die beiden Reisenden auf.Leise gluckernd steigen die kleinen Bläschen auf und kitzeln leicht auf der Haut. "

Fühlt sich an wie Baden im Champagnerglas, oder?" fragt Celsus Fontane. Dann schwärmt er von der Schönheit seiner Naturinsel, den vielen Wasserfällen und Regenbögen, dem kochenden See im Urwald. "Aber was Sie unbedingt machen sollten, ist eine Fahrt auf dem Indian River." Entlang der im Wasser wurzelnden Mangroven, den Bloodwood-Bäumen, schippern sie dem Sonnenuntergang entgegen. "Dominica ist überall schön - ob über oder unter Wasser", ist sich Fontane sicher.
Andrea Lammert

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